16 „Leuchtturm“-Schüler schafften den Pflichtschulabschluss

Vorarlberg / 13.02.2020 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stolz präsentieren die Absolventen ihre Zeugnisse. LAG

Absolventen holten den Abschluss im zweiten Bildungsweg.

dornbirn Wer einen Pflichtschulabschluss hat, findet viel leichter eine Lehrstelle oder kann mit einer Berufsausbildung beginnen. Seit 1994 bieten die Dornbirner Jugendwerkstätten mit der Partnerschule Mittelschule Lustenauerstraße den Pflichtschulabschluss im zweiten Bildungsweg an.

Junge Menschen werden in einer Intensivlerngruppe auf die einzelnen Prüfungen vorbereitet. Für viele war es ein harter und steiniger Weg. Doch er hat sich gelohnt. Nicht nur, dass die Teilnehmer des Kurses ihre Abschlusszeugnisse nun stolz in den Händen halten, haben sich auch Freundschaften entwickelt. So hat das Lernen doppelt Spaß gemacht. „Innerhalb von sechs Monaten halten wir die Prüfungen ,step by step‘ ab. Ein Fach nach dem anderen wird abgeschlossen. Pro Woche fallen 16 Stunden an“, sagt Elmar Luger, Geschäftsführer der Dornbirner Jugendwerkstätten. Im September starteten 26 Lernwillige.

Ich bin aus Nigeria, lebe bereits seit 15 Jahren in Österreich und habe auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Mit dem Schulabschluss habe ich jetzt die Möglichkeit, eine Lehre in der Metallbranche zu beginnen. Der Kurs war einfach toll und wir wurden sehr gut betreut.

Tony Favour, 38 Jahre

Die Schüler sind zwischen 15 und 47 Jahre alt und können auf dem Weg zum erfolgreichen Pflichtschulabschluss ihr eigenes Tempo gehen. Dem Großteil gelang es, innerhalb nur eines Semesters alle erforderlichen Prüfungen zu absolvieren. Die Vielfalt der Schüler in Bezug auf Geschlecht, Herkunft und Alter ist sehr groß und sowohl für die Lehrenden als auch für die Lernenden bereichernd. 24 hielten eisern durch. 16 von ihnen konnte das Zeugnis von Landesrat Marco Tittler überreicht werden, das sie voll Freude und stolz entgegennahmen. Die restlichen Schüler wollen es bei einem zweiten Anlauf schaffen. Während der Zeugnisverteilung war die positive Stimmung unter den Schülern, die aus Österreich, Deutschland, Somalia, Syrien, Russland, Afghanistan, der Slowakei, der Türkei, dem Irak und aus dem Kosovo stammten, spürbar.

Mir war ein Schulabschluss wichtig, um in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Mit diesem Zeugnis habe ich mir auch selbst etwas bewiesen. Früher war Schule für mich Horror. Doch hier fühlte ich mich aufgehoben und habe auch einen tollen Kollegen gefunden.

Luca Wachter, 17 Jahre

Direktor Christian Purin lobte den Einsatz, den guten Willen und die auffallende Freundlichkeit der „SchülerInnen“. Er wies aber eindringlich darauf hin, dass lebenslanges Lernen zum Ziel werden sollte und bat eindringlich, noch mehr zu tun, um die deutsche Sprache zu beherrschen. „Denn nur so kann man sich erfolgreich um einen Job bewerben.“ Auch sprach er von „Soft Skills“, den persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen. Neben guten Noten ist bei Bewerbungen auch von Vorteil, ehrenamtliches Engagement zu beweisen. Projektleiterin Stefanie Helm: „Mein Ziel ist es, den Teilnehmern ein positives und offenes Lernumfeld zu bieten. Sie sollen sich wohlfühlen und dort abgeholt werden, wo sie zum Zeitpunkt des Projekteinstiegs stehen.“ Unterstützt wird sie von Julia Krepl. „Natürlich ist es eine Herausforderung, den Lernstoff zu vermitteln. Zehn Nationen waren in diesem Kurs vertreten. Lediglich bei sieben Schülern war die Muttersprache Deutsch.“ Und zum Schluss: Ein positiver Pflichtschulabschluss bietet neue Perspektiven und steigert die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Für alle, die vor Kurseintritt beim AMS gemeldet sind, bezahlt das AMS die Unfallversicherung und garantiert den Fortbezug des Arbeitslosengeldes bzw. der Notstandshilfe. Dank dieser Unterstützung fallen für die Lernenden keine Kosten an. LAG