„Parteipolitik hat in Schnifis nichts verloren“

Vorarlberg / 03.11.2020 • 16:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Simon Lins im Gespräch mit VN-Redakteur Tony Walser.
Simon Lins im Gespräch mit VN-Redakteur Tony Walser.

Simon Lins ist seit Kurzem Bürgermeister der Gemeinde Schnifis.

Schnifis Mit seinen erst 38 Jahren kann Simon Lins bereits auf 15 Jahre Erfahrung in der Gemeindepolitik zurückblicken. Nach 2012 bewarb er sich auch heuer um den Posten des Gemeindechefs in Schnifis – mit Erfolg. Worin er sich von seinem Vorgänger unterscheidet und welche Projekte er als Erstes angehen möchte, verrät Lins im Interview mit den VN.

Herr Lins, sie wollten bereits 2012 Bürgermeister von Schnifis werden. Haben Sie bei der Gemeindewahl endlich Ihr Ziel erreicht?

Lins Ja, das kann man so sagen. Es gab ja bereits 2012 eine Stichwahl bzw. haben wir das als Dorfumfrage durchgeführt. Dort war ich leider knapp unterlegen. Acht Jahre später konnte ich letztendlich nun im Bürgermeistersessel Platz nehmen.

Provokante Frage: Warum tun Sie sich dieses Amt mit Ihrer Ausbildung – Sie sind ja Elektroingenieur – und in Ihrem Alter an?

Lins Ich bin ein Fan von New Work. Dabei geht es vor allem um zwei Sachen: zum einen Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen man so produktiv wie möglich sein kann, zum andern die Sinnfrage dahinter. Und was macht mehr Sinn, als die eigene Gemeinde zu gestalten.

Worin unterscheiden Sie sich von Ihrem Vorgänger Anton Mähr?

Lins Ich denke, beim Zugang zu den Themen. Ich würde mich als wirtschaftsliberal einstufen, und ich denke, dass mich das besonders von meinen Vorgänger unterscheidet. Zudem habe ich einen gewissen Zugzwang, Projekte zu realisieren.

Welchen Führungsstil darf man von Ihnen als neuer, junger Gemeindechef erwarten?

Lins Führungsstil ist ein agiles Thema und situationselastisch. Es gibt sicherlich Dinge, wo es eher einen befehlenden Stil braucht, zum Beispiel es wird so oder so gemacht. Ich bin aber sicherlich ein basisdemokratischer Mensch, der mit allen die beste Lösung für die Gemeinde sucht. Da wir im Moment neue Gemeindemitarbeiter einstellen, wird sicherlich auch ein coachender Stil gefordert sein. In der Gemeindevertretung haben wir eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Mandataren, hier wird eher eine visiönare Führung angebracht sein.

Zur Politik in Schnifis. In Ihrer Gemeinde wurde nach dem System der Mehrheitswahl gewählt. Wie lassen sich da Beschlüsse fassen – Stichwort Spiel der freien Kräfte?

Lins Das Spiel der freien Kräfte haben wir schon die letzten acht Jahre praktiziert und eigentlich auch schon davor. Ich komme ja ursprünglich von einer Oppositionsliste; selbst dort gab es das Spiel der freien Kräfte. Letztendlich hat Parteipolitik in einem Dorf wie Schnifis nichts verloren. Zwölf Personen, die vernünftig denken, das gibt immer die beste Entscheidung.

Wie sieht es mit den Finanzen aus und welche Probleme sehen Sie dahingehend auf die Kommune zukommen?

Lins Aktuell stehen wir finanziell gut da. Es gibt allerdings einen Innovationsstau, das heißt, es stehen einige Projekte an. Spannend wird sicher, inwieweit sich Corona auf die Finanzen auswirken wird. Die nächsten zwei bis drei Jahre könnte es schwierig werden. Einigen Projekten räumen wir aber Priorität ein und werden diese auch umsetzen.

Welche Projekte wollen Sie als Erstes in Angriff nehmen?

Lins Aufgrund von zwei kinderreichen Jahrgängen, die nun in die Spielgruppe bzw. den Kindergarten kommen, wollen wir den Bereich Kinderbetreuung ausbauen. Das zweite Projekt ist die Anschaffung eines Ersatzes für das 35 Jahre alte Feuerwehrauto und auch ein Umbau des Feuerwehrhauses.

Derzeit zählt Schnifis rund 840 Einwohner. Gibt es Abwanderungstendenzen, und wenn ja, was wollen Sie dagegen tun?

Lins Abwanderungstendenzen gibt es nicht, der Zuzug ist nach wie vor ungebremst. Vor rund 25 Jahren hatte Schnifis etwa 650 Einwohner. Die Prognosen gehen dahin, dass wir bis in 20 Jahren die 1000er-Marke knacken könnten. Was unser Wachstum hindert, sind wie vielerorts die fehlenden Baumöglichkeiten. VN-WIM

Zur Person

Simon Lins

hat im zweiten Anlauf den Sprung auf den Bürgermeistersessel geschafft.

Geboren 16. März 1982

Ausbildung HTL Rankweil, FH Dornbirn

Beruf Produktmanagement

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