In Pflegeheimen ist kein Platz mehr frei

Vorarlberg / 14.02.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helfende Hände, woher in der Pflege nehmen, das wird eine immer größere Frage. VN/LERCH

60 Betten gesperrt. Wartelisten und Wartezeiten werden immer länger.

Schwarzach 59 Heimbetten aufgrund von Personalmangel gesperrt, 125 pflegebedürftige Personen auf der Warteliste, fünf bis sieben Wochen Wartezeit: Seit der Pflegeregress gefallen ist, hat sich der Druck auf die 51 Pflegeheime deutlich verstärkt. Die prekäre Situation bekommen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Case-Managements vor Ort zu spüren. „Ich habe für einen Klienten 25 Heime angerufen, in keinem war Platz“, erzählt eine Case-Managerin aus dem Oberland. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker will nichts schönreden, wie sie im VN-Gespräch betont. Die Lage sei schwierig. „Wir werden noch an einigen Rädchen drehen müssen, um eine Besserung zu erreichen“, räumt sie ebenfalls ein.

Mehr Präsenzstunden

Vorrangiges Ziel sei jedoch, Entspannung an der Personalfront zu schaffen. Der Grund: Bereits im Herbst hat Wiesflecker mit dem Gemeindeverband einen neuen Personalschlüssel für Pflegeheime verhandelt. Sowohl im Tages- wie im Nachtdienst soll es mehr Präsenzstunden geben. Dafür sind im heurigen Budget vier Millionen Euro vorgesehen. In den kommenden Jahren wird der Finanzbedarf allein für diese Maßnahme zwischen 23 und 25 Millionen Euro liegen. Mittelfristig ist auch der Bau neuer Heime erforderlich. Laut Prognose braucht das Land bis 2025 zusätzlich 160 Pflegebetten. 

Gleich nach Abschaffung des Pflegeregresses hat Katharina Wiesflecker ein landesweites Monitoring eingerichtet. „Um den Überblick zu haben“, merkt sie an. Jeweils am Ende eines Monats werden vom zentralen Case-Management im Landhaus die Daten draußen abgefragt. Früher standen 50 bis 60 Personen auf den Wartelisten. Bis ein Platz in einem Pflegeheim frei wurde, dauerte es rund zwei bis drei Wochen. Mit der Sperre von 60 Betten, von denen ein Bett wegen Renovierung geschlossen ist, kippte die Situation. „Bezogen auf die Gesamtzahl von 2400 Betten sind das zwar nur 2,4 Prozent, aber sie fehlen“, bedauert Wiesflecker.

Personal als Nadelöhr

Doch ohne Personal läuft nichts, und das zu bekommen erweist sich als schwierig, vor allem vor dem Hintergrund des neuen Schlüssels. Demzufolge sollen die Personalpräsenzstunden im Tagesdienst von derzeit 36 auf 47 angehoben werden. Für das Diplompersonal würde das eine Erhöhung von 11 auf 12 Stunden bedeuten, Pflegeassistenten und Pflegefachassistenten würden 27 statt 21 Stunden zugestanden, und die Präsenzstunden von Heimhilfen würden von vier auf acht Stunden steigen. Auf diese Weise soll das diplomierte Personal für andere Aufgaben freigespielt werden. Als erstes will Wiesflecker aber bei den Nachtdiensten ansetzen. „Eine Pflegeperson allein kann das nicht mehr leisten“, sagt sie. Künftig wird es Doppelbesetzungen geben. Der Bedarf an neuen Mitarbeitern ist entsprechend hoch. Beim Diplompersonal braucht es 28 Vollzeitäquivalente, bei den Assistenzberufen 168 und bei der Heimhilfe 112, wobei Wiesflecker in der Langzeitpflege vor allem auf Um- und Wiedereinsteiger setzt.

Es muss aber auch gebaut werden. Besonders im Rheintal und da in den Bezirken Bregenz und Dornbirn sowie im Bezirk Feldkirch sind weitere Pflegebetten nötig. Das Montafon und den Bregenzerwald sieht die Soziallandesrätin ausreichend versorgt. Daneben brauche es noch gute Rahmenbedingungen, sie nennt Beispiele wie Kinderbetreuung, Dienstwohnungen, flexible Dienstpläne, eine gute Teamkultur und gute Führungskräfte.