Warum sich Günter Bischof um die Demokratie in den USA sorgt

Vorarlberg / 03.11.2020 • 23:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum sich Günter Bischof um die Demokratie in den USA sorgt
Günter Bischof ist Leiter des Geschichte-Instituts an der “University of New Orleans”. VN/Hartinger

“Wer immer die Wahl gewinnt, die Spaltung der USA geht sehr tief”, sagt Günter Bischof.

New Orleans Die USA ist unabhängig vom Wahlausgang ein anderes Land geworden. Davon ist der Vorstand des Instituts für Geschichte an der „University of New Orleans“, der gebürtige Mellauer Günter Bischof (67), überzeugt. Die Polarisierung einer ganzen Nation erlebt Bischof, der durch sein Werk über den „Marshallplan“ in Österreich und den USA hohes Ansehen erlangte, sowohl als wissenschaftlicher Beobachter des Zeitgeschehens als auch als Privatmensch.

Kampf um Demokratie

„Ich lebe außerhalb von New Orleans auf dem Land. Da sind die meisten Menschen Republikaner, haben auch Trump-Flaggen in ihren Gärten. Als die Dorfgemeinschaft unlängst bei Halloween zusammenkam, wurde kein Wort über Politik gesporchen. Alle wussten: Das wäre nicht gut gewesen, und so unterließ man es – den anwesenden Kindern zuliebe. Früher, sagt Bischof, wäre eine lebhafte politische Diskussion bei solchen Anlässen noch möglich gewesen. Jetzt würde sie Menschen auseinanderbringen.“

Der seit vielen Jahren in den USA lebende Mellauer, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, sorgt sich um die Demokratie in den USA. So hat man ihm berichtet, wie in Harris County im Bundesstaat Texas die aufgestellten Wahlboxen reduziert wurden. „Nur noch eine pro Wahlkreis, hat der republikanische Gouverneur angeordnet. Das sind eindeutige Aktionen gegen die Möglichkeiten der Ausübung eines elementaren demokratischen Rechts. Viele Menschen können nur per Brief wählen. So werden sie um ihr Recht gebracht.“

Was ihn freut, ist, dass bis zum eigentlichen Wahltag bereits 100 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben haben. „Das sind 72 Prozent aller 2016 abgegebenen Stimmen, ein ermutigendes Zeichen für das gestiegene Interesse an Politik.“

Misstrauen

Als Hinweis auf einen möglichen Sieg des Demokraten John Biden wollte der Historiker dies am Morgen des Wahltages jedoch nicht verstanden wissen. Zu tief ist noch das Misstrauen gegenüber den Polls, die 2016 Hillary Clinton vorne sahen, ehe Donald Trump am Ende triumphierte.

Mit Wohlwollen nahm Bischof wahr, dass sich viele junge Menschen als Helfer in den Wahllokalen freiwillig meldeten. „Das mag wohl auch mit Trumps wiederholt geäußerten Zweifeln über die Rechtmäßigkeit des Urnengangs zu tun haben.“

Als Historiker fällt ihm nur eine US-Wahl ein, die ähnlich stark polarisierte wie die jetzige. „Das war 1960, als John F. Kennedy gegen Richard Nixon antrat und am Ende nur ganz knapp gewann.“ Als „Spaltpilz“ diente damals der Rüstungswettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion.

So sieht Bischof die Wahlnacht

Die VN haben Günter Bischof in der Wahlnacht kontaktiert. Um 4.30 Uhr, war für ihn das Ergebnis noch völlig offen. „Es ist noch alles möglich“, sagt Günter Bischof (67), Geschichteprofessor an der „University of New Orleans“. Der gebürtige Mellauer sieht die noch nicht ausgezählten Stimmen der Früh- und Briefwähler als Unbekannte, die den Wahlausgang noch zugunsten von Joe Biden drehen können. Aktuell scheint Präsident Trump die Oberhand zu behalten. Im als Swing-State gehandelte Florida mit seinen 29 Wahlmännern liegt er klar in Führung. Auch in Ohio hat Trump die Nase vorn. „Michigan, Wisconsin und Pensylvania werden für Biden nun sehr wichtig“, glaubt Bischof. 

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