„Keine Ängste produzieren“

Vorarlberg / 02.11.2020 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„ Es geht um klare Vorgaben“, betont Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (r.) im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr.VN
„ Es geht um klare Vorgaben“, betont Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (r.) im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr.VN

LR Martina Rüscher zu hohen Coronafallzahlen im Land und zu Gegenmaßnahmen.

Schwarzach, Bregenz Alarmierende Coronafallzahlen und Todesfälle im Land. Verbote in sportlichen Bereichen und Einrichtungen wie Vorarlberger Krankenhäusern. Grundsätzlich ist alles verboten, demonstrieren ist aber erlaubt: Das Spektrum an Themen und Fragen, die vielen Menschen im Land unter den Nägeln brennen, ist groß. Das wurde auch bei einem VN-Webinar mit Gesundheitslandesrätin Martin Rüscher (VP) deutlich.

Frau Landesrätin, alles ist verboten, aber Demos bleiben erlaubt. Wie erklären Sie das?

Ich bin immer wieder im Austausch mit Gruppen, die eine gänzlich andere Meinung haben. Es ist wichtig, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Das Demonstrationsrecht gehört zur Demokratie, es darf aus meiner Sicht nicht verboten werden. Wir leben in einem Land der Meinungsfreiheit, es sollte allen möglich sein, ihre Meinung zu vertreten. Ich bitte aber, bei Demos auf alle Hygienemaßnahmen zu achten. Es ist wichtig, dass alle Meinungen gehört werden, auch wenn man sie persönlich nicht teilt.

Vor dem Hintergrund der täglich hohen Fallzahlen mutmaßen manche, dass es einen Rückstau gibt. Kann das sein?

Ich kann diese Mutmaßung nachvollziehen, auch wir hatten diese Vermutung. Es ist aber leider nicht so. Wir sind das erste Bundesland, das die Antigentests ausgerollt hat. Das heißt, 130 Arztpraxen im Land bieten schnelle Antigentests an, bei denen innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis vorliegt. Nahezu alle dieser positiven Testungen, bei denen zur Überprüfung immer ein PCR-Test nachgemacht werden muss, stimmen. Wir sind also sehr breit aufgestellt, erkennen die positiv getesteten Personen schneller und können sie damit auch schneller absondern. Wir hoffen, dass dies im Hinblick auf die Fallzahlen Früchte trägt und die Zahlen wieder nach unten gehen.

Bei einem Blick auf die Fallzahlen der letzten Tage fällt auf, dass wenige Infizierte gesunden. Woran kann das liegen?

Bei den Gesunden war es tatsächlich der Fall, dass wir einige Tage im Verzug waren. Damit wir schnell sein können, haben wir uns im gesamten Kontaktmanagement auf die Erkrankten konzentriert und die Gesunden etwas hintangestellt. Grundsätzlich ist es ja so, dass man gesund ist, wenn man zehn Tage Absonderung hinter sich hat.

Der Amateursport ist jetzt praktisch eingestellt. Profisportler dürfen sich aber immer noch am Spielfeld umarmen. In Zeiten einer Pandemie sollte das nicht mehr sein, meint ein VN-Leser. Was sagen Sie dazu?

Da ist mein Herz zweigeteilt, natürlich freut man sich, wenn Erfolge gelingen. Ich sehe das aber gleich: Ich würde dafür plädieren, dass der Spitzensport gerade jetzt ein gutes Vorbild sein sollte. Es gibt aber bundesweite Regelungen, die der ÖFB ausgearbeitet hat.

Bleiben wir bei den Sportvereinen, die wegen Verboten ums Überleben kämpfen. Wird es vom Land Unterstützung für sie geben?

Ja, es wird Hilfe geben. Wir möchten vor allem die Bewegung unterstützen, weil wir eines wissen: Je fitter man ist, desto mehr Abwehrkräfte hat man. Wir bitten die Bevölkerung, bei den Vereinen zu bleiben und damit das Ehrenamt weiter zu unterstützen. Wir haben den Vereinen, auch in der Kultur, volle Unterstützung zugesagt.

Ein VN-Leser möchte wissen, ob er mit seinem Wohnmobil zur Erholung auf einem Stellplatz übernachten darf, wenn er sich an alle Regeln hält?

Das ist erlaubt, das gilt als privater Wohnraum. Wenn dort keine Party gefeiert wird, spricht nichts dagegen – man kann auch in einem Zelt im Wald übernachten.

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