VN-Podcast: Die Langzeitschäden von Covid19

Vorarlberg / 24.04.2020 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Podcast: Die Langzeitschäden von Covid19
Public-Health-Experte Dr. Armin Fidler beantwortet die Fragen der VN-Leserinnen und Leser. VN/LERCH

Armin Fidler spricht über Folgen einer Infektion, Antikörper und Medikamente.

Hörbranz Wie geht es weiter? In welchen Bereichen ist es besonders gefährlich? Also: Wo kann man sich leicht anstecken? Wie kann ein Friseurtermin aussehen? Wie ist es um Österreichs Gesundheitssystem im Vergleich zu anderen Staaten bestellt? Haben sich die Symptome verändert? Wie wirken Antivirenmedikamente? Wissen wir schon etwas über Langzeitschäden? Wann tritt die alte Normalität wieder ein? Fragen wie diese beantwortet Armin Fidler in der 19. Folge des VN Corona-Updates.

Haben auch Sie Fragen an Armin Fidler? Dann schicken Sie eine Nachricht per Mail an woche@vn.at oder per WhatsApp oder SMS an 0676 88005 533. Der Public-Health-Experte beantwortet Ihre Fragen in der nächsten Podcastfolge. Fragen wie diese:

Wie wirken Medikamente gegen ein Virus? Können wir bald mit einem rechnen?

Prinzipiell sind Viren schwerer zu therapieren als Bakterien. Darum hat es jahrelang keine Medikamente gegeben. Es gibt verschiedene Angriffspunkte. Ein Virus ist im Prinzip kein Lebewesen, sondern Erbinformation, verpackt in einer Kapsel mit einer Fetthülle. Das Virus braucht eine lebende Zelle, um dort einzudringen. Es schaltet die Zelle um, sie produziert Virusprotein statt Zellprotein. Irgendwann zerbricht die Zelle und neue Viren brechen heraus. Es gibt Medikamente, die verhindern, dass das Virus in die Zelle eindringt. Es gibt aber auch welche, die eine Replikation des Virus verhindern, wenn es schon in der Zelle drin ist. Ein neues Medikament zu produzieren, dauert viele Jahre. Deshalb versucht man nun, bestehende Medikamente, die für andere Viren produziert wurden, zu testen. Wir wissen schon, dass Grippemedikamente bei Coronaviren nicht funktionieren. Andere Medikamente werden nun getestet, aber es gibt noch keine klinischen Studien.

Ist es sinnvoll, sich absichtlich zu infizieren, damit man immun ist?

Ich würde mich nicht trauen, mich absichtlich zu infizieren. Der Verlauf der Krankheit ist nicht vorhersehbar. Wir wissen nur, dass Menschen mit Vorerkrankungen oder Begleiterkrankungen sowie Menschen mit anderen Risikofaktoren wie Adipositas höchstwahrscheinlich mit einem schwereren Verlauf rechnen müssen. Auch bei Gesunden in einem gewissen Lebensalter kann das sein. Unter 40 muss man wahrscheinlich nicht viel fürchten, doch auch da gibt es Ausnahmen. Wir wissen auch nicht, wie lange die Immunität anhält.

Zählen auch Geschmacks- und Geruchsverlust zu den Symptomen von Covid19?

Ja. Das war schon sehr früh bekannt, aber man hat das nicht besonders ernst genommen. Es ist schon von einigen Patienten aus Wuhan berichtet worden. Erst nachdem vermehrt auch bei uns Meldungen von Patienten bekannt wurden, die erzählten, dass die Krankheit mit dem Verlust des Geschmackssinns oder des Geruchssinns begonnen hat, fing man an, es als Signal einer Infektion zu deuten. Fallberichte dazu aus China gab es jedoch schon sehr früh.

Was ist über Langzeitschäden einer Infektion bekannt?

Wir wissen sicherlich noch nicht alles. Es gibt potenzielle Spätfolgen, die sich auf die Lunge beziehen können. Langfristig kann es sein, dass es zu einer Verminderung der Sauerstoffaufnahme kommt. Auch das Immunsystem könnte Schäden davontragen. Bei Masern wissen wir zum Beispiel, dass die T-Zellen geschädigt werden, was die Immunantwort für folgende Krankheiten vermindert. Lange haben wir uns gefragt, warum Kinder mit überstandener Masernerkrankung später leichter an anderen Infektionskrankheiten schwer erkranken können. Ob es so etwas bei Covid19 gibt, wissen wir nicht. Wir hoffen nicht.