Brauchtumspflege geht bei Anita Nigg im Kleinen weiter

Vorarlberg / 02.11.2020 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brauchtumspflege geht bei Anita Nigg im Kleinen weiter
Anita Nigg hat gerade erst zwei Aufträge von Musikvereinen bekommen, Frauentrachten zu nähen. VN/STEURER

Vereine des Landestrachtenverbandes warten ab und freuen sich auf Öffnung.

Schnifis, Vandans Das ohnehin auf Sparflamme köchelnde Vereinsleben des Vorarlberger Landestrachtenverbands mit seinen 60 Mitgliedsvereinen und 4500 Mitgliedern haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nun endgültig zum Erliegen gebracht. Eine, die trotzdem zu tun hat, ist Anita Nigg. Die Schneiderin fertigt in Schnifis Frauentrachten und ist eine der wenigen Frauen in Vorarlberg, die diese feine Handarbeit noch beherrscht. Dank der Aufträge der Musikvereine, die noch Trachten bei ihr bestellen, hat sie Arbeit. Die gelernte Damenschneiderin näht vor allem Trachtenkleider für die Regionen Klostertal, Walgau und das Große Walsertal. „Ich merke zwar, dass die Aufträge zögerlicher kommen, aber ich habe von früheren Aufträgen noch einiges zum Aufarbeiten“, erzählt die 62-Jährige. Der Zeitaufwand für eine Tracht ist groß. So benötigt die erfahrene Schneiderin rund 40 bis 50 Stunden für eine Musikantinnentracht. Außerdem hätten zwei Musikvereine gerade Nachbeschaffungen für neue Musikerinnen geordert und beweisen der Schneiderin, die auch Landestrachtenreferentin ist, dass die Musikvereine an eine Zeit nach der Pandemie denken, in der regelmäßige Proben und auch Auftritte wieder möglich sind.

„Die ersten Mitglieder warten darauf, dass man wieder proben und sich treffen kann.“

Ulrike Bitschnau, Landesobfrau Trachtenverband

Investition in Trachten

Der Landestrachtenverband berät die Musikvereine, die auf der Suche nach einem passenden Trachtenkleid für die Musikantinnen sind, erzählt Ulrike Bitschnau, Obfrau des Vorarlberger Landestrachtenverbandes. „Bisher sind 70 Anträge auf Fördergelder für Trachten und Kunsthandwerk bei uns eingegangen. Ende des Jahres dürften es über 100 sein und damit liegen wir im Schnitt des letzten Jahres“, rechnet Bitschnau vor und ist positiv überrascht, dass die Vereine noch Trachten bestellen. Etwa die Hälfte der Trachtenvereine habe inzwischen auf Frauentrachten umgestellt. „Anfangs hatten die Frauen noch Männertrachten an“, erklärt die Vandanserin. Von Rückmeldungen weiß die 59-Jährige, die seit 44 Jahren Mitglied bei der Trachtengruppe Vandans ist, dass es im Montafon Wartezeiten von bis zu drei Jahren auf Stickereien gibt.

Warten auf das Vereinsleben

Zu denken gibt der Obfrau des Landestrachtenverbands, wie wohl die Mitglieder reagieren werden, wenn wieder geprobt werden darf und Auftritte möglich sind. „Ich frage mich, ob sie noch Interesse am Verein, dem Vereinsleben und den Veranstaltungen haben werden“, ist Bitschnau nachdenklich. Die Chöre, Volkstanzgruppen, Schuhplattlergruppen, Volksmusik- und Saitenmusikgruppen und der Schützenverein hätten immerhin seit März kaum mehr geprobt. Seit Oktober seien die wenigen Proben völlig flachgefallen. „Wir werden halt abwarten müssen. Aber die ersten Mitglieder melden sich schon bei mir. Sie warten darauf, dass man wieder proben und sich treffen kann“, ist Bitschnau trotz allem zuversichtlich.

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