Warum Sprit so günstig ist und wie es weitergeht

Vorarlberg / 27.04.2020 • 13:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum Sprit so günstig ist und wie es weitergeht
Die Ein-Euro-Marke ist seit letzter Woche gebrochen. Tanken ist günstig, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. VN/STEURER

Zuletzt waren Diesel- und Benzinpreis 2008 so niedrig. ÖAMTC rechnet mit weiter fallenden Preisen.

Dornbirn Volltanken für 50 Euro – das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Die Spritpreise im Land sind günstig, wie zuletzt 2008. Damals hatte die Finanzkrise die Preise purzeln lassen, heute sind es Covid-19 und ein erbitterter Förderstreit zwischen Russland und den Opec-Ländern. Was das zur Folge haben kann, zeigt sich in einer historischen Preisentwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten. Der Erdölpreis rutschte in der Vorwoche zeitweise ins Minus. Produzenten und Händler zahlten Geld, um den Rohstoff loszuwerden.

Das schlägt sich auch an den heimischen Zapfsäulen nieder, wenn auch mit Verzögerung. Gratis-Tanken bleibt allerdings eine Illusion, weil Sprit stark besteuert ist. 63 Cent pro Liter beim Benzin und 55 Cent beim Diesel gehen an den Fiskus, wie ÖAMTC-Experte Jürgen Wagner vorrechnet. Der Anteil des Rohöls am Gesamtpreis liege irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent.

„5 Cent sind noch drin“

Seit ein paar Tagen schon ist die Ein-Euro-Marke im Land durchbrochen. Ein Blick auf die Spritrechner dokumentiert, dass gestern am Vormittag etwa in Satteins und Feldkirch Super-Benzin für 0,950 Euro zu haben war und Diesel für 0,939 (Dornbirn und Rankweil). Die etwas geringere steuerliche Belastung des Diesels werde durch die höheren Produktionskosten wettgemacht, erklärt Wagner, warum es schon länger eine Angleichung der Preise von Diesel und Benzin gibt.

ÖAMTC-Experte Jürgen Wagner ortet weiter Luft nach unten. 5 Cent sollten noch drin sein.
ÖAMTC-Experte Jürgen Wagner ortet weiter Luft nach unten. 5 Cent sollten noch drin sein.

Spritpreise unter einem Euro werden Vorarlbergs Autofahrer noch länger begleiten. Der ÖAMTC ortet sogar weiter Luft nach unten. Jürgen Wagner spricht von Potenzialen im Bereich von rund 5 Cent. Zudem ist nicht mit einem schnellen Ende der günstigen Preise zu rechnen. An den Rahmenbedingungen werde sich wenig ändern. Das dürfte zumindest bis in den Sommer hinein Gültigkeit haben, so die Einschätzung Wagners.

Ost-West-Gefälle

Der Autofahrerclub hat sich die Entwicklung seit Anfang Jahr genauer angeschaut. Während der Rohölpreis um 77 Prozent eingebrochen ist, beläuft sich der Preisrückgang beim Sprit auf 16 Prozent. Die Differenz sei dem hohen Steueranteil geschuldet. Unterschiedlich sind die Preise auch innerhalb Österreichs. „Am West-Ost-Gefälle hat sich nichts geändert“, so Wagner. Sprit ist in Vorarlberg zwar günstig wie schon seit über einem Jahrzehnt nicht, in anderen Bundesländern sind die Tarife allerdings noch weiter gefallen. In der Steiermark etwa kostete gestern Diesel 0,875 Euro und Benzin 0,895 – zwischen fünf und sechs Cent weniger als in Vorarlberg. Begründet werden die Unterschiede von den Mineralölfirmen mit höheren Transport- und den Lebenskosten im Westen.

Tankstellen leiden massiv

Der niedrige Spritpreis hat derzeit freilich einen Haken. So richtig nutzen kann das momentan mit den Ausgangsbeschränkungen und den Einschnitten bei der Reisefreiheit praktisch niemand. Das wiederum trifft die Tankstellenpächter im Land massiv. Ihre Absatzrückgänge beziffert Kammersprecher Gerhard Amann mit bis zu 90 Prozent in Grenznähe. Die Margen der Pächter sind vom Spritpreis allerdings entkoppelt.

Ein Überlebenskampf ist es für die Tankstellenpächter dennoch. Petra Girardi führt die Jet-Tankstelle in Dornbirn Schwefel und berichtet: „Wir können zwar offen halten, wissen aber, dass dies kostendeckend nicht möglich ist.“ Dabei ist noch nicht einmal der Spritabsatz das Hauptproblem. „Uns fehlen die Einnahmen der Zusatzgeschäfte im Shop“, so Girardi weiter. Einen Teil der Belegschaft hat sie deshalb zur Kurzarbeit angemeldet, muss jetzt selbst vermehrt hinter der Kassa stehen. Für die Pächter sei das eine enorme Zusatzbelastung, spricht sie für die ganze Branche.

Spritpreis in Vorarlberg

Das sind die günstigsten Tankstellen im Land (Montag 27. April, 10 Uhr)

Diesel: 0,939 (Avanti Dornbirn, Hofer-Diskonttankstelle Rankweil)
Benzin: 0,950 (Disk Satteins und Feldkirch)

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