Brandschutztür als Hindernis

Vorarlberg / 11.02.2020 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
An der Tür wird noch gearbeitet. VN/RAUCH

Die Normen seien erfüllt, doch Interessensvertreter und Grüne vermissen Barrierefreiheit bei der Stadtbibliothek Dornbirn.

Dornbirn 6,4 Millionen Euro ließ sich die Dornbirner Sparkasse die neue Stadtbibliothek kosten, ein Geschenk an die Bürger der Stadt zum eigenen 150-Jahre-Jubiläum. Bereits am Eröffnungstag dann jedoch ein Dämpfer: Der Eingang sei nicht barrierefrei gestaltet, klagte Heinz Grabher, Geschäftsführer Persönliche Assistenz Vorarlberg.

Beim Lokalaugenschein am Donnerstag wurde die Leichtgängigkeit der Tür gerade verbessert.

Brandschutztür als Hindernis

Denn im Gegensatz zur Schiebetür am Eingang ist die direkt darauffolgende Brandschutztür nicht selbst öffnend, auch der unterstützende Servomotor sei anfangs kaum eine Hilfe gewesen. Auch Reingard Eberle, langjährige Obfrau des Vereins „Integration Vorarlberg“ für Eltern von Kindern mit Behinderung, kritisiert die Tür in den VN-Leserbriefen: Für Personen in einem Elektrorollstuhl sei diese Drehflügeltür ein unüberwindbares Hindernis. Einen Rufknopf für Assistenz gibt es nicht.

„Brandschutz versus Barrierefreiheit ist ein leidiges Thema“

Karin Stöckler, ÖZIV Vorarlberg

Karin Stöckler, Präsidentin des ÖZIV Vorarlberg, kennt die Debatten um Brandschutztüren und Barrierefreiheit. „Das ist ein leidiges Thema“, bestätigt sie. Aus ihrer Erfahrung wäre eine Drucktaste oder auch ein Drucksensor in der Tür für die meisten Betroffenen die beste Lösung. Einen Bewegungssensor müsste man gegebenenfalls mit dem Brandschutz verknüpfen, damit dieser den Bewegungssensor übersteuern kann. Ansonsten droht die Gefahr, dass die Tür auch durch starke Rauchentwicklung geöffnet wird.

„Uns wäre nicht in den Sinn gekommen, dass neue öffentliche Gebäude nicht barrierefrei errichtet werden könnten“

Juliane Alton und Ingrid Benedikt (Grüne)

Auch die Grünen in der Messestadt wundern sich über die aktuelle Lösung. „Uns wäre es überhaupt nicht in den Sinn gekommen, dass neue öffentliche Gebäude nicht barrierefrei errichtet werden könnten“, erklären die grüne Stadträtin Juliane Alton und Stadtvertreterin Ingrid Benedikt. Sie fürchten nun, dass die Nachrüstung teuer kommt. Auch in der Stadtvertretersitzung wollen die Grünen erfahren, wie dies passieren konnte und wie man dies in Zukunft zu vermeiden gedenkt.

Christoph Waibel (FPÖ), Stadtrat für Hochbau in der Messestadt, kennt die Kritik. „Die Bibliothek muss barrierefrei sein, es wird funktionieren und das relativ rasch“, versichert er sein eigenes Interesse an einer Lösung. Bei der Planung habe man in erster Linie die ÖNORM zu erfüllen gehabt. Gegen eine automatisierte Schiebetür hätte vor allem die Situation vor Ort gesprochen. Sich frei im Raum bewegende Besucher und Schulklassen hätten die Tür öfter als notwendig ausgelöst und ungewollte Luftströme verursacht. Daher die Entscheidung für eine manuelle Drehflügeltür. Dass hier noch Feineinstellungen notwendig sind, liege in der Natur der Sache.

„Es wird funktionieren und das relativ rasch“

Christoph Waibel, Hochbaustadtrat (FPÖ)

Automatische Türe nicht vorgeschrieben

Tatsächlich sehen die hier gültigen ÖNORM 1600 und die OIB-Richtlinie 4 nur vor, wie groß und wie leichtgängig eine Tür sein muss, um als barrierefrei zu gelten. So muss der Türflügel leicht zu öffnen sein, nicht breiter sein als einen Meter, ausreichend Platz vor und hinter der Tür bieten und eine Durchgangsbreite von mindestens 80 Zentimetern aufweisen. Türschwellen und Drehgriffe sind zu vermeiden. Automatisch zu öffnen müssen sie jedoch auch im Eingangsbereich nicht sein. Im Vorarlberger Baugesetz heißt es zwar, dass Türen „tunlichst ohne fremde Hilfe“ zu bedienen sein müssen, im Detail gilt hier jedoch die genannte OIB-Richtlinie 4 von 2015.

Seit vergangener Woche arbeite man laut Waibel daran, die Situation zu verbessern. Beim Lokalaugenschein am Donnerstag wurde tatsächlich gerade an der Leichtgängigkeit der Tür gearbeitet. Geplant seien nun auch Versuche mit einem freiwilligen Rollstuhlfahrer, um die beste Lösung für die Stadtbibliothek zu finden. Wie diese aussehen wird, ist jedoch noch offen.