Düsterer Blick auf Intensivbetten

Vorarlberg / 03.11.2020 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Intensivstationen in den Krankenhäusern des Landes rüsten sich wieder für bewegtere Zeiten.khbg
Die Intensivstationen in den Krankenhäusern des Landes rüsten sich wieder für bewegtere Zeiten.khbg

Warnung vor schneller Überbelastung und Appell an die Bevölkerung.

Bregenz „Der Blick in die nächsten Wochen ist düster.“ In diesem einen Satz fasste Oberarzt Wolfgang List alles zusammen, was die Coronasituation im Land derzeit prägt: nämlich die Angst, das Spitalswesen könnte an seine Grenzen stoßen und ein Intensivbett zum Luxusgut werden. Schnellen die Infektionszahlen weiterhin so stark hinauf, sind Ende des Monats alle verfügbaren 100 Intensivbetten bzw.
–plätze mit Covidpatienten belegt. „Für andere Patienten steht dann kein Intensivbett mehr zur Verfügung“, unterstrich List, Koordinator für die intensivmedizinische Behandlung von Coronapatienten, die Dramatik der Situation. In den Krankenhäusern Feldkirch, Bregenz und Bludenz wird außerdem bereits das Operationsprogramm schrittweise reduziert. Vor diesem Hintergrund fiel die Mahnung zur Einhaltung der gesetzten Maßnahmen noch eindringlicher aus. Vor allem die Sozialkontakte müssten auf ein Minimum heruntergefahren werden, hieß es beim Regierungsfoyer am Dienstag von allen Seiten.

Keine spezifische Therapie

Gleichzeitig waren Landeshauptmann Markus Wallner und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher um Beruhigung bemüht. „Die Spitäler sind gut vorbereitet, aber die Kurve an Neuinfektionen muss rasch gebrochen werden“, sagte Wallner. Rüscher betonte: „Es ist Zeit, zusammenzuhalten und Vorarlberg zu schützen.“ Derzeit stehen 51 Intensivbetten bereit, bei Bedarf kann um 53 Intensivplätze aufgestockt werden. Die Zahl der intensivpflichtigen Covidpatienten beträgt aktuell 26. Während der ersten Pandemiewelle benötigten insgesamt 65 Covidbetroffene ein Intensivbett. Ihr durchschnittliches Alter gab Oberarzt Wolfgang List mit 70 Jahren an. Alle litten an mehr oder minder schweren Vorerkrankungen. Nur fünf Patienten waren unter 50.

In den Krankenhäusern manifestieren sich die Infektionszahlen meist mit sieben bis zehn Tagen Verspätung. „Zuerst fühlen sich die Betroffenen besser, doch dann verschlechtert sich ihr Zustand“, berichtet Wolfgang List. Oft steht am Ende ein Lungenversagen. Spezifische Therapie gibt es keine. Medikamente, die bei Malaria oder Ebola zum Einsatz kommen, schlagen laut List bei Intensivpatienten nicht an. Sie erhalten Kortison, das sei aber kein Wundermittel. Ein Behandlungserfolg lasse sich nur mit einer guten Intensivtherapie erzielen. Für alles das braucht es aber auch Personal. Das gibt es laut List noch in ausreichender Menge. Man habe bereits im Frühjahr damit begonnen, Pflegekräfte aus anderen medizinischen Bereichen, etwa der Anästhesie, einzubinden und zu schulen.

Sauerstoff ist bestellt

Noch nicht akut ist der Aufbau des Notversorgungszentrums im Messegelände. Wie berichtet, braucht es dafür eine Vorlaufzeit von zwei Wochen. „Wir sind gerüstet, sollten die Betten gebraucht werden“, sagte Rüscher. Der Sauerstoff ist jedenfalls schon bestellt. Alle Hoffnungen ruhen jedoch auf der Mithilfe der Bevölkerung. „Die Verantwortung für eine Änderung der angespannten Situation liegt bei jedem einzelnen von uns“, insistierte der Landeshauptmann. VN-MM

„Zuerst fühlen sich die Betroffenen besser, doch dann verschlechtert sich ihr Zustand.“

Düsterer Blick auf Intensivbetten

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