Zwei Festnahmen in Winterthur, keine Verbindung nach Vorarlberg

Vorarlberg / 03.11.2020 • 18:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach Terror in Wien: Auch in Vorarlberg sind Einsatzkräfte ausgerückt.<span class="copyright"> Vol.at/Pletsch</span>
Nach Terror in Wien: Auch in Vorarlberg sind Einsatzkräfte ausgerückt. Vol.at/Pletsch

Polizei und Verfassungsschutz bleiben vorerst in Alarmbereitschaft.

Bregenz Auch in Vorarlberg sorgt der Terroranschlag in Wien für Reaktionen. Die Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt, vor Rathäusern weht eine schwarze Fahne. Die politisch Verantwortlichen im Land richten Worte der Wut, der Trauer und der Anteilnahme nach Wien. Auch Hilfsangebote werden ausgesprochen. Und mittendrin stellt sich die Frage: Wie sieht die Bedrohungslage in Vorarlberg aus? Die knappe Antwort der Polizei: unverändert. Dennoch hat sie Personal ausgesandt, um Präsenz zu zeigen.

Dass es sehr wohl Verbindungen in die Region geben könnte, zeigt sich in der Schweiz. Am Dienstagmorgen bildete die Kantonspolizei Zürich einen Einsatzstab “Wien”. Dieser soll mögliche Verbindungen zwischen Verdächtigen in der Region und dem Wiener Attentäter prüfen. Wie die NZZ berichtet, wurden in Winterthur zwei Männer verhaftet. Ob der 18-Jährige und der 24-Jährige Verbindungen zum Attentäter hatten, müsse noch festgestellt werden. Jedenfalls werden Jüdische Einrichtungen vermehrt bewacht, schreibt die Zürcher Sicherheitsdirektion in einer Aussendung.

Gefährderansprachen

Auch in Vorarlberg rückte die Polizei bereits in der Nacht aus, um neuralgische Punkte wie das Jüdische Museum und kritische Infrastruktur zu bewachen. Nicht überall sorgte ihre Anwesenheit für ein Gefühl der Sicherheit, heißt es. Doch die Polizei möchte Präsenz zeigen, erläutert deren Sprecher Rainer Fitz. “Die Polizei wurde sofort in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, das bedeutet, die Kolleginnen und Kollegen sind noch schneller einsatzfähig und noch stärker auf verdächtige Wahrnehmungen sensibilisiert.” Landeshauptmann Markus Wallner beruhigt: “Es gibt keine konkreten Hinweise zu einer Verbindung der Anschläge in Wien nach Vorarlberg.” Jene Personen und Gruppen, die der Verfassungsschutz bisher schon beobachte, werden natürlich weiter beobachtet. „Wir sind aber sensibilisiert.“

Auch Sicherheitslandesrat Christian Gantner betont: “Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es keinen Zusammenhang mit Vorarlberg, weder auf Opfer- noch auf Täterseite.” Die Szene im Land sei jedenfalls klein, berichtet Gantner. “Wir sprechen von einer Hand voll Personen.” Aus Sicherheitskreisen heißt es zudem, dass am Dienstag Gefährderansprachen stattgefunden haben.

Die Polizei dürfte das öffentliche Bild noch weiter beherrschen. “Das wird so bleiben, bis wir einen kompletten Überblick darüber haben, wie sich die Situation insgesamt darstellt”, sagt Wallner. Der Landeshauptmann hält fest: “Es muss jedem Terroristen klar sein, dass wir unsere Werte, unsere Kultur und unsere Art des Zusammenlebens nach einem Terroranschlag nicht ändern werden.”

“Hass auf die Gesellschaft”

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems, ist überzeugt: Hätte der Attentäter ernsthaft die Synagoge erwischen wollen, wäre er professioneller vorgegangen. “So wie es aussieht, hatte er einfach einen Hass auf unsere Gesellschaft”, ist Loewy überzeugt. Deshalb habe er sich einen Platz mit vielen Menschen an diesem Abend ausgesucht. Die Vermutung liege zwar nahe, dass die Tat eine antisemitische Seite habe, aber man dürfe sich nicht nur darauf konzentrieren. “Er ist in dieser Gesellschaft aufgewachsen und hat offenkundig nie eine Heimat darin gefunden.” Das führe zu vielen unbequemen Fragen für die besagte Gesellschaft.