Felchen wieder in den Netzen, Kretzer nicht

Vorarlberg / 07.07.2020 • 18:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Stichling ist vieler Felchen aber auch kleiner Egli Tod. Aber nicht nur er bedroht die Speisefische im Bodensee. VN/STEURER
Der Stichling ist vieler Felchen aber auch kleiner Egli Tod. Aber nicht nur er bedroht die Speisefische im Bodensee. VN/STEURER

Frischwasser im See lässt Fischer durchatmen, Grundproblem bleibt.

BREGENZ Wochenlang mussten die heimischen Berufsfischer heuer schon darben. Fast gar nichts blieb in ihren Netzen hängen, vor allem nicht die begehrten Speisefische wie Felchen oder Kretzer.

Seit einigen Tagen hat sich die Situation verbessert. „Das regnerische Wetter und die gedämpften Temperaturen haben zu einer entsprechenden Einschichtung des Wassers im See geführt. Es gab plötzlich auch in der obersten Schicht Nahrung für die Fische“, erklärt Nikolaus Schotzko (52), Fischereibeauftragter des Landes, die derzeit günstigen Bedingungen für den Fischfang.

Darob zufrieden ist auch Fischer Franz Blum. „Noch vor kurzem mussten wir unsere Felchenfänge in Stückzahlen messen, derzeit dürfen wir das wieder in Kiloangaben machen. Euphorisch bin ich deswegen nicht, weil ich weiß, dass es schnell wieder anders kommen kann.“

Kein Grund für Optimismus

Vor großem Optimismus warnt auch Schotzko. „An der Grundsituation hat sich nichts geändert. Es wird nicht plötzlich viel mehr Fische geben.“ Zumal die Fischer derzeit zwar mit dem Felchenaufkommen recht zufrieden sein können, nicht jedoch mit jenem der ebenfalls sehr beliebten Kretzer, die man in der Schweiz Egli und grundsätzlich Barsche nennt. „Von denen wird derzeit praktisch kein Stück gefangen“, stellen Blum und Schotzko unisono fest.

Warum? „Das ist schwer zu sagen“, zeigt sich Schotzko ratlos. Blum vermutet, dass Kretzer zwar im See sein könnten, „aber eben nicht dort, wo wir fangen, in den Halden“. Damit sind jene Seebereiche gemeint, in denen ein Flachwasserbereich in eine tiefergelegene Zone mündet.

Die Experten halten es jedoch für möglich, dass Kretzer Anfang August in den Fangzonen der Fischer wieder Nahrung finden und dann dort auch wieder gefangen werden.

Problem Stichling

Zu einem der Hauptfeinde von Felchen und Kretzer hat sich in den letzten Jahren der Stichling entwickelt. Selbst ungenießbar, frisst der Störenfried, der sich ursprünglich nur in Ufernähe aufgehalten hatte, um anschließend den ganzen See zu bevölkern, bevorzugt Felchenlaich und kleine Kretzer. Nur größere Kretzer fressen auch ihn.

„Der Stichling dominiert das Freiwasser zwischen acht und 15 Metern und kommt dort in großen Schwärmen vor. Nicht zuletzt hat er dafür gesorgt, dass die Felchen keine starken Jahrgänge mehr haben“, berichtet Schotzko. Immerhin will Fischer Blum bemerkt haben, dass der Bestand des Speisefischfressers etwas geringer geworden ist. „Aber das ist meine subjetive Wahrnehmung“, betont Blum. Dass man den Stichling gezielt jagt und abfischt, wie das in anderen Regionen geschieht, hält Schotzko am Bodensee für unwahrscheinlich. „Wer weiß, was das für andere Folgen hätte. Sehr aufwendig wäre das zudem.“

Problem Kormoran

Bleiben Kormoran und die sich als Nährstoffentzieher im Bodensee immer stärker verbreitende Quagga-Muschel als weitere Feinde der beliebten Delikatessen des Schwäbischen Meeres.

In einer Sitzung der Arbeitsgruppe Kormoran wurde die die aktuelle Lage erörtert. „Wir warten gespannt darauf, wie das Landesverwaltungsgericht die Beeinspruchung des Bescheids zur Anwendung von Vergrämungsmaßnahmen durch die Naturschützer beurteilt“, fasst der Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta, Walter Niederer, die Stimmung zusammen. Immerhin blieben die Verordnungen unbeeinsprucht. So dürfen Berufsfischer mit Jagdschein Kormorane schießen, welche sich über Netze mit gefangenen Fischen hermachen wollen. VN-HK

FISCHFANG VORARLBERG 2019

25,5 Tonnen insgesamt

28,1 Prozent weniger als 2018 mit 35,5 Tonnen

5,5 Tonnen Felchen im Vergleich zu 12,8 Tonnen 2018

6,3 Tonnen Barsche (=Egli bzw. Kretzer) im Vergleich zu über 10 Tonnen 2018

9 Berufsfischer in Vorarlberg

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