23.800 Euro aus der Betriebsratskassa abgezweigt

Vorarlberg / 12.02.2020 • 09:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei dem Delikt drohten Freiheitsstrafen, doch die ansonsten unbescholtene Frau zeigte sich umfassend geständig und reumütig. ECKERT

Statt Geburtstagsgutscheine für Mitarbeiter wurden eigene Mietrückstände bezahlt.

Christiane Eckert

Feldkirch Die 26-Jährige ist bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch von Beginn an geständig. Doch die junge Frau ging ziemlich dreist vor. Sie war Kassiererin des Betriebsrats einer Lebensmittelfiliale im Unterland. Bereits 2017 entnahm sie widerrechtlich Geld aus der Kasse, legte es aber wieder zurück. Bei der anschließenden Kassaprüfung der Arbeiterkammer stimmten die Zahlen, somit fiel vorerst weiter nichts auf. „Ich wollte damals aufhören“, gibt sie vor Richter Paul Huber an. Fakt ist, sie machte weiter. Und zwar bis 2019, mit einem Schaden von knapp 24.000 Euro.

Schuldenberg

Der Grund, so die Angeklagte, sei gewesen, dass der damalige Freund seinen Job gekündigt habe, das Geld für die Miete deshalb nicht gereicht und die Betriebsratskassa eine verlockende Gelegenheit dargestellt habe. „Ich verdiente damals nur 1000 Euro, hatte zunächst eine Lohnpfändung, dann gleich die zweite, es ging sich mit der Miete einfach nicht aus“, erinnert sich die Angeklagte. Normalerweise wurden die zweckgewidmeten Betriebsratsgelder vom Sparbuch, beziehungsweise Bankkonto abgehoben und in eine Handkasse gegeben. Mit diesem Bargeld werden bei Mitarbeitergeburtstagen Gutscheine gekauft. Angestellte erhalten diese als Anerkennung. Doch auf einmal wunderten sich die Geburtstagskinder, denn die Gutscheine blieben aus. Man schöpfte Verdacht. Es gab eine Kassaprüfung. Die Kassiererin bekam Panik, kam nicht mehr zur Arbeit und kündigte. Zu spät, es war nicht allzu schwer nachzuvollziehen, wohin das Geld gewandert war. Nur die Angeklagte hatte Zugriff, dass sie knapp bei Kasse war, war außerdem bekannt.

Verurteilung unumgänglich

Die Frau wird wegen Veruntreuung zu einer Geldstrafe von 1680 Euro verurteilt. 840 davon muss sie bezahlen, den Rest gab es auf Bewährung. Mildernd waren das Geständnis und die bisherige Unbescholtenheit, erschwerend der lange Tatzeitraum und die Schadenshöhe. Ab einem Schaden von 5000 Euro drohen bereits bis zu drei Jahre Haft. Die Kassiererin hat die Grenze somit mehr als vierfach überschritten. Dass sie die veruntreuten 23.800 Euro zurückerstatten muss, liegt auf der Hand. Bislang hat sie noch nichts zurückbezahlt. Die Schadenswiedergutmachung wird mühsam, denn momentan hat sie keinen Job. „Ich wollte das absolut nicht“, entschuldigt sich die junge Frau. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.