Vorarlberg längst im „Slowdown“

Vorarlberg / 01.11.2020 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mit steigenden Infektionszahlen geht die Mobilität im Land seit September zurück.

SCHWARZACH Zeitlich verlaufen die Kurven so ähnlich wie das Infektionsgeschehen und die Maßnahmen, die damit einhergehen: Mitte März eine abrupte Richtungsänderung und ab April eine allmähliche Normalisierung; im September dann wieder eine sichtbare Richtungsänderung.

Standorte machen es möglich

Die Kurven, von denen die Rede ist, ergeben sich aus den Mobilitätstrends, die das amerikanische Technologieunternehmen Google mit der gleichnamigen Internet-Suchmaschine führt. Und zwar auch für einzelne Staaten und Regionen, wie im konkreten Fall eben Vorarlberg. Standortdaten machen’s möglich: Sie lassen erahnen, wie sich die Zahl der Besucher in Einkaufszentren, Restaurants, Kinos und vielen anderen Orten entwickelt. Ist die Zahl hoch, sind hier viele Menschen unterwegs.

Diese Mobilitätstrends sind so aussagekräftig, dass sie von der Österreichischen Nationalbank dazu verwendet werden, mehr oder weniger „live“ die Konjunktur abzuschätzen: Halten sich Massen in Geschäften auf, ist das wirtschaftlich ein gutes Zeichen. Epidemiologisch ist es eine Katastrophe.

Der eidgenössische Regierungsberater Martin Ackermann meinte unlängst, so werde man die Pandemie nicht in den Griff bekommen: Das Mobilitätsniveau liege nach wie vor bei 75 Prozent des Vor-Corona-Levels. Das sei zu viel. Anders ausgedrückt: Wenn die Leute nur um 25 Prozent weniger unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit für Kontakte und damit auch Ansteckungen noch immer zu groß.

Die Mobilitätstrends werden für unterschiedliche Orte ausgewiesen: für „Einzelhandel und Freizeit“ mit Geschäften, Gasthäusern und Museen beispielsweise oder für „Bahnhöfe und Haltstellen“ etwa. Hier entwickeln sich die Bewegungen sehr ähnlich. Und zwar auch im Wochenverlauf: In Vorarlberg kam es im März mit dem ersten Lockdown wenig überraschend zu einem massiven Einbruch. Die Mobilität ging gegenüber Werten aus dem Referenzzeitraum 3. Jänner bis 6. Februar um bis zu 80 Prozent zurück. An Wochenenden kam es sogar zu Spitzen von bis zu 90 Prozent minus. Diese Spitzen signalisieren, dass das öffentliche Leben beinahe zum Erliegen gekommen ist. Im Sommer war alles wieder ziemlich normal. Als Mitte September die Infektionszahlen jedoch wieder zu steigen begannen und neue Beschränkungen eingeführt wurden, sank auch das Mobilitätsniveau in Vorarlberg wieder. Für Ende Oktober weist Google ein Minus von 28 Prozent für den Bereich „Einzelhandel und Freizeit“ sowie einen Rückgang von 29 Prozent für „Bahnhöfe und Haltestellen“ aus. Nach Ackemann’schen Maßstäben war freilich auch das noch viel zu wenig „Slowdown“.

An Arbeitsstätten war Ende Oktober 25 Prozent weniger los. Betriebsschließungen, Homeoffice, Kurzarbeit und Ähnliches dürften ausschlaggebend dafür gewesen sein. Keinen Rückgang, sondern zum Teil sogar Steigerungen gab es dagegen an Wohnorten. Im Frühjahr beliefen sich die Zuwächse hier auf 20 Prozent und mehr. Kein Wunder: Schon damals war „Zuhausebleiben“ angesagt. JOH

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