Coronavirus: Busfahrer und Fahrgäste in Vorarlberg entspannt

Vorarlberg / 13.03.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Coronavirus: Busfahrer und Fahrgäste in Vorarlberg entspannt
Einsteigen darf man bei Dietmar Knothe (l.) und Sezgin Gümüs und allen anderen Busfahrern im Land nur noch hinten. VN

Ab heute bleibt die Fahrertür geschlossen, bezahlt werden kann nur noch am Automaten.

Seit 17 Jahren fährt Dietmar Knothe (52) Bus, sein Kollege Sezgin Gümüs (43) seit fünf Jahren. Beunruhigt sind die beiden Busfahrer des Verkehrsverbunds Unterland aufgrund des Coronavirus derzeit nicht, auch wegen der getroffenen Maßnahmen: “Man fühlt sich schon sicherer als davor. Wenn dir jeder übers Genick hustet, ist das schon unangenehm”, fühlt sich der Dornbirner vom Verkehrsverbund unterstützt. “Ich finde gut, dass die Maßnahmen jetzt schon gesetzt werden”, stimmt Gümüs zu. “Je früher damit begonnen wird, um so besser. Die Verantwortlichen verkopfen sich schon, wie man uns Buslenker schützen kann.”

Maßnahmen ab heute

Ab Freitag ist der Einstieg beim Fahrer nicht erlaubt, ein Ticketverkauf findet ebenfalls nur noch bei den Automaten statt. Maßnahmen mit Breitenwirkung: Jährlich verkauft der Verkehrsverbund Vorarlberg über 4,2 Millionen Tickets, über 72.400 Vorarlberger haben ein Jahresticket (Stand 2019). Als Busfahrer sei mal Einen Fahrgästerückgang spüren die beiden Fahrer noch nicht, dieser wird erst nächste Woche mit dem Ende des Unterrichts an den Schulen kommen.

Bei den ÖBB zeigt sich ein anderes Bild: Im internationalen Fernverkehr gehen die Buchungen zurück, was auch an der Einstellung des Bahnverkehrs nach Italien liege. Auch die Zahl der Anfragen an den Kundenservice sei gestiegen. Die ÖBB seien bemüht, den öffentlichen Verkehr aufrechtzuhalten, versichert Unternehmenssprecher Christoph Gasser-Mair.

Bei den Busfahrern gebe es schon Kollegen, die verunsichert seien. Man sei schließlich ganz vorne mit dabei, alle möglichen Menschen benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. “Zu Tode gefürchtet, ist aber auch gestorben”, will Knothe nicht übertreiben. Man müsse die Situation durchaus ernst nehmen, er verweist aber auch auf die Grippewelle. Man setze nun ein Zeichen, dass sie und ihre Kollegen nicht egal seien. Mit den Maßnahmen gehe der Betrieb auch das Risiko ein, dass mehr Menschen schwarz fahren, hier zeige sich die Priorisierung der Fahrer für das Unternehmen. “Wichtig ist einfach der Erhalt des öffentlichen Verkehrs”, betont Gümüs ihre Verantwortung. “Besonders die ältere Generation ist auf uns angewiesen. Umso wichtiger ist die Abgrenzung für den Lenker, damit die Infrastruktur aufrechterhalten werden kann.”

Panik unter den Fahrgästen oder Rückgänge der Fahrgäste merken die beiden Busfahrer derzeit nicht. Knothe hofft außerdem auf einen positiven Effekt: “Dass die Leute lernen, die Hygiene ernster zu nehmen.”

Lokalaugenschein am Bahnhof Dornbirn

 Melanie Urumovic, Vanessa Zucalli und Lena Vogelauer (v.l.) fühlen sich sicher.
Melanie Urumovic, Vanessa Zucalli und Lena Vogelauer (v.l.) fühlen sich sicher.

Am Bahnhof Dornbirn ist die Stimmung nach wie vor entspannt: “Angst vor dem Coronavirus in den Öffis habe ich nicht. Wenn der ganze Bus voll ist und überall gehustet wird, schau ich schon, dass ich mein Gesicht etwas schütze”, sagt Mika Schwärzler (16) aus Alberschwende. Wenn möglich fährt er, wenn es das Wetter zulässt, trotzdem vermehrt mit dem Moped.

“Das Coronavirus darf man sicher nicht unterschätzen. Bei uns im Wald ist es noch nicht so verbreitet”, erklärt Sebastian Weiß (18) aus Alberschwende. “Ich fahre jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich fürchte mich nicht, aber achte darauf, dass ich genügend Platz um mich herum frei habe.” Regelmäßig mit Bus und Bahn unterwegs sind auch die drei Freundinnen Melanie Urumovic (24), Vanessa Zucalli (29) und Lena Vogelauer (22). “Es wird momentan viel Panik gemacht. Aber Angst zu haben bringt im Moment nichts”, sagt Urumovic. Einschränken wollen die drei jungen Frauen das Fahren mit den Öffis in kommender Zeit jedenfalls nicht. VN-RAU, MIH

 Sebastian Weiß achtet auf den notwendigen Abstand.
Sebastian Weiß achtet auf den notwendigen Abstand.
 Mika Schwärzler beunruhigen hustende Fahrgäste etwas.
Mika Schwärzler beunruhigen hustende Fahrgäste etwas.

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