Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Machen wir das Beste daraus

Vorarlberg / 03.11.2020 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Zweiter Lockdown, erster Tag, man könnte jammern und klagen und sich beschweren, vieles zu Recht. Aber es bringt ja nichts, es wird dadurch nicht besser, ganz im Gegenteil.

Also versuchen wir den Lockdown auch als etwas Positives zu sehen, vielleicht der Jahreszeit entsprechend als eine spezielle Art von Winterschlaf, mit Feuer im Ofen, Suppe am Herd und Tee in der Kanne, mit Kerzenschein am Abend, warmen Decken am Sofa, mit Büchern und Serien und Youtube-Tutorials, von denen wir alles Mögliche lernen können: Fliesenlegen oder elektrische Lampen reparieren, stricken, sticken oder Fische ausnehmen. Na gut, Letztes braucht man jetzt vielleicht nicht so oft, trotzdem.

Und man braucht sich fürs Heim-Büro nicht mehr fein zu machen, Jogginghose reicht. Ja, okay, Homeoffice ist einfach für Leute wie mich, die auch ohne Corona ein sehr downgelocktes Leben führen und ohnehin den ganzen Tag allein daheim vorm Computer sitzen. Aber deswegen wissen wir auch ungefähr wie das geht, dass man dabei nicht vollends in der Selbstdisziplinlosigkeit versinkt. Und, falls es doch einmal passiert, wie man sich am Schlawittel wieder herauszieht.

Als Erstes empfehle ich Anfängern, in der Früh aufzustehen, als ginge man zur Arbeit; für Eltern von Schulkindern bleibt das ohnehin auch während des Lockdowns selbstverständlich. Aber wenn dann alle aus dem Haus sind und man nicht gerade eine Zoom-Konferenz hat, ist die Gefahr groß, sich ziellos durch die neuesten Corona-News und durch die sozialen Medien treiben zu lassen, und hier ist ein Computer-Programm – zb. www.freedom.to – empfehlenswert, das einen von Social Media ausschließt und von allen Webseiten, auf denen man sich stundenlang treiben lassen kann (mich zieht es zum Beispiel besonders zu dieser Jahreszeit immer in die Second-Hand-Kaschmir-Seiten auf ebay).

Trotzdem bietet sich das Homeoffice natürlich dafür an, auch etwas zu machen, was sonst nicht geht, einen Auslüft-Spaziergang zwischendurch, eine Runde Online-Yoga oder Youtube-Tabata. Und man kann jetzt endlich auch einen Sauerteig ansetzen, meinen Segen habt ihr. Denn meiner hatte kürzlich Geburtstag, er wurde ein Jahr alt, und er ist ganz brav und fleißig und macht vor allem tolles Brot. Und Sauerteig-Brotbacken: Dafür sollte man besser viel zu Hause sein. Also, jetzt gleich ansetzen, ist die ideale Zeit dafür, in ein paar Tagen könnt ihr schon das erste Brot damit backen, und auch hier ist das Netz voller Hilfe, wobei es sich bei den Sauerteig-Experten erfreulich oft um sympathische junge Männer handelt, denen man gerne zuhört. Also los. Alles Gute zu Hause, macht das Beste daraus und bleibt gesund.

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.

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