Von Vormachtstellungen und Demos

Vorarlberg / 14.02.2020 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
SP-Leiter (l.) gibt sich nach außen hin siegessicher und postet Bilder vom Small talk mit LH Wallner (VP).VN
SP-Leiter (l.) gibt sich nach außen hin siegessicher und postet Bilder vom Small talk mit LH Wallner (VP).VN

Baustellen In der Vorarlberger Volkspartei von Parteichef und LH Markus Wallner (52, VP) geht im Vorfeld der Gemeindewahlen im März die Angst um. Nicht wenige Funktionäre befürchten, in wichtigen Hochburgen entweder die absolute Mehrheit oder gar den Bürgermeistersessel zu verlieren. So fürchten sich in Bludenz selbst eingefleischte Schwarze davor, dass der von Noch-Stadtchef Mandi Katzenmayer (67, VP) gehaltene Chefsessel im Rathaus von Sozialdemokrat und Vizebürgermeister Mario Leiter (54, SP) und nicht vom schwarzen Quereinsteiger Simon Tschann (27, VP) erobert werden könnte. In Feldkirch befürchten nicht wenige Schwarze, dass die Ära der Vormachtstellung der Schwarzen im Rathaus mit Bürgermeister Wolfgang Matt (64, VP) nach dem Wahlsonntag Geschichte sein könnte. Dasselbe gilt für die Kommunen Hard und Altach. Parteiinterne Kritiker („Der Parteichef ist wenig bis gar nicht vorhanden, das rächt sich nun“) sprechen gar von „Baustellen“ und davon, dass die VP die Gemeindearbeit sträflich vernachlässigt habe. Hinzu kommt, dass die Neos auf den Markt drängen und die Grünen in mehr Gemeinden antreten als bisher.

Hauen und Stechen In der Arlberggemeinde Lech könnte im Hinblick auf die Gemeindewahl im März kein Stein auf dem anderen bleiben. Langzeitgemeindechef Ludwig Muxel (64) bläst jedenfalls kommunalpolitisch ein rauer Gegenwind ins Gesicht. Insgesamt wollen diesmal gleich fünf Listen um die Stimmen von rund 1200 Wahlberechtigten in Lech und Zürs buhlen. Neben der Liste Lech von Muxel gehen auch die Bürgerlisten „Unser Dorf für Tradition und Moderne“ mit Hotelier Clemens Walch (58), „Zukunft wagen“ mit Brigitte Finner (48) sowie „Zusammen uf Weg“ mit Bruno Strolz (55) und die Gruppierung „Jugend von Lech“ mit Luis Schneider (18) an den Start. Doch damit nicht genug: Skihüttenbetreiber Christian Wolf (53) hat im Vorfeld der Gemeindesitzung am kommenden Montag für Sonntag, 18 Uhr, zu einer Protestkundgebung auf den Schulhof geladen. Der Grund: Bei der Sitzung sollen Hochbau- und Zimmermannsarbeiten für das neue Gemeindezentrum vergeben werden. Wolf fordert „aus Gründen der politischen Fairness“ in einem Postwurf die Vertagung der Vergabe und den Beschluss der neu gewählten Gemeindevertretung nach dem 15. März zu überlassen.

Fest im Sattel Die Situation vor der Gemeindewahl in Hohenems unterscheidet sich von jener vor fünf Jahren enorm. Blies 2015 Dieter Egger (51, FP) ein Sturm der Entrüstung entgegen, bleibt es heuer sehr ruhig. Unterstützten damals alle Parteien in der Stichwahl die VP von Richard Amann (63), stehen die Schwarzen nun alleine da. Offenbar glaubt niemand daran, Egger aus dem Amt drängen zu können. Außer Gerhard Stoppel (50, VP) wirft sich jedenfalls niemand ins Rennen Auch die Schwarzen haben sich offenbar lange geziert, erst ein Machtwort von Parteichef und LH Markus Wallner (52, VP) habe die Stadtpartei zum Umdenken gebracht, heißt es in Hohenems und im Landhaus.

Ortsunkundig Vorarlbergs Landtagsabgeordnete sind regelmäßig in den 96 Kommunen des Landes unterwegs und laden zu Sprechstunden. So auch die Montafoner Mandatarin Monika Vonier (39, VP). Ihr nächstes Gespräch hält die Schrunserin kommende Woche in Vandans bei Gemeindechef Burkhard Wachter (65) ab. Bei der Bewerbung der Sprechstunden entpuppten sich die Verantwortlichen als ortsunkundig und leisteten sich einen Fauxpas: Statt dem Ortsbild von Vandans ziert ein Blick auf Tschagguns die Einladung.