Wenn‘s knifflig wird, packt der Chef mit an

Vorarlberg / 02.11.2020 • 15:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Firmenzukunft ist geregelt, Sohn Fabian (r.) übernimmt Schritt für Schritt. <span class="copyright">stp</span>
Die Firmenzukunft ist geregelt, Sohn Fabian (r.) übernimmt Schritt für Schritt. stp

„Die Gelben vom Hämmerle“ meistern knifflige Herausforderungen.

Hard „Wir arbeiten darauf hin, dass die Jugend übernimmt, aber bei solchen Aufträgen bin ich immer noch mit dabei, da ist man um jede Hand froh, die anpackt und mithilft“, verrät Seniorchef und Firmengründer Reinhard Hämmerle und verfolgt während des Gesprächs mit der VN Heimat, wie der 400-Tonnen-Kran ein Zimmer vom Spezialtransporter hebt, um es auf das Team-Hotel des Warther Biberkopfs zu hieven.

Über Nacht „kompliziert“

An sich wäre der Transport von rund 700 Tonnen Fertigteilzimmern samt Verbindungselementen für das Biberkopf-Teamhotel ein Routineauftrag gewesen, schließlich wurden vor einigen Monaten die Module für das Teamhotel am Saloberkopf geliefert, doch ausgerechnet am geplanten Start der Lieferung gab es Schneefall. „Da mussten die Spezialfahrzeuge mit einem Vorspann von Schröcken nach Warth fahren. Das von heute auf morgen zu organisieren war eine große Herausforderung und auch die Fahrten selbst nicht einfach. Zum Glück war die Passstraße bald wieder schneefrei“, so Hämmerle.

Herausforderungen als Anreiz

Doch es waren gerade solche Herausforderungen, die den 69-jährigen Firmenchef und -gründer motivierten, das Unternehmen für Spezialtransporte mit Sitz in Hard zu gründen. „Ich wollte – und dies war mir ganz wichtig – bevor ich 50 Jahre alt werde etwas Neues beginnen“, umreißt der „spätberufene Jungunternehmer“ die Beweggründe für den Schritt, sich zum 50. Geburtstag 2001 „mit einer eigenen Firma zu beschenken“. Die gewählte Branche war naheliegend: „Nachdem ich über die Entwicklung im Spezial- und Schwertransport nach vieljähriger Erfahrung sehr viel wusste und mir ganz klar war, dass in diesem Bereich noch über die Industrialisierung und kompakte Produktionsabwicklung viel Potenzial gegeben ist, war dies für mich bezeichnend und motivierend. Allerdings ist der Bedarf wesentlich größer geworden, als ich damals angenommen hatte.“ Wie sehr sich dieser Bedarf entwickelt hat, zeigt sich auch an der Expansion des Unternehmens: „Wir haben mit fünf Spezialfahrzeugen begonnen, heute fahren wir mit 20 Eigenfahrzeugen und haben im Pool mit den BigMove-Partnern ein riesiges Potenzial an verschiedensten Spezialfahrzeugen zur Verfügung“, so Hämmerle. Er betont, dass „es extrem wichtig ist, im Bereich der Spezialfahrzeuge einem dauernden Prozess Rechnung zu tragen und ständig zu investieren. Nur wer mit der Technik up to date ist, hat Chancen in der Zukunft.“

Mutige Entscheidungen gefragt

Diese Chancen hat er von Anfang an mit mutigen Entscheidungen, die ihm auch international einen hervorragenden Ruf einbrachten, genützt. Die Liste spektakulärer Aktionen ist lang. Etwa mit einem Transport von 43-Meter-Holzträgern, die 2004 von der Wälder Holzbaufirma Kaufmann für einen Vergnügungspark in Madrid gefertigt wurden. „Da waren wir allein in Frankreich acht Tage unterwegs“, so Hämmerle. Dies deshalb „weil wir nicht auf der Autobahn fahren durften und auf der Route 190 Kreisverkehre zu bewältigen waren – das war manchmal Millimeter­arbeit.“ Spektakulär war auch der Transport einer Bodenseefähre, die in Teilstücken von Hamburg nach Fußach geliefert wurde. Fast Alltagsgeschäft sind hingegen Lieferungen von riesigen Maschinen mit 100
und mehr Tonnen zu Baustellen im Land.

Meisterstücke im Gebirge

Seine Meister- und Lieblingsstücke hat Hämmerle aber im Gebirge abgeliefert: „2012 erledigten wir in der Schweiz einen Auftrag für ein Kraftwerksprojekt ins Mont Blanc Massiv. Über eine äußerst enge Zufahrt zur Staudamm-Baustelle lieferten wir auf fast 2000 Metern Meereshöhe eine komplette Betonmischanlage, die schwersten Einzelteile wogen 48 Tonnen, die längsten maßen 31 Meter – mit so etwas hat man diese Route mit engen Kurvenradien noch nie befahren, auch wir waren am Limit“, erinnert sich Hämmerle stolz und weist auf einen Folgeauftrag hin, den er für die gleiche Firma für ein Kraftwerk am Grimselpass erledigen durfte. stp

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