Alwin Schönenberger – der Vogelmensch

Vorarlberg / 15.07.2020 • 17:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alwin Schönenberger - der Vogelmensch
Alwin Schönenberger ist jeden Tag mit seinem Fahrrad und seinem Fernglas dort unterwegs, wo er seine geliebten Vögel findet. VN/HÄMMERLE

Seit über 40 Jahren beobachtet und schützt der 68-jährige Lauteracher die Vögel im Rheintal.

Lustenau Ein Gespräch mit Alwin Schönenberger im Ried ist immer von Unterbrechungen begleitet. “Hörst du”, kann er plötzlich sagen, “das ist ein Stieglitz.” Wenig später reißt er das Fernglas vor die Augen und späht in die Umgebung. Dieses Mal ist es eine Esche, die seine Aufmerksamkeit erregt. “Der Baum stirbt”, sagt er traurig. “Da müssen sich einige Vögel wieder einen anderen Zufluchtsort suchen.” Im Sommer, wenn es unentwegt zwitschert und flattert, ist der 68-jährige Pensionist bis zu zehn Stunden unterwegs. Man kann ihn im Bangser Ried bei Feldkirch genauso antreffen wie im Naturschutzgebiet Rheindelta. Stets auf Kontrollgang im Dienste der Vogelwelt im Land. Er kennt die rund 300 Arten in Vorarlberg, er weiß, welche davon gefährdet sind, welchen es gut geht, auf welche man in den kommenden Monaten besonders aufpassen muss.

Bester Freund der Vögel

Alwin Schönenberger ist seit Kindertagen der beste Freund der Vögel im Land. “Meine Mutter hat mich in die Welt der Natur und der Vögel eingeführt”, sagt der Lauteracher.  Bald schon fühlte sich der Jugendliche magisch von der Vogelwelt angezogen. Unvergessen bleiben ihm Erinnerungen an das Vogelparadies am Bodenseeufer. “Damals ging der See noch viel weiter Richtung Siedlungsgebiet. Es gab große Sandflächen und viele verschiedene Vögel. Da haben Schweizer bei uns extra Urlaub gemacht, um sich an dieser prächtigen Vogelwelt zu erfreuen.”

Zu entdecken gibt es als Ornithologe immer wieder Neues und Verblüffendes. Dazu gehört für Schönenberger auch die Tatsache, dass sich viele Vögel sehr gerne in der Nähe von Menschen aufhalten. “An Radwegen oder in der Umgebung von Badeplätzen fühlen sie sich wohl.” Warum das so ist? Schönenberger: “Ich denke, diese Lebensräume bedeuten für die Vögel einen Schutz gegen die gefürchteten Krähen, welche ihre Nester bedrohen. In Menschennähe halten sich nämlich die Krähen nicht gerne auf, und die anderen Vögel fühlen sich deswegen dort sicher.” Nicht alle Vögel vertragen jedoch Lärm und Geräusche in ihrer Umgebung. Zu diesen zählen etwa Wachtelkönig oder Brachvogel. Sie sind Tiere, die sich durch Rufen verständigen. Wenn sie von einer zu starken Geräuschkulisse umgeben sind, funktioniert das nicht.

Stete Bedrohung

Vogelfreund Schönenberger kennt die stete Bedrohung, die der Mensch auf seine gefiederten Freunde ausübt. “Der Mensch und seine Interessen drücken immer stärker in die Riedgebiete herein”, weiß er aus jahrelanger Erfahrung. Dabei sind diese Flächen von ökologisch unschätzbarem Wert, und vor allem sind sie noch in Ordnung. “Ich kann die allgemein geäußerte Ansicht nicht teilen, dass die Insekten immer weniger werden. Im Schweizer Ried etwa ganz bestimmt nicht”, betont der zweifache Vater und zweifache Großvater und nimmt dabei auch die Landwirtschaft in Schutz. Sie würde eher dazu beitragen, dass es noch genügend Insekten gibt, die den vielen Vögeln im Ried als Nahrung dienen.

Vögel als Lehrer

Schönenberger ist nicht nur im Sommer täglich in den Riedgebieten des Rheintals zum Wohle der Vogelwelt unterwegs. Auch im Winter streift er durch die Landschaft, stets mit dem Auftrag versehen, die Lebensbedingungen seiner gefiederten Freunde zu schützen oder zu verbessern.

Gelehrt haben ihn auch die Vögel einiges. “Sie haben mich gelehrt, genau hinzuschauen, aber auch genau hinzuhören, damit ich sie erkennen kann.” Dass ihn das alles zu einem geduldigen Menschen gemacht hat, nimmt Alwin Schönenberger als Geschenk gerne an.

Alwin Schönenberger

Geboren 26. Februar 1952

Beruf Pensionist

Wohnhaft Lauterach

Familie zwei Kinder, zwei Enkel

Hobbys Ornithologie, Wandern

Lieblingsspeise Dorschfilet

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.