Bürgermeisterwahlen in 37 Gemeinden

Vorarlberg / 12.02.2020 • 20:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In 24 Kommunen stellt sich ein einziger Kandidat der Wahl. In den anderen geht es nur um die Gemeindevertretung.

Feldkirch, Bregenz Was hat der Brexit mit Vorarlbergs Gemeindewahl am 15. März zu tun? Timothy Richardson stammt aus der britischen Stadt York. Seit 25 Jahren lebt er in Vorarlberg. „Es ist meine Heimat geworden“, erzählt er. Der Feldkircher ist einer von rund 350 britischen Staatsbürgern im Land. 2015 durfte er die Feldkircher Stadtvertretung und den Bürgermeister mitbestimmen. EU-Bürger sind nämlich wahlberechtigt. Seit dem BRexit am 1. Februar ist er zwar kein EU-Bürger mehr, der Wahl-Stichtag war allerdings am 29. Jänner. Richardson wird also wählen. Ein letztes Mal.

Er ist einer von 30.000 Vorarlbergern, die zwar keinen österreichischen Pass haben, am 15. März aber wählen dürfen, wie das Land am Mittwoch bekannt gab. Die Gemeinde mit den meisten Unionsbürgern findet sich im Kleinen Walsertal. Von 4005 Wahlberechtigten in Mittelberg besitzen 1755 eine andere Staatsbürgerschaft. Dünserberg ist mit 114 Wahlberechtigten erneut jene Gemeinde mit den wenigsten.

Wenige Bürgermeisterwahlen

96 Gemeinden gibt es in Vorarlberg. In 14 hat sich keine Liste angemeldet, dort findet eine Mehrheitswahl statt. In 20 weiteren steht lediglich eine Liste zur Wahl. In 61 Gemeinden treten Kandidaten auch zur Bürgermeisterwahl an. Wobei sich in 24 davon nur eine Person bewirbt. Dort muss der Wähler „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen. Wenn über 50 Prozent mit dem Bürgermeisterkandidaten zufrieden sind, gilt er als gewählt. Ansonsten muss die Gemeindevertretung jemanden wählen. Dasselbe gilt für Gemeinden ohne Bürgermeisterkandidat – auch dort entscheidet das Gremium. In den Kommunen mit mehreren Kandidaten muss einer davon mindestens 50 Prozent der Stimmen erreichen, ansonsten geht es in die Stichwahl.

Definitiv keine Stichwahl wird es in Hohenems geben. Dieter Egger (FPÖ) sieht sich nur mit einem Gegenkandidaten konfrontiert: Gerhard Stoppel von der ÖVP. Grüne, SPÖ, Steinbruch-Gegner und HaK stellen keinen Bürgermeisterkandidaten auf. Grünen-Listenerste Patricia Tschallener erklärt: „Uns ist wichtig, dass wir in der Stadtvertretung stark vertreten sind. Außerdem bin ich mit Leib und Seele Lehrerin an der HTL.“ Als Bürgermeisterin hätte sie das aufgeben müssen. Eine Wahlempfehlung wird sie nicht abgeben.

Kandidatenreigen

Die Heimat aller Kulturen (HaK) hat in allen zehn Gemeinden, in denen sie antritt, auf Bürgermeisterkandidaten verzichten. In Lustenau stehen auf der Liste der HaK 21 Kandidaten. Tag für Tag präsentieren sich nun neue Bürgermeisterkandidaten: Die FPÖ schickt in Satteins Andreas Dobler und in Bregenz Philipp Kuner ins Rennen. Die Neos treten in Hörbranz mit Dominik Greißing, in Höchst mit Jan Fausek und in Lustenau mit Mathias Schwabegger an. In manchen Kommunen muss noch einmal die alte Garde ran. Georg Bantel tritt mangels Alternativen in Möggers noch einmal an, in Lorüns fehlt ein Kandidat.

Für die Ausführung der Wahl sind die Gemeinden verantwortlich. Sie müssen für die Stimmzettel sorgen, können sich eine Druckerei aussuchen oder selbst im Büro drucken. Hauptsache, sie erfüllen bestimmte Kriterien, erklärt Andrea Schenkermayr vom Land Vorarlberg. Timothy Richardson würde gerne weiterhin österreichische Stimmzettel ausfüllen. „Ich verstehe das Argument der Staatsbürgerschaft. Aber ich habe eine Firma, zahle Steuern und lebe schon lange hier. Ich würde gerne mitbestimmen, was hier geschieht.“ Brexit hin oder her.

„Ich lebe und arbeite hier. Ich würde gerne weiterhin mitbestimmen, was geschieht.“