Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Vollmondnächte

Vorarlberg / 11.02.2020 • 09:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Vollmond ist in Sri Lanka das, was bei uns der Sonntag einmal war. In der Früh und am Abend strömen Abertausende den Tempeln zu. Die Zufahrtsstraßen säumen Buden voller Blumen und Räucherwerk. Aber die Gläubigen legen auch Tee und Reis und Curry vor die Statuen ihrer Verehrung. Sie ernähren ihren Buddha und die hinduistischen Götter gleich dazu. Der eine lehrt sie, die anderen sind Adressaten ihrer Wünsche. Das hat alles Platz.

Nicht nur die Alten machen sich auf den Weg. Die Tempelhöfe können die Massen junger Menschen kaum fassen. Auch sie haben sich festlich weiß gekleidet und beten mit solcher Inbrunst … um Gesundheit? Ein gutes Leben? Für die Freundin, den Freund?

Als Tempeldiener Opfergaben durch die Menge tragen, drängt ein jeder sich hinzu, um die Gaben zu berühren. Unzählige solcher fast kindlichen Gesten sind es, die im flackernden Licht der Öllampen selbst die urlaubenden gestressten Manager aus dem Westen dazu bringen, ihre ganze Ratio für einen Augenblick über Bord zu kippen. Sie zünden ein Räucherstäbchen an, ganz fromm. Und verneigen sich tief vor dem Buddha, der ihnen milde lächelnd dabei zusieht.

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