VN-Serie: Als die Spanische Grippe in Vorarlberg regierte

Vorarlberg / 16.10.2020 • 09:30 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
VN-Serie: Als die Spanische Grippe in Vorarlberg regierte
Im Sonntagsgewand, mit Katze und Mund-Nasen-Schutz: 1918 hatte die Spanische Grippe die Welt in der Hand.

102 Jahre alte Kurzmeldungen zur Spanischen Grippe in Vorarlberg, die heute wieder relativ vertraut klingen.

31. Oktober: Verschontes Rheindelta

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Rheindelta. Auch im Rheindelta hat die Spanische ihren Einzug gehalten. Obwohl hunderte täglich nach der Schweiz auf Arbeit gehen, ist das ganze Rheindelta von deren bösartigem Auftreten verschont geblieben; das Delta hat bis heute noch keinen Todesfall zu verzeichnen. Vor ansteckenden Krankheiten bewahre uns, o Herr!

30. Oktober: Götzis erholt sich

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Götzis. Die Krankheit ist am Zurückgehen. Unter der Schuljugend holte sie bis jetzt zwei Opfer. Am 20. und heute starb je ein Schulknabe an der Grippe. Katechet Karl Ilg hat sich wieder erholt und zelebriert wieder die hl. Messe. Die barmherzigen Schwestern des Armenhauses haben über die Zeit der Grippe als Pflegerinnen strenge Arbeit. Viele lernten damit das aufopferungsvolle Wirken der Schwestern erst recht kennen.

29. Oktober: Die Grippe in Großdorf

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Großdorf. Am kommenden Sonntag wird das Kreuz gesteckt für den am 17. Oktober bei Folgaria an Grippe und Lungenentzündung verstorbenen Jüngling Gebhard Feurstein. Vor ihm waren noch vier weitere Brüder an der Front, von denen einer aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt und ein anderer (Alfons) wegen hervorragender Leistungen als Strumtruppenführer zur Goldenen vorgeschlagen ist. – Die Grippe ist auch hier im Abflauen. Das letzte bittere Opfer war Frau Maria Hammerer, geborene Sutterlüty, eine Mutter von sechs Kindern, das Muster einer Hausfrau, die im Alter von 43 Jahren gestorben ist.

28.Oktober: Spanische erreicht Düns

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Düns. Vor etwa acht Tagen kam auch die Grippe in unser sonniges, herrlich gelegenes Dörfchen, so daß drei Viertel der Bewohner Bett oder Stube hüten müssen. Die Schule mußte deshalb auch am 21. Oktober geschlossen werden, da sich fast plötzlich keine Kinder mehr zum Unterricht einfanden, obwohl noch am 16. Oktober beim Schulbeginn die ganze Jugendschar vollzählig erschienen war.

27. Oktober: Jugendsonntag

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Dornbirn. Wegen der Grippe wurde der unterhaltende Teil des Jugendsonntags auf heute verschoben. Die Jungenmannschaft von Haselstauden zeigte ihr theatralisches Können in der Aufführung des Schauspiels „Tim, der Negerknabe“, sowie mehrerer Schwänke; H. H. Dekan Huber beleuchtete in kurzer Ansprache die Idee des Jugendsonntags, für frische Lieder sorgte das geistliche Quartett unter der Leitung des Herrn Kaplan Mayer.

24. Oktober: Wieder zwei Grippeopfer

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Lustenau. Heute wurde die 38jährige Frau Berta Holzer, Gattin des Gebhard Jussel (Fergger und Ökonom) beerdigt. In der Vollkraft der Jahre ist die brave Gattin und Mutter der schrecklichen Grippe erlegen; um sie trauert der Gatte mit 6 Kindern im Alter von 8–11 Jahren. – Gestern wurde der 30jährige Rechnungs-Unteroffizier Eduard Scheffknecht (Smesis Hermanns) zu Grabe getragen. Er war aus Bozen in Urlaub gekommen und stand im Begriffe, sich zu verehelichen. Die Grippe raffte ihn in vier Tagen hinweg. Seine Mutter und zwei Geschwisterkinder von ihm sind innerhalb drei Wochen an der Grippe gestorben. Sie ruhen im Frieden!

23. Oktober: Unliebsamer Gast

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Liechtenstein. Ein unliebsamer Gast sucht unser Ländchen gegenwärtig heim: die spanische Krankheit. In fast allen Gemeinden des Landes ist sie schon eingezogen. In der Mehrzahl handelt es sich um leichtere Fälle; immerhin sind schon einige schwere Fälle vorgekommen. In Vaduz ist der Seuche ein zwölfjähriges Mädchen zum Opfer gefallen, die Gemeinde Triesen beklagt bereits den Heimgang von drei jungen Frauen. Diese Gemeinde ist wohl am stärksten heimgesucht. Die Todesfälle sind stets infolge dazugetretener Lungenentzündung aufgetreten. Gotte gebe, daß die Seuche ein Ende nimmt und uns vor weiteren Opfern verschont!

22. Oktober: Junge Sterbefälle

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Egg-Großdorf. In der Vollblüte des Lebens erlag den Folgen der heimtückischen Grippe Jungfrau Maria Flatz. Die aufrichtige und große Teilnahme beim Grabgeleite bezeugte, welch allgemeine, hohe Wertschätzung die einfache Magd durch ihren musterhaften Fleiß und Verläßlichkeit im Dienste in jungen Jahren sich erwarb. Leider mußte ihr schon eine Schicksalskollegin, Jungfrau Ursula Waldner in Großdorf folgen. Sie ruhen in Frieden.

21. Oktober: Toter Matrose

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Bregenz Gestern abends starb der 28 Jahre alte Matrose Franz Helbbock an Grippe; er hatte als Oberjäger die beiden Silberne erworben und war durch einen Lungenschuß verwundet. Beerdigung am Mittwoch (23), 4 Uhr nachmittags. RIP.

20. Oktober: Schwieriger Herbst

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Meiningen. Der Weg durch diesen Herbst ist kotig und schwierig, voll Feuchtigkeit und Löcher und der Mensch samt seinem besten Schuhwerk, Radzeug und Politikwesen aus einem Loch ins andere. – Gestorben an der Grippe ist Frau Johanna Marte im Alter von 28 Jahren; sie war aus Mäder gebürtig. – Mit der Hand eine mächtige Schleiereule gefangen hat ein Schulmädchen. Furchtlos griff das Kind nach dem flatternden großen Vogel.

19. Oktober: 1700 Tote in Wien in sieben Tage

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