FL.A.CH über zehn Jahre verspätet

Vorarlberg / 11.02.2020 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Früheste Fertigstellung des Bahnprojekts nach Liechtenstein im Jahr 2026 oder 2027.

Schwarzach Liechtenstein ist ein begehrter Arbeitsplatz. 8500 Vorarlberger pendeln jeden Tag ins Fürstentum, 5600 davon aus dem Bezirk Feldkirch (die VN berichteten). Nur wenige fahren mit dem Zug. Das soll sich mit dem S-Bahn-Projekt FL.A.CH ändern. Eine zweigleisige Bahnstrecke, neue Bahnhöfe und ein dichterer Takt sind geplant. Einst hätte es 2015 fertig werden sollen. Ein Finanzierungsstreit zwischen Liechtenstein und Österreich verzögerte den Bau, jahrelang ging nichts vorwärts. Seit Sommer 2019 wird wieder verhandelt, ein Abschluss steht bevor. Sollte alles nach Plan laufen, könnte FL.A.CH 2026 in Betrieb gehen, heißt es in einer Anfragebeantwortung der Landesräte Marco Tittler (ÖVP) und Johannes Rauch (Grüne) an SPÖ-Klubobmann Martin Staudinger.

Laut einer ÖBB-Verkehrszählung aus dem Oktober 2018 steigen an Werktagen 350 bis 400 Zugfahrer aus Vorarlberg in Liechtenstein aus. Nach einer Untersuchung im Rahmen des Projekts Pemo pendeln Vorarlberger in großen Liechtensteiner Betrieben zu 63 Prozent alleine mit dem Auto, 13 Prozent per Fahrgemeinschaft. 19 Prozent fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und vier Prozent nutzen das Fahrrad. Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2016 passieren 900 Radfahrer pro Tag die Grenzübergänge zwischen Österreich und Liechtenstein.

Entlastung auf der Straße

FL.A.CH soll die Nachfrage im Zugverkehr erhöhen. Eine Prognose für das Jahr 2025 geht davon aus, dass sie um 2500 auf 3400 grenzüberschreitende Fahrten (hin und retour) steigt. Der Straßenverkehr werde um 1500 Autos pro Tag (ohne Stadttunnel) oder 1200 pro Tag (mit Stadttunnel) entlastet.

Das kann aber noch ein bisschen dauern. Die Landesregierung erwartet sich heuer eine Entscheidung zur Finanzierung. Das Liechtensteiner Infrastrukturministerium betont auf VN-Anfrage: Sollte es eine Entscheidung geben, müsse der Landtag einen Finanzbeschluss fassen, über den die Bevölkerung abstimmen muss. „Ob und wann es zu einer Volksabstimmung kommt, kann nicht vorausgesagt werden“, heißt es weiter. Fazit der Anfragebeantwortung im Land: „Unter Berücksichtigung der erforderlichen Vorlaufzeiten für die Ausschreibung der Bauleistungen, Anmeldung internationaler Streckensperren etc. ist ohne weitere Verzögerungen eine Fertigstellung bis circa 2026/2027 möglich.“

Eine Bürgerinitiative möchte indes den Busverkehr forcieren. Am Donnerstag wird dem Liechtensteiner Landtagspräsidenten Albert Frick eine Petition übergeben, in der eine direkte Verbindung zwischen Feldkirch, Ruggell, Sennwald und Salez gefordert wird. VN-mip