“Schreiben ist für mich eine Lebenskunst”

Vorarlberg / 06.05.2020 • 17:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Authentizität ist für Evelyn Brandt zentral beim Schreiben. BI
Authentizität ist für Evelyn Brandt zentral beim Schreiben. BI

Evelyn Brandt entwickelte für ihre Schreibwerkstätten ein neues Format.

Feldkirch „Schreiben lernt man nur schreibend und lesend. Jeder Mensch hat ein natürliches Schreibtalent“, ist Evelyn Brandt, Gründerin und Leiterin von Schreibwerkstätten, überzeugt. Gerade in Zeiten des Rückzugs, wie aktuell in der Covid19-Krise, kann Schreiben befreiend wirken: „Durch das Schreiben werden Gedanken in eine Form gebracht. Wie bei jeder Art von Kunst ist man im Prozess des Ausführens ganz nahe bei sich selber. Jeder, der Tagebuch schreibt, weiß um die heilsame Wirkung des Ausdrückens in Worten.“ Ein guter Text überzeuge durch seine Authenzität. Die Tiefe und Dichte eines Textes bewege seine Leser: „Wir Lesenden merken die Scheu eines Autors, sich in die Tiefe zu bewegen. Diese Texte bleiben an der Oberfläche und wirken schal. Für mich ist  Schreiben ganz zentral. Das Schreibhandwerk ist erlernbar, doch vor der stilistischen Kür kommt die intuitive, ganz persönliche Ausdrucksform. Schreiben ist für mich eine Form der Lebenskunst.“ Evelyn Brandts Kurse fokussieren sich auf kreatives und biografisches Schreiben sowie auf die Lyrik. „Eine biografische Geschichte kann auch in der verknappten Form der Lyrik dargestellt werden. Mit dem Schreiben muss man einfach beginnen und den Mut haben, es immer weiter fortzuführen.“

In ihrer Kursgestaltung verwendete die sympathische Autorin die unterschiedlichsten Einflüsse, die sie als richtungsweisend empfand, unter die Literaturrichtung Écriture Automatique, die Techniken der Dadaisten und Methoden, die an amerikanischen Universitäten entwickelt wurden: „Das Clustering und Mindmapping haben sich als Tools bewährt. Das Clustering bildet eine wichtige Kreativitätsmethode. Nur durch das Ausschalten des Verstandes gelangt man zu einer authentischen Schreibweise. Schon Albert Einstein sagte: Die Fantasie ist wichtiger als das Wissen.“ Ihre Unterrichtsmethoden beruhen auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Die rechte Gehirnhälfte werde durch diese Techniken angeregt, wodurch die schöpferische Seite trainiert werde. Seit rund zwanzig Jahren bietet die innovative Feldkircherin nun ihre Kurse an. Gestartet hat sie mit der Frauenschreibwerkstatt im Schlosserhus in Rankweil, ihr Portfolio hat sich im Lauf der Jahre permanent erweitert.

Virtuelle Cafeteria

Die Covid19-Krise bildet nun eine erneute Herausforderung: „Ich führe meine Kurse online weiter. Glücklicherweise hatte ich einiges Vorwissen mit dem Umgang mit neuen Medien. Dennoch musste ich meine Lehrmethode komplett umgestalten, da ja die physische Präsenz wegfällt. Hierfür habe ich eine virtuelle Schule für meine Seminare mit eigenen Klassenräumen errichtet. Fürs Plaudern und Vernetzen gibt es eine Cafeteria für alle. Ich bemühe mich darum, die Inhalte freudvoll zu vermitteln, denn der Spaßfaktor darf auch bei den Online-Schreibwerkstätten nicht zu kurz kommen!“ So sind in der virtuellen Cafeteria Pinnwände angebracht, auf der Informationen zum literarischen Geschehen oder Wettbewerben zu finden sind. Auch Veröffentlichungen der Kursteilnehmer können angeheftet werden. Es kann jeder Teilnehmer nach Lust und Laune dort stöbern.

„Ich denke, dass der virtuelle Rahmen in meinen Kursen weiterhin eine Rolle spielen wird. Er bietet sich als Ergänzungsmodell für Schreibende mit größerer räumlicher Distanz oder etwa Menschen mit Beeinträchtigung hervorragend an.“ Ihre bisherigen Kursteilnehmer sind größtenteils auf das neue digitale Format umgestiegen. Und Evelyn Brandt entwickelt ihre didaktischen Zugänge immer weiter: „So bleibt auch das Unterrichten spannend!“ BI

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.