Besuchsverbot in Spitälern und Besucherlenkung in Pflegeheimen

Vorarlberg / 18.09.2020 • 05:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bilder wie diese, als sich Angehörige nur noch durch Glasscheiben sehen konnten, soll es in den Pflegeheimen nach Möglichkeit nicht mehr geben. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bilder wie diese, als sich Angehörige nur noch durch Glasscheiben sehen konnten, soll es in den Pflegeheimen nach Möglichkeit nicht mehr geben. VN/Paulitsch

Das Land setzt bei diesen Einrichtungen auf unterschiedliche Maßnahmen.

bregenz Die Auswirkungen der Ampelschaltung auf die Krankenhäuser verlangen offenbar nach einer Erklärung. Wie berichtet, sind nicht nur die Spitäler der orange gefärbten Bezirke wieder von einem generellen Besuchsverbot betroffen, sondern auch jene in den gelben Regionen. Für viele scheint das nicht nachvollziehbar, weshalb Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher in die Begründung ging. „Spitäler haben weiträumige Einzugsgebiete und über das Land verteilte Patienten- und Besucherströme. Durch die hohe Mobilität der Bevölkerung würde ein differenziertes Besuchsverbot nicht die gewünschte Wirkung zeigen.“

Ein paar wenige Ausnahmen

Nur wenige Ausnahmen können das Verbot aushebeln: Besuche bei Schwerstkranken oder Sterbenden, Besuche beider Elternteile bei ihrem Kind sowie Väter bzw. eine Begleitperson vor, während und nach der Geburt. Diese Ausnahmen seien nach einer ausführlichen und sorgfältigen Risikoabwägung definiert worden, hofft Rüscher auf Verständnis: „Diese Entscheidung zu treffen, ist uns nicht leichtgefallen.” Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Patienten und Mitarbeitenden, sondern auch darum, das Gesundheitssystem insgesamt funktionsfähig zu erhalten.

Mit zusätzlichen Empfehlungen wurden am Mittwoch auch die Pflegeheime versorgt. Dort gibt es noch kein Besuchsverbot, es wird eine Besucherlenkung angeraten. Im Seniorenheim Nenzing etwa, das in der orangen Zone liegt, sind unter anderem wieder telefonische Terminvereinbarungen notwendig, die Besucher dürfen nicht in die Wohnstuben, und jeder Besucher wird am Eingang gecheckt. Im Erdgeschoß sind drei Besucherzonen mit einer Besuchsdauer von 30 Minuten eingerichtet worden. Draußen können sich Bewohner und Angehörige aufhalten, so lange sie wollen. Maskenpflicht gilt für alle Bereiche. Heimleiter Dieter Visintainer spricht von einer guten Regelung, auch wenn sie mehr Aufwand bedeute.

Augenmaß und Verstand

Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin der Benevit Pflegegesellschaft, berichtet, dass alle sieben Einrichtungen schon bisher sensibel und wachsam um Lösungen bemüht waren. Trotzdem stoße das Personal immer wieder auf Unverständnis bei Angehörigen. „Mit mehr Akzeptanz für die notwendigen Maßnahmen wäre uns sehr geholfen“, sagt Helbok-Föger. Sie ist überzeugt, dass „wir mit Augenmaß und Verstand gut durch die Krise kommen“. Wolfgang Berchtel, Regionalleiter der SeneCura, deren Heime in Hard von der ersten Coronaphase besonders hart getroffen wurden, erklärte, es seien danach sofort sämtliche Pläne angepasst worden. Die neuen Empfehlungen des Landes werden aber nicht vollständig umgesetzt. So will die SeneCura Besuche auf den Zimmern mit Schutzausrüstung weiterhin zulassen.

Aus dem Büro von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker verlautet, dass man hofft, ein Besuchsverbot mit Lenkung, Einschränkung und Registrierung verhindern zu können. Entwarnung gibt es aus dem Herz-Jesu-Heim in Lochau, wo sich, wie berichtet, zwei Personen infiziert hatten. Alle übrigen Tests fielen negativ aus.

28 Neuinfektionen

28 neue Infektionen sind am Donnerstag in Vorarlberg registriert worden. 16 Neuinfektionen können auf das Umfeld von bereits zuvor positiv getesteten Personen zurückgeführt werden. Bei zwölf positiven Testungen sind die Ansteckungsquellen bislang noch unklar. Eine positive Testung hat einen Auslandsbezug, eine weitere einen Wien-Bezug. Im Betrachtungszeitraum wurden neun Personen gesund gemeldet.

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