Klagen über Ballermann am Bodensee

Vorarlberg / 09.08.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klagen über Ballermann am Bodensee
Überfüllte Abfallstellen gehören dieser Tage zu oft gesehenen Bildern am Bodensee. Der Abfall liegt jedoch auch in der freien Natur herum. VN/PAULITSCH

Hunderte deutsche Jugendliche sorgen bei Camping Weiss und am Wocherhafen für Lärm und Müll.

Bregenz Achim und Frederic sind ehrlich. “Ja, wir gehören auch zu jenen, die hier gerne laut feiern und es mit dem Abfall nicht so genau nehmen.” Die beiden jungen Burschen sind aus Memmingen. Es habe sich in ihren Kreisen herumgesprochen, dass der Campingplatz Weiss ein toller Ort zum Partymachen sei. “Und dann ist da ja auch noch der See”, ergänzt Achim, der kurz vor der Rückfahrt nach Hause noch ein wenig gezeichnet aussieht.

Viele Beschwerden

Auch Tim, Jan-Ove, Sam, Nils und Moritz fahren auf das Campingleben bei Weiss voll ab. “Uns taugt’s hier total. Das mit dem Müll ist uns natürlich auch aufgefallen. Aber ehrlich: Wir machen da nicht mit. Wir geben unseren Abfall dort hin, wo er hingehört”, beteuert Tim.

Tim, Moritz, Jan-Ove, Sam und Nils (v. l.) genießen ihre Zeit beim Weiss-Camping in Bregenz. "Wir feiern, aber wir hauen nicht einfach achtlos Müll weg."  <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Tim, Moritz, Jan-Ove, Sam und Nils (v. l.) genießen ihre Zeit beim Weiss-Camping in Bregenz. "Wir feiern, aber wir hauen nicht einfach achtlos Müll weg." VN/Paulitsch

Vermehrt haben sich in letzter Zeit Dauercamper, Anrainer des Campingplatzes oder auch “nur” Passanten darüber beschwert, wie sich viele Jugendliche an ihrem Zeltplatz und am See aufführen. Die Rede ist von Trichtersaufen, Partylärm bis tief in die Nacht, von Jugendlichen, die ihre Notdurft in der Natur verrichten. “Und dann lassen sie einfach alles liegen. Es schaut zeitweise entsetzlich aus”, berichtet eine Dauercamperin, die ihren Namen nicht preisgeben möchte, aus Angst, ihren Campingplatz zu verlieren.

Auch Verständnis für Junge

Gleiches meint ein älterer Schweizer Campingplatzgast, der vom Frühjahr bis in den Herbst bei Weiss seine Zelte aufgeschlagen hat. “Die Jugendlichen wissen nicht, wie sie sich aufführen sollen und machen auch Sachen mutwillig kaputt”, regt sich der Mann auf.

Allerdings sehen das nicht alle so. “Wir empfinden das nicht so schlimm. Der Campingplatzbetreiber hat ein gutes Team. Es wird immer wieder aufgeräumt. Der Lärm ist erträglich. Wir waren ja alle auch einmal jung”, sagt Eugen Tilg (77), der mit seiner Lebensgefährtin Erna Brunner schon viele Jahre bei Weiss campt. Auch Manuela Maier, seit 20 Jahren im Sommer bei Weiss, lobt den Betreiber. “Es sind heuer wegen Corona viel mehr Jugendliche aus Deutschland hier. Aber der Betreiber schaut dazu, dass immer wieder der Müll weggeräumt wird.”

Eugen "Jimmy" Tilg (r.) mit Partnerin Erna Brunner und Enkel Jürgen. Sie nehmen den Jugendlichen ihre Feierlaune nicht krumm. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Eugen "Jimmy" Tilg (r.) mit Partnerin Erna Brunner und Enkel Jürgen. Sie nehmen den Jugendlichen ihre Feierlaune nicht krumm. VN/Paulitsch

Einsichtiger Betreiber

Juniorchef Alexander Weiss (28) zeigt sich gegenüber den Beschwerdeführern verständnisvoll. “Es stimmt, dass es Probleme gibt. Man sagt uns das auch immer wieder. Aber wir tun alles, um die Dinge halbwegs unter Kontrolle zu halten. Wir haben Securitys angestellt, die zum Rechten sehen. Und wir gehen auch gegen Ruhestörer und Verschmutzer vor.”

“Ich verstehe die Beschwerden. Aber wir tun alles, um die Dinge zu kontrollieren.”

Alexander Weiss, Campingplatzbetreiber

Laut Weiss ist der Campingplatz heuer überdurchschnittlich stark frequentiert. “Das hat natürlich mit den erschwerten Reisebedingungen zu tun. Aber wir leben nun mal von dem Campingplatz.”

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