Politische Bildung: Mischfach oder eigenes Fach?

Vorarlberg / 10.09.2020 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Politische Bildung: Mischfach oder eigenes Fach?
Im Schülerparlament diskutieren Vorarlbergs Schülervertreter meistens auch über ein Unterrichtsfach politische Bildung.  VN/PAULITSCH

Expertin der Uni Wien befüwortet eigenes Unterrichtsfach.

Bregenz Dem Schulfach Politische Bildung geht es wie der täglichen Turnstunde. Stets propagiert, manchmal schon beschlossen, aber nie umgesetzt. Derzeit wird es fast nur an Berufsschulen als eigenes Fach unterrichtet, ansonsten ist Politische Bildung Teil anderer Unterrichtsfächer. Es gibt Ausnahmen wie die Mittelschule Mittelweiherburg in Hard. Dort wird seit acht Jahren in allen vierten Klassen Politische Bildung als eigenes Fach unterrichtet. Geht es nach der Expertin Lara Möller vom Bereich Didaktik für Politische Bildung an der Uni Wien, sollen dem Beispiel alle Schulen folgen.

Politische Bildung ist in allen Schultypen und Schulstufen verankert. Seit einigen Jahren wird das Fach ab der sechsten Schulstufe im Geschichtsunterricht oder in Kombinationen mit anderen Fächern unterrichtet. Florian Bassa, Leiter der Arge für Geschichte und Politische Bildung an den höheren Schulen, begründet: „Es ist eine übergreifende Materie.“

Fehlende Ausbildung

Expertin Möller ist überzeugt: „Ein eigenständiges Unterrichtsfach der Politischen Bildung ist anzustreben.“ Die Mischung mit anderen Fächern verringere das Gesamtverhältnis der Politischen Bildung im Unterricht. Außerdem überwiegen dadurch historische Zugänge. Das sei zwar wichtig, Politische Bildung sollte aber auch den Alltag und die Gegenwart einbeziehen. Dazu käme unzureichende und zu wenig fachspezifische Ausbildung der Lehrer. Die Senkung des Wahlalters auf 16 habe Österreich zu einem Vorbild gemacht. Deshalb sei es wichtig, Politische Bildung zu stärken.

Viele Themen sind vorgegeben: Demokratie, Wahlen, Medien, auch die politischen und rechtlichen Systeme Österreichs und der EU stehen auf dem Programm, erklärt Bassa. Der Unterricht sollte Platz für kritische Gesellschaftsdiagnosen bieten, ergänzt Möller. Dass es im Rahmen des Unterrichts auch Unzufriedenheit bei manchen Parteien gibt, sei in einer Demokratie normal.

Kritik gehört dazu

Kritik und Kontroversen gehören dazu. „Rassismus und andere Ideologien der Ungleichheit sind in der Gesellschaft strukturell verankert und daher relevante Themen für die Politische Bildung”, fährt Möller fort. Dass in Deutschland die AfD eine Stelle eingerichtet hat, um zu melden, wenn sie im Unterricht kritisiert wird, delegitimiere die Auseinandersetzung mit demokratiekritischen Aussagen und schüchtere Lehrer ein.

Die Einführung eines neuen Fachs sei schwierig, erläutert Bassa. „Jedes neue Fach braucht neue Stunden und neue Lehrer. Es ist eine Kostenfrage und auch ein Zeitaufwand für Schüler.“ Ein anderes Fach müsste gestrichen werden. Im Nationalrat bespricht wieder einmal  eine Arbeitsgruppe das Thema. Eine VN-Anfrage im Bildungsministerium blieb unbeantwortet. VN-LIW, MIP

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