Genesene Covid-Patienten sollen Kranke heilen

Vorarlberg / 09.04.2020 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Genesene Covid-Patienten sollen Kranke heilen
Die Corona-Krise hat die Blutplasma-Spenden beinahe zum Erliegen gebracht. DPA

Vorbereitungen zur Blutplasma-Therapie laufen auch in Vorarlberg.

Feldkirch Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, aber einer, der intensiver betrieben wird als ein Marathon. Es geht darum, schnellstmöglich ein Medikament oder eine Impfung gegen das Coronavirus zu entwickeln und bereitzustellen. Im Gespräch sind verschiedenste Therapieansätze. Eine vielversprechende Option scheint die Behandlung mit dem Blutplasma geheilter Coronavirus-Patienten. In Kanada plant ein Team von Bluttransfusionsexperten dazu die angeblich weltweit größte klinische Studie. In diesem Fall liegt aber auch das Gute ziemlich nah.

Enger Expertenaustausch

Wie die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) auf VN-Anfrage bestätigt, werden in der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes derzeit alle Vorbereitungen getroffen, um diesen Therapieansatz auch in den Vorarlberger Krankenhäusern umsetzen zu können. „Ziel ist es, Patientinnen und Patienten, die positiv auf CoV19 getestet wurden und einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen, mit dem Blutplasma geheilter Coronavirus-Patienten zu behandeln und zu heilen“, heißt es in der Stellungnahme. Man stehe dabei in sehr engem Austausch mit Experten in Österreich und der ganzen Welt und verfolge äußerst genau den Benefit, den die Antikörpertherapie den erkrankten Cov-19-Patienten bringen könne. Nachsatz: „Die Studienergebnisse werden ständig beobachtet, evaluiert und besprochen.“

Blutplasma ist der flüssige Anteil des Blutes, der dem Transport der Blutzellen dient, und Ausgangsmaterial für wichtige medizinische Wirkstoffe. Dazu zählen etwa Immunglobuline, um Infektionen abzuwehren, Gerinnungsfaktoren, um Blutgerinnungsstörungen zu behandeln, sowie Albumin, um den Flüssigkeitshaushalt eines Patienten bei massivem Blutverlust stabil zu halten. Darüber hinaus kommt virusinaktiviertes und lagerfähiges, weil gefrorenes Plasma in der Chirurgie zum Einsatz. In Österreich werden jährlich bis zu 500.000 Liter Plasma in speziellen Zentren gesammelt. Die Coronakrise hat die Spenden laut dem Verband der Pharmazeutischen Industrie Österreichs aber stark einbrechen lassen.

Skepsis bei Malariamedikament

An der kanadischen Studie nehmen 1000 Patienten und 40 Krankenhäuser teil. Die experimentelle Behandlung beinhaltet die Injektion von antikörperreichem Plasma von Patienten, die sich vom Virus erholt haben, in diejenigen, die noch infiziert sind. Dieser Ansatz wurde bereits in China, Singapur, Südkorea und den USA erprobt, allerdings nur in kleinen Studien. Er ist Teil eines globalen Rennens um eine Behandlung der Krankheit, wobei sich die Forscher auch auf Virostatika und Medikamente zur Behandlung von Malaria konzentrieren. Letztere kommen in Vorarlberg allerdings gar nicht gut an. Für den Gesundheitsexperten Armin Fiedler wäre die Anwendung sogar ein Kunstfehler. Noch wisse niemand, ob diese Malariamedikamente mehr Schaden als Nutzen anrichten. Für Herzpatienten könnten sie jedenfalls gefährlich sein. In Österreich würden die Medikamente gar nicht mehr auf der Liste stehen, äußert Fiedler große Vorbehalte.

Auch die Experten in den Vorarlberger Landeskrankenhäuser geben sich zurückhaltend. Vieles sei hier noch offen und nicht ausreichend erforscht. Es werden noch nicht bekannte Nebenwirkungen befürchtet, die sich nachteilig auf den Erkrankungsverlauf auswirken könnten. Hintergrund ist, dass zur Bekämpfung von Covid-19 bis Ende Mai 130 Millionen Dosen der Malariamedikamente mit den Wirkstoffen Hydroxychloroquin und Chloroquin weltweit zur Verfügung gestellt werden. Auch Österreich erhält für den Einsatz in Spitälern eine gewisse Menge.

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