„Damit ist niemandem geholfen“

Vorarlberg / 14.02.2020 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Podcast spricht er über Sicherheit, Rassismus und den Fall Dornbirn. VN/PH
Im Podcast spricht er über Sicherheit, Rassismus und den Fall Dornbirn. VN/PH

Menschen mit negativem Asylbescheid werden nicht auf die Straße gesetzt, betont Klisch.

Feldkirch Es gibt mehr Untergetauchte als Abschiebungen, erzählt Bernd Klisch. Die Sprache sei schärfer aber die Polarisierung schwächer geworden. Die Integration in den Arbeitsmarkt funktioniere, betont der Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe im VN-Podcast.

 

Sie leiten seit 2015 die Caritas-Flüchtlingshilfe. Was hat sich verändert?

Klisch 2015 haben wir von Flüchtlingen gesprochen, also von Menschen, die vor etwas geflohen sind. Jetzt sprechen wir von illegaler Migration. Das rückt die Menschen an die Grenze zur Kriminalität. Das ist zwar inhaltlich richtig, aber assoziiert bestimmte Vorstellungen. Für einen Asylantrag muss man persönlich nach Österreich kommen. Das geht fast nur illegal. Es ist eigentlich ein schlechter Witz, von illegaler Migration zu sprechen. Österreich hat die Genfer Konvention unterzeichnet und dürfte theoretisch keine Flüchtlinge haben. Dafür hat sich die Polarisierung vom Anfang fast aufgelöst.

 

Wie läuft der Abbau der Quartiere?

Klisch Wir schließen viele Quartiere. Es ist paradox: Zuerst gab es Aufregung um neue Quartiere. Nach der Eröffnung kamen die Menschen zusammen. Und jetzt haben wir Probleme, wenn wir Quartiere schließen. Wir werden gefragt, ob wir ein Quartier nicht bestehen lassen, weil es für das Dorf wichtig sei.

 

Wie lange dauern Asylverfahren?

Klisch Das ist ganz unterschiedlich. Es gab Zeiten, da haben syrische Staatsbürger innerhalb von wenigen Wochen einen positiven Bescheid bekommen. Mittlerweile dauert es wieder länger. Wir haben auch Flüchtlinge, die sich schon seit zwölf Jahren im Verfahren befinden. Und dann haben wir rund 100 Personen mit einem rechtskräftig negativen Bescheid.

 

Werden alle abgeschoben?

Klisch Das ist gar nicht einfach, die Behörden müssen Heimreisezertifikate besorgen. Wir informieren unsere Klienten, weisen sie auf die Rückkehrberatung und die freiwillige Ausreise hin. Fruchtet alles nicht, kommt die Polizei. Das lieben die Polizisten auch nicht. Aber sie machen es ruhig, besonnen und korrekt. Es gibt aber mehr Abschiebeversuche als Abschiebungen. Und manche tauchen unter.

 

Wie viele sind das?

Klisch Es gibt bei uns vielleicht zwei bis drei Abschiebungen pro Monat. Die Zahl der Personen, die untertauchen, ist etwas höher.

 

Was geschieht mit denen, die nicht abgeschoben werden können?

Klisch Wenn man sie auf die Straße setzt, wäre niemandem geholfen. Das erkennt auch die Landesregierung. Sie werden bei uns in der Grundversorgung versorgt. Aber ihre Situation ist äußerst schwierig. Welche Perspektive haben sie? Sie dürfen nicht arbeiten, nicht bleiben, können nicht weg.

 

Wie geht es bei einem positiven Bescheid weiter?

Klisch 30 bis 60 Menschen mit Bleiberecht verlassen pro Monat unsere Quartiere. Wenn sie bleiben, müssen wir einen Mietvertrag abschließen. Fast 60 Prozent zahlen die Miete selber, finden also schnell eine Arbeit. Daran erkennen wir, wie schnell die Arbeitsintegration funktioniert. Das ist höchst erfreulich.