Wie ein Antigentest beim Praktiker funktioniert

Vorarlberg / 03.11.2020 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie ein Antigentest beim Praktiker funktioniert
Niedergelassene Ärzte testen ausschließlich Personen mit Symptomen. VN/STEURER

In der Ordination von Gabriele Gort in Wolfurt werden täglich bis zu 40 Schnelltests durchgeführt.

Wolfurt Gerhard ist erleichtert. Soeben hat der 75-Jährige von seiner Hausärztin erfahren, dass der Antigentest negativ ausgefallen ist. Jetzt steht auch dem Termin mit der Hautärztin nichts mehr entgegen. Weniger gute Nachrichten hatte Gabriele Gort für ein Ehepaar, das in einem anderen Raum auf das Ergebnis des Schnelltests wartet. Beide sind positiv. Gort, die in Wolfurt praktiziert, ist eine von 130 Allgemeinmedizinern, die Antigentests durchführen. Trotz des enormen Aufwands hat sie diesen Schritt gesetzt, und das nicht nur, weil der Bedarf an diesen Schnelltests groß ist. „Es gibt auch uns Sicherheit, wenn wir wissen, wie wir die Leute behandeln können“, sagt Gort. Sie testet 30 bis 40 Personen täglich, und 20 Prozent der Schnelltests fallen positiv aus.

Kontroll- und Testlinie

Derzeit treiben vor allem Anzeichen von grippalen Infekten die Menschen in die Arztpraxen. Auch Gerhard fühlt sich seit Längerem unwohl. Seine Stimme ist rau, sein Atem geht schwer. „Die Bronchien“, erklärt er und drückt die Hand auf die Brust. Vor seinem Termin bei der Hautärztin riet ihm Gabriele Gort zum Coronatest. Sicher sei sicher. Sie entnimmt einen Abstrich aus Nase und Rachen und bringt diesen auf eine Testkassette auf. Eine sogenannte Bufferlösung transportiert das Antigen über das Testfeld mit dem Corona-Antikörper zu einem Kontrollstreifen. Ist der Befund positiv, färben sich Kontroll- und Testlinie. Im anderen Fall verändert nur die Kontrolllinie ihre Farbe. Alles in allem dauert das 15 bis 20 Minuten. Zur Absicherung muss jedoch ein PCR-Test nachgereicht werden, dessen Auswertung in der Pathologie im LKH Feldkirch erfolgt.

Den Patienten tangiert das nicht. Gerhard sitzt im Behandlungszimmer und wartet geduldig. Er hofft natürlich auf einen für ihn guten Ausgang, aber: „Wissen kann man es nicht.“ Trotzdem: Angst habe er keine. „Jeder muss einmal gehen.“ Mehr grämt ihn, dass er schon vor drei Monaten in der Apotheke einen Grippeimpfstoff bestellt und bezahlt, jedoch nicht bekommen hat. Dabei lasse er sich jedes Jahr gegen Grippe impfen, grummelt er. An diesem Tag vermag der negative Coronatest seine Laune aufzuheitern. Eine andere, positiv getestete Patientin muss hingegen von der Rettung direkt ins Spital gebracht werden.

Von der Praxis in die Quarantäne

Von niedergelassenen Medizinern werden nur Personen mit Symptomen getestet. „Die meisten sind zum Glück symptomarm, es gibt aber auch Patienten, die haben starke Gliederschmerzen, Kopfweh, Atembeschwerden und trockenen Husten“, listet Gabriele Gort die häufigsten Plagen auf. Fällt ein Antigentest positiv aus, erhalten die Betroffenen noch in der Arztpraxis das entsprechende Infomaterial samt Kontaktdatenliste und unterstützende Medikamente. Dann ist Quarantäne angesagt. Das dafür vorgesehene Prozedere nimmt seinen Lauf. In die räumlich überschaubare Ordination von Gabriele Gort werden Patienten nur einzeln eingelassen. Gort: „Wir bitten die Leute, draußen oder im Auto zu warten.“ Zudem ist eine Voranmeldung erforderlich. In der Praxis selbst stehen separate Behandlungszimmer zur Verfügung. Und wie reagieren die Patienten auf ein positives Ergebnis? „Viele sagen, sie hätten es fast vermutet, andere sind total überrascht, weil sie keine Erklärung für die Ansteckung finden“, erzählt die Ärztin, während sie schon zum nächsten Patienten eilt. Corona hat wieder Hochsaison.

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