Alle gegen Kälbertransporte – aber was tun?

Vorarlberg / 09.03.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So werden Kälber auf Schiffe auf- und von Schiffen abgeladen.<span class="copyright"> Animal International</span>
So werden Kälber auf Schiffe auf- und von Schiffen abgeladen. Animal International

Ideen zur Reduktion reichen von Verboten bis zu Förderungen.

Schwarzach Seit drei Jahren diskutiert die heimische Politik über Kälber, die über die Landesgrenzen transportiert werden. Jüngst sorgte der Bericht eines Transports von Vorarlberg über Salzburg und Spanien bis in den Libanon für Aufregung. Rund 3000 Kälber verlassen jährlich das Land, zuletzt 20 Prozent weniger. Wie weit lässt sich die Zahl reduzieren? Kann man ganz aufhören? Wie das gelingen soll, ist Gegenstand politischer Diskussionen. Auch der VN-Stammtisch am Dienstag widmet sich diesem Thema. In einem sind sich alle fünf Tierschutzsprecher der Parteien im Landtag einig: Die Transporte müssen reduziert werden.

Fleisch aus Vorarlberg

Bernhard Feuerstein von der ÖVP betont: „Man muss den heimischen Markt wieder ankurbeln.“ Vor 60 Jahren hätten Vorarlbergs Landwirte dieselbe Zahl an Rindern besessen, aber keine exportiert. „Ich sage nicht, man soll mehr Fleisch essen. Aber wenn man Fleisch isst, muss es aus der Region kommen“, sagt Feuerstein. FPÖ-Abgeordneter Daniel Allgäuer sieht es ähnlich. „Wir zu Hause sind ein größerer Milchbetrieb und vermarkten jedes Kalb zu Hause.“ Die Verantwortung liege bei der Gastronomie und dem Handel. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass argentinisches Rindfleisch als Spezialität auf der Speisekarte steht.“ Der grüne Klubobmann Daniel Zadra ist überzeugt: „Die Möglichkeiten, die Kälbertransporte obsolet zu machen, liegen auf dem Tisch.“ Er verweist auf die Taskforce und das Regierungsprogramm. „Diese Punkte müssen nun umgesetzt werden.“ Man müsse von dem System weg, bei dem nur der Liter Milch zählt.

SPÖ-Abgeordnete Elke Zimmermann fordert ein Verbot: „Man muss es rechtlich schaffen, die Transporte abzustellen.“ Neos-Mandatar Johannes Gasser widerspricht: „Man sollte die Rahmenbedingungen ändern, anstatt Verbote zu fordern.“ Für ihn steht fest: „Derzeit wird viel Bauernbashing betrieben. Man tut vielen unrecht, sie suchen schon Alternativen.“

Bernhard Feuerstein. <span class="copyright">VP/Mauche</span>
Bernhard Feuerstein. VP/Mauche

Bernhard Feuerstein, ÖVP: Man wird die Transporte nicht von heute auf morgen abstellen können. Wenn 70 Prozent des Fleisches importiert werden, ist es extrem schwierig. Bei importiertem Fleisch fragt niemand nach der Haltung. Bei heimischem werden hingegen Auflagen diktiert, was die Kälbermast verteuert. Es braucht faire Preise und eine Herkunftsbezeichnung.

Daniel Zadra. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Daniel Zadra. VN/Stiplovsek

Daniel Zadra, Grüne: Reduzieren ist gut und recht. Aber das mittelfristige Ziel muss lauten, dass Kälbertransporte obsolet werden. Das geht nicht rechtlich, sondern nur dann, wenn man die Art der Produktion hinterfragt. Dazu braucht es den Konsumenten, den Handel, die Bauern und die Politik. Als Erstes muss man die Förderpolitik ändern.

Daniel Allgäuer. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Daniel Allgäuer. VN/Hartinger

Daniel Allgäuer, FPÖ: Man kann die Zahl der Transporte massiv reduzieren, wenn Landesrat Gantner seine Hausaufgaben macht. Es gibt dazu unseren Antrag mit acht Punkten. Das Marktpotenzial ist vorhanden, nun muss der regionale Absatz gestärkt werden. Es gibt auch gute Projekte im Handel und der Gastronomie. Daran sollten sich andere ein Beispiel nehmen.

Alle gegen Kälbertransporte - aber was tun?
Elke Zimmermann. SP/Mayer

Elke Zimmermann, SPÖ: Die Kälbertransporte außerhalb des Landes lassen sich zumindest drastisch reduzieren. Ich bin aber der Meinung, dass man sie gesetzlich komplett abschaffen muss, also verbieten. Ich bin überzeugt, dass das Land nun rechtliche Schritte einleiten muss. Wir sollten uns also jetzt darüber unterhalten, wie diese Schritte aussehen können.

Johannes Gasser.<span class="copyright"> VN/Hartinger</span>
Johannes Gasser. VN/Hartinger

Johannes Gasser, Neos: Die Zahl lässt sich stark reduzieren, wenn man im Land Absatzmäglichkeiten weiterentwickelt und Mastbetrieben die Rahmenbedingungen bietet. Da sollte man schauen, ob Mischrassen Sinn machen. Man muss auch die Frage stellen, wie alt Kälber sein müssen, damit sie transportfähig sind. In anderen Regionen müssen sie entwöhnt sein.

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