So stark setzen Kormorane heimischen Fischern zu

Vorarlberg / 30.06.2020 • 16:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So stark setzen Kormorane heimischen Fischern zu
Seit fast zwei Jahrzehnten ist der Kormoran am Bodensee wieder ansässig geworden. Für die Fischer gibt es zu viele der gefräßigen Vögel. VN/HARTINGER

Der nicht von allen geliebte Vogel ist am See schon längst ein starker “Player”.

Gaißau, Höchst Die Felchenflaute ist in den vergangen Tagen am Bodensee zu Ende gegangen. Es sind wieder vermehrt Exemplare des beliebtesten Speisefisches im schwäbischen Meer vorhanden. Doch diese verwöhnen nur in begrenzter Zahl menschliche Gaumen, viele der schmackhaften Bodenseebewohner landen wie andere Fische in den Schlunden gefräßiger Kormorane.

Doppelt so viele?

“Derzeit haben wir jeden Tag fast doppelt so viele Kormorane wie auch schon. So viele habe ich noch nie gesehen”, gibt Regula Bösch, Seniorenchefin des Fischereibetriebs Albert Bösch in Gaißau ihre subjektiven Eindrücke wider. Sie schätzt, dass sich derzeit rund 600 Tiere am heimischen Bodenseeufer tummeln, das wären in der Tat fast doppelt so viele wie die 300 bis 350 Kormorane, die von der Behörde als verträglich angesehen werden. Laut BH Bregenz sollte es auch nicht mehr als 30 bis 60 Brutpaare am Vorarlberger Ufer geben.

Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta, sieht die Zahlen im Gegensatz zu den Fischern im gesteckten Rahmen. “Es sind wohl eher 60 Brutpaare als 30, aber insgesamt sind nicht mehr Kormorane an unserem Bodenseeufer zugegen als auch schon”, wirft Niederer ein. Im Vorjahr waren es am Vorarlberger Seeufer 58, die zusammen 124 flügge Jungtiere herausbrachten.

Wie gefräßig der Kormoran ist, zeigt sich anhand von Zahlen. So zogen die Berufsfischer am Bodensee 2019 220 Tonnen Fisch aus dem See, der Kormoran brachte es auf 320 Tonnen.

100 Brutpaare mehr

Laut Bericht des “Fischermonitoring Kormoran” hat die Zahl der Brutpaare am gesamten Bodenseeufer allein 2019 von 540 auf 640 zugenommen hat. Im deutschen Eriskirchen etwa existiert ebenfalls eine zahlenmäßig starke Kormorankolonie. Die Vögel besuchen sich gegenseitig und fliegen dorthin, wo sie leicht Futter finden. Fische werden dabei nicht nur getötet und gefressen, sondern auch verletzt.

In Vorarlberg sind seit Jahren behördlich genehmigte Vergrämungsmaßnahmen zur Kontrolle des Kormoranbestandes in Anwendung. Diese umfassen Auflassungen von Brutnestern bis zum Abschuss von Tieren.

Einspruch der Naturschützer

Regelmäßig tagt die Gruppe Kormoran, um für alle Seiten verträgliche Lösungen im Umgang mit dem Kormoran zu finden. Die Gruppe tritt diese Woche wieder zusammen, um die aktuelle Lage zu beraten. Die Voraussetzungen für die Beratungen haben sich jedoch verändert. Die Naturschützer haben einen Bescheid der BH Bregenz beeinsprucht, der auch für den kommenden Herbst Vergrämungsmaßnahmen vorsieht. “Laut EU-Gesetzgebung stehen uns nun Einspruchsmöglichkeiten bei Eingriffen in Natura-2000-Gebieten zu. Zu solchen kommt es in vorliegendem Fall ja eindeutig”, argumentiert. Naturschutzanwältin Katharina Lins. Der Einspruch wird vom Verwaltungsgericht Vorarlberg behandelt.

“Bei den Vergrämungsmaßnahmen handelt es sich um Eingriffe in Natura-2000-Gebiete.”

Katharina Lins, Naturschutzanwältin