Jetzt rinnt Rhesi durch die Halle

Vorarlberg / 17.06.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jetzt rinnt Rhesi durch die Halle
Bei den Führungen kann man sich mit einem Tablet die Natur dazuholen.

Das Modell ist umgebaut. Ende 2021 soll das Projekt stehen.

Dornbirn Seit dem Frühjahr 2019 rinnt der Rhein durch eine ehemalige Produktionshalle der Firma F.M. Hämmerle in Dornbirn (die VN berichteten). Zunächst wurde der Streckenabschnitt Widnau-Höchst im Maßstab 1:50 so nachgebaut, wie er heute ist. In der Natur sind das fünf Kilometer, in der Halle 100 Meter. “Wir haben getestet wie sich die Sohle verhält und die Sohle draußen mit der Sohle im Modell verglichen. Im Prinzip haben wir die Sandzugabe und das Sandgemisch solange verändert, bis wir das Modell mit der Natur abgeglichen hatten”, berichtet Bernhard Valenti, Projektleiter beim Hochwasserschutzprojekt Rhesi (Rhein – Erholung und Sicherheit) bei einem Rundgang am Mittwoch.

Anfang des Jahres war es soweit. Die Gesamtzusammensetzung passte, das Modell konnte umgebaut werden. Jetzt zeigt es den Rhein so, wie er nach der geplanten Umsetzung von Rhesi aussehen soll. “Damit wollen wir herausfinden wie groß die Strukturen werden”, erläutert Valenti. Wie hoch werden die Kiesbänke? Wo entstehen sie? Wo gibt es Tiefstellen und wie tief werden sie? Die Informationen aus den Modellversuchen werden laufend mit den Planungen abgeglichen. Überraschend sei bislang, “dass die Ergebnisse relativ gut mit der Planung zusammenstimmen”, zieht der Projektleiter ein erstes Fazit.

Mehr Platz

Mit dem Hochwasserschutzprojekt soll die Abflusskapazität über die gesamte Länge der internationalen Strecke von 3.100 auf 4.300 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden. Von der Illmündung bis zum Bodensee wird dafür zwischen den Hochwasserdämmen mehr Platz benötigt. Landeshauptmann Markus Wallner betont: “Die Hochwassersicherheit im Rheintal hat für uns höchste Priorität. Heute ist der Alpenrhein für ein 100-jähriges Hochwasser ausgebaut. Mit Rhesi halten die Dämme künftig einem 300-jährigen Hochwasser stand und schützen die Bevölkerung im Schweizer und Vorarlberger Rheintal vor Schäden in der Höhe von rund zehn Milliarden Euro.” Damit Rhesi in die nächs­te Runde gehen kann, müssen die Schweiz und Österreich einen gemeinsamen Staatsvertrag unterzeichnen. Der Entwurf dafür wurde unlängst an die Regierungen in Bern und Wien geschickt. Gesamtprojektleiter Markus Mähr geht davon aus, dass Ende des nächsten Jahres die Einreichpläne für das Ein-Milliarden-Projekt vorliegen. Läuft alles nach Plan könnte der Baustart im Jahr 2024 erfolgen.

In der Halle, die von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich gemeinsam mit den Experten der Internationalen Rheinregulierung (IRR) betreut wird, kommen in einem nächsten Schritt  Brückenpfeiler, Steinkörper am Ufer oder Schwemmholz zum Einsatz. Ende 2020 wird das Modell auf den Abschnitt Oberriet-Koblach umgebaut.