Respektieren, dass man die Maske noch trägt

Vorarlberg / 19.06.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr warnte der Primar der Lungenfachabteilung am LKH Hohenems davor, die Pandemie für überstanden zu halten. <span class="copyright">VN/RAuch</span>
Im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr warnte der Primar der Lungenfachabteilung am LKH Hohenems davor, die Pandemie für überstanden zu halten. VN/RAuch

Der Primar der Lungenfachabteilung am LKH Hohenems stellte sich den Fragen der Leser.

Hohenems Primar Peter Cerkl ist als Leiter der Lungenabteilung am LKH Hohenems mitverantwortlich für die Bewältigung der Covid19-Situation in Vorarlberg. In seinem zweiten Digitalen VN-Stammtisch warnt er vor Übermut und bittet um Verständnis für jene, die weiterhin eine Maske tragen.

Hat sich der Betrieb am LKH Hohenems normalisiert?

Wir haben mittlerweile nahezu Normalbetrieb bei uns und etwas Gelegenheit gehabt, die Versäumnisse der letzten Wochen aufzuarbeiten.

Wie bewerten Sie das Risiko durch mehr Reisefreiheit?

Aus infektiologischer Sicht betrachtet man das mit etwas Bauchweh. Ich verstehe, dass die Leute das Gefühl haben, Corona ist eh schon vorbei. Man muss aber erwarten, dass mit den Reisen auch wieder mehr Infektionen auftreten.

Wie sehen Sie die Kritik an der Corona-App?

Es wird ja nur der Standort verwendet, das erleichtert die Rückverfolgung schon. Ich muss sagen, ich habe es sofort heruntergeladen. Was uns vor der zweiten Welle schützen soll, ist eben, dass wir Infektionsherde schnell entdecken.

Soll man noch eine Maske tragen und wann?

Ich muss gestehen, ich habe es schade gefunden, dass in Supermärkten keine Maske mehr getragen werden muss. Ich empfände das noch als sinnvolle Maßnahme. Der Mundschutz ist auch für mich unangenehm zu tragen, ich muss es selbst acht Stunden am Tag im Krankenhaus tun. Es ist aber zweckmäßig – allein schon, da es die Menschen daran erinnert, den Abstand nach Möglichkeit einzuhalten.

Kann man unbedenklich in einem Pool oder See baden?

Im Freien ist die Ansteckungsgefahr grundsätzlich geringer, Luftzirkulation senkt die Infektionsgefahr sehr. Das Risiko aufgrund der Aerosole ist hier also sehr gering.

Warum sind die Aerosole plötzlich so ein Thema?

Anfangs hat man die Wirkung der Aerosole im Vergleich zur Tröpfeninfektion unterschätzt. Diese schweben quasi um den Patienten, die Ansteckungsgefahr steigt mit deren Menge, daher sind Indoor-Aktivitäten kritischer.

Können sich ältere Menschen nun freier bewegen?

Das können und sollen sie auch, auch im Altersheim. Angehörige sollten jedoch keinen Besuch machen, wenn sie sich krank fühlen.

Wie blicken Sie dem Herbst und der Grippe entgegen?

Es wäre natürlich der Wunsch, dass sich viele gegen Grippe impfen. Die Frage wird sein, ob es genug Impfstoff geben wird.

Wie sollen sich Risikogruppen verhalten?

Man muss leider daran denken, das Virus ist da. Man muss Abstand halten. Ich würde schon sagen, dass man auch zum Schutz anderer die Maske noch trägt und andere dies auch respektieren.

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