Wie die Oberstufenschulen sich auf den Lockdown einstellen

Vorarlberg / 03.11.2020 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie die Oberstufenschulen sich auf den Lockdown einstellen
Antigentests an den Vorarlberger Schulen. Vor den Herbstferien wurden rund 600 solcher Tests durchgeführt. VN/PAULITSCH

Und wieder ist Fernunterricht angesagt. Lehrer und Schüler stellen sich der Herausforderung.

Schwarzach Ab Dienstag wird es an höheren Schulen und Oberstufenformen der Gymnasien wieder einsam: Die Schüler sind weg – zumindest physisch vom Schulgebäude. Zum zweiten Mal nach dem Lockdown Mitte März muss der Unterricht digital stattfinden, es gibt Homeschooling statt Präsenzunterricht. Davon betroffen sind 3500 Schüler an Gymnasien, 8400 Lernende an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sowie 6100 Schüler an Landesberufsschulen.

Die Fragen

“Diese Maßnahme stößt bei den Schülern aufgrund der explodierenden Infektionszahlen grundsätzlich auf Verständnis”, sagt Maximilian Kubesch (16), Landesschulsprecher der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS). Unproblematisch sei das Ganze trotzdem nicht, meint der angehende Maturant vor allem im Hinblick auf die Reifeprüfung im kommenden Jahr. “Da ergeben sich auf einmal wieder Fragen. Zum Beispiel: Wird die Matura auch wirklich zum vorgesehenen Zeitpunkt stattfinden? Muss es aufgrund der Ausnahmesituation nicht Stoffkürzungen geben?”

Nicht ideal findet der AHS-Landesschulsprecher zudem, dass die Schulen seiner Meinung nach über zu viel Autonomie im Handling des Distance Learnings verfügen. “Es fehlen klare Vorgaben von zentraler Stelle. Es darf nicht so weit kommen, dass Schulen unterschiedliche Voraussetzungen für die Matura schaffen, nur weil sie eigenständig agieren können.”

“Alle Vorgaben für das Distance Learning müssen von einer zentralen Stelle kommen.”

Maximilian Kubesch, Landesschulsprecher AHS

Die wertvollen Erfahrungen

“Es ist lästig, weil kurzfristig angeordnet. Aber wir kommen damit klar, so wie wir das auch im vergangenen Sommersemester getan haben”, kommentiert Margit Flecker (38), Direktorin an der HAK in Bludenz die neuerliche coronabedingte Verbannung von Schülern und Lehrern aus dem Schulgebäude. Von den 350 Schülern der Bildungsstätte seien nur wenige nicht entsprechend digital ausgerüstet. “Für die gibt es entweder leihweise Computer von der Schule, oder sie dürfen in kleinen Gruppen einen Arbeitsplatz zum Lernen im Schulgebäude nützen”, erklärt die Direktorin weiter. Man nehme die jetzige Situation gelassen und habe von den Erfahrungen im Frühjahr profitiert”, sagt Flecker.

“Es ist lästig, weil die Maßnahmen kurzfristig angeordnet wurden.”

Margit Flecker, Direktorin HAK Bludenz

Thomas Rothmund (62), Direktor am BORG Götzis, hat sich mit seiner Schulgemeinschaft, bestehend aus 340 Schülern und 40 Lehrern, ebenfalls wieder gut auf das Distance Learning eingestellt. Was er, wie fast alle betroffenen Schulen samt Personal, kritisiert: “Es wurden die gesetzten Maßnahmen wieder einmal sehr spät bekanntgegeben. Am vergangenen Freitag war von Lockdown an Schulen noch keine Rede, einen Tag später war dieser beschlossene Sache.”

451 positive Fälle bisher

Mit Stand Montag sind laut Auskunft der Bildungsdirektion 451 positive Coronafälle an den heimischen Schulen registriert. Davon sind 351 Schülerinnen und Schüler. 31 Ansteckungen wurden aus Volksschulen bekannt, 108 aus der Sekundarstufe I, 212 aus der Sekundarstufe II. Darüber hinaus erwischte das Virus 100 Lehrpersonen. Betroffen sind in Vorarlberg insgesamt 115 Schulen. 53 Klassen mussten bisher in Quarantäne.

Künftig werden die Teams des Roten Kreuzes vermehrt Anitgentests an den Bildungsstätten durchführen. Bereits vor den Ferien waren es laut Auskunft von Koordinator Roland Gozzi circa 600. Neu ist: Ab sofort brauchen die an die Schulen gerufenen Testteams keinen Arzt mehr.

Corona an Vorarlbergs Schulen bis Montag

451 positive Fälle

351 Schülerinnen und Schüler; 31 an Volksschulen, 180 an der Sekundarstufe I, 212 an der Sekundarstufe II

100 Lehrpersonen

115 Schulen

53 Klassen mussten in Quarantäne

600 Antigentests vor den Herbstferien

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