Kappaurer verrät, wie es in den Schulen weitergeht

Vorarlberg / 29.04.2020 • 17:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Kappaurer verrät, wie es in den Schulen weitergeht
Andreas Kappaurer (r.) im Gespräch mit VN-Redakteur Klaus Hämmerle.

Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion, über die Wiederöffnung von Schulen.

Bregenz Nach sieben Wochen Corona-bedingter Sperre öffnen am kommenden Montag die Schulen wieder ihre Türen. Die Wochen im Homeschooling bedeuteten für alle Beteiligten eine große Herausforderung, für den verkündeten weiteren Fahrplan des Schulbetriebs gab es viel Kritik. Im digitalen VN-Stammtisch stellte sich Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion, im Gespräch mit VN-Redakteur Klaus Hämmerle den Fragen der Leser.

Haben Sie das Gefühl, dass die Schulen auf die Matura in dieser ungewöhnlichen Form gut vorbereitet sind?

Kappaurer Das glaube ich auf jeden Fall. Ich glaube auch, dass manche der Schüler sogar besser auf die Matura vorbereitet sein werden, weil sie sich in dieser Zeit besser auf diese Fächer konzentriert haben, die sie als Klausurgegenstände in der Maturaprüfung haben werden. Auch die Zeit, die sie zuhause üben konnten und sich selbst fragen konnten: Was kann ich, was kann ich nicht?

Ist es zulässig, eine dreistündige Schularbeit in einem Maturafach am 5. Mai abzuhalten, wenn der Schulstart am Vortag ist?

Kappaurer Ab 4. Mai findet für die Maturaklassen Ergänzungsunterricht statt. Es werden nur mehr jene Gegenstände von den Schülern belegt, die sie dann zu den Klausurprüfungen auch haben werden. In diesen drei Gegenständen können auch noch Schularbeiten durchgeführt werden, wenn die letzte Schularbeit vor dem ersten Jänner geschrieben wurde. Über den Umfang der Schularbeit sagt die Verordnung nichts. Es heißt darin, dass man den Umfang zwar reduzieren kann, aber nicht, dass man ihn reduzieren muss. Es ist also zulässig, eine dreistündige Schularbeit anzuberaumen, gerade im Hinblick darauf, dass es eine Übung für die Klausur ist in dem Fach, die dann je nach Fach zwischen vier und sechs Stunden dauert.

Was passiert, wenn dieser Termin versäumt wird und der Schüler nicht anwesend ist?

Kappaurer Diese muss nicht nachgeholt werden, das ist ebenfalls in der Verordnung geregelt. Stattdessen gibt es eine Prüfung, allerdings nicht zum Jahres-, sondern zum Schularbeitsstoff. Selbstverständlich fließen Arbeitsaufträge oder allfällige Leistungsüberprüfungen, die in den drei Wochen Unterricht durchgeführt wurden, in die Jahresnote ein.

Koch- und Servierprüfungen wurden in den Herbst verschoben. Kommt man diesen Schülern genauso wie den Maturanten entgegen, da wir dann 20 Wochen keinen Unterricht hatten?

Kappaurer Man wird den Schülerinnen und Schülern auf jeden Fall entgegenkommen, denn es hat niemand Interesse daran, dass in diesen Vorprüfungsfächern Kochen und Service schlechte Noten zu vergeben sind. Man wird die Schüler sicher intensiv vorbereiten im neuen Schuljahr.

Matura, Schulöffnung, Sicherheitsanordnung: Was ist die größte Herausforderung für die Bildungsdirektion in den kommenden Wochen?

Kappaurer Ich weiß es noch nicht, denn es ändert sich von Tag zu Tag, scheint mir. In den vergangenen Tagen waren es die Maturaprüfungen, die es zu organisieren galt, und der Fahrplan bis dahin mit dem Ergänzungsunterricht. Nun liegt die Herausforderung im Etappenplan beim Hochfahren der Volks-, Mittel- und Sonderschulen. Es gibt viele Dinge, wie die Hygienevorschriften, vor allem auch, wie das zum Beispiel in den Bussen sein wird oder wie die Bestimmungen in der Schule funktionieren. Da wird es große Herausforderungen geben.

Bei der Diskussion um die beiden schulautonomen Tage gab es im Vorfeld Protest von der Lehrergewerkschaft. Können Sie das verstehen?

Kappaurer In Vorarlberg gibt es traditionellerweise am Osterdienstag und Pfingstdienstag Unterricht, dafür haben wir aber Herbstferien. Bei diesen beiden schulautonomen Tagen geht es um die beiden Freitage nach den Feiertagen, also 22. Mai und 12. Juni. Ich mische mich aber in diese Diskussion nicht ein, da warte ich auf das, was aus Wien kommt.

Was wurde Ihnen als größte Sorgen der Schüler zugetragen?

Kappaurer Die Schülersorgen sind klar und berechtigt. Werden wir in die Schule kommen und sofort mit Tests eingedeckt? Müssen wir alles, was im Lehrplan steht, jetzt in der kurzen Zeit nachholen? Das sind Kernfragen der Schüler. Ich appelliere an die Lehrpersonen: Es geht in dieser Phase nicht darum, möglichst viele Inhalte zu vermitteln und Leistungsbeurteilungen zu machen. Das Hauptziel ist, die Schülerinnen und Schüler in ihr gewohntes Umfeld zurückzuholen, in ihren Freundeskreis und das Schuljahr abzuschließen, damit man dann im Herbst starten kann.

Die Sommerferien kommen, wahrscheinlich mit reduziertem Freizeitangebot. Haben Sie Bedenken, dass sich hier eine erneut schwierige Phase auftut?

Kappaurer Natürlich sind Belastungssituationen in Haushalten da, wo zum Beispiel zu wenig Platz ist oder die Eltern im Homeoffice arbeiten. Ich denke aber, dass Schüler im Sommer wieder vermehrt ihren Hobbys, wie Sport oder Treffen untereinander, nachgehen können.

Was waren die größten Nöte der Eltern?

Kappaurer Viele Schulen haben in dieser Phase vermehrt umgestellt auf die technische Übermittlung von Arbeitspaketen und nach Ostern gab es auch neuen Stoff, der aufbereitet wurde. Da ist es vor allem in der Sekundarstufe I, also im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, zu Überlastungserscheinungen gekommen. Die Eltern mussten diese vielen unterschiedlichen Kommunikationstechniken für ihre Kinder koordinieren, das war dann sicher viel Multitasking. Mittlerweile hat die Bildungsdirektion reagiert und für Schulen Empfehlungen für bestimmte Kommunikationstechniken ausgesprochen.

Gab es auch positive Erkenntnisse in den Wochen der Schulabstinenz?

Kappaurer Ja, eine ganze Reihe, keine Frage: Wir haben in der Digitalisierung einen Riesenschritt getan. Durch verschiedene Aktionen hat mittlerweile jedes Kind ein Gerät daheim, um mit einem Computer oder Tablet arbeiten zu können. Was mich auch sehr gefreut hat, ist die schnelle Umsetzung durch die Lehrpersonen, viele haben Onlineschulungen bei der PH gemacht. Ich glaube auch, dass in der Gesellschaft ein positives Umdenken den Lehrpersonen gegenüber stattgefunden hat.

Wie sicher werden die Schulen sein, wenn sie für alle Schüler wieder geöffnet haben?

Kappaurer Ich denke, man ist auf den Tag, an dem Schüler kommen, gut vorbereitet. Jede Lehrperson bekommt zwei waschbare Masken vom Land gestellt. Die Schüler bringen ihre Masken mit. Desinfektionsmittel sind von den Schulerhaltern, also den Gemeinden im Pflichtschulbereich, zu stellen, Bundesschulen sind vom Bund ausgestattet worden. Plakate mit Richtlinien, was es zu tun gilt, wurden angebracht. Den größeren Engpass sehe ich beim Öffentlichen Verkehr, weil da der Abstand viel geringer sein wird.

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