Corona verschärft die Armut immer mehr

Vorarlberg / 04.11.2020 • 16:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Corona verschärft die Armut immer mehr
In den Lerncafés der Caritas finden sozial benachteiligte Kinder Unterstützung. CARITAS

Caritas ruft zu gesellschaftlichem Miteinander auf.

Feldkirch Die Krise verschont keinen, am wenigsten die, die ohnehin schon am Limit sind. „Corona verschärft die Not im Land“, stellte Caritasdirektor Walter Schmolly im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs nüchtern fest: „Die sozialen Auswirkungen werden die Gesellschaft länger herausfordern als das Virus selbst.“ Vor allem die Bildungsschere sieht er weiter aufgehen. Dagegen will die Caritas mit der Einrichtung zusätzlicher Lerncafés angehen. Fix ist, dass Anfang 2021 in Schruns ein Lerncafé eröffnet. Laut Schmolly wird es zudem vermehrt finanzielle Unterstützungen brauchen, denn auch die Zahl jener Menschen, die nie damit gerechnet hätten, Hilfe von der Caritas zu benötigen, steige sprunghaft. Gar vervierfacht haben sich im Juni die anonymen Anfragen. Der Appell des Caritasdirektors: „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in der Coronakrise niemand den Anschluss verliert.“

Ausgebremst

Um Kinder und Jugendliche macht sich Walter Schmolly die größten Sorgen: „Sie werden in ihrer Entwicklung und Entfaltung der Potenziale stark ausgebremst.“ Das bildet sich auch in den Lerncafés und Jugendbeschäftigungsprojekten ab, wo es lange Wartelisten gibt. Familien geraten durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit ebenfalls immer mehr unter Druck. Überlastungssituationen und psychische Notlagen sind die Folge. Für alle will die Caritas auch im zweiten Lockdown da sein. „Sie sollen wissen, dass es eine Türe gibt, die immer offensteht“, sagte Schmolly.

Schwierig macht Corona auch die Arbeit in der Behinderten- und Familienhilfe. Helga Sartori, Leiterin der Werkstätte Bludenz, und ihr Team müssen täglich einen Spagat zwischen Normalität und Sicherheit bewältigen. Es sei Menschen mit Beeinträchtigungen oft schwer zu erklären, warum Freundschaften nicht mehr gepflegt und liebgewonnene Feste nicht mehr durchgeführt werden dürfen. „Das Tragen der Masken erschwert die Kommunikation, die Förderung und damit die Selbständigkeit unserer Klienten ist zu ihrem Schutz stark eingeschränkt. Darunter leiden sie“, erzählte Sartori. Aus Angst vor einer Ansteckung würden zahlreiche Klienten zu Hause bleiben.

Kein Sparen im Sozialbereich

Doris Jenni, Stellenleiterin der Familienhilfe, hat festgestellt, dass der erste Lockdown bei Familien tiefe Spuren hinterlassen hat. „Mütter berichten von Schlafproblemen und davon, dass sie keine Nerven mehr für ihre Kinder haben.“ Groß ist deshalb die Angst, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen könnten wieder schließen, denn gewohnte soziale Netze, die sonst tragen, wie Oma und Opa, fallen oft weg. Zwischen 70 und 90 Familien werden von der Familienhilfe der Caritas betreut. Vermehrte Nachfragen, ob die Familienhelferin trotz Corona kommt, kann Jenni stets positiv beantworten: „Es gibt von unserer Seite gute Hygiene- und Schutzmaßnahmen.“

Walter Schmolly merkte noch an, dass es angesichts dieser Krise kein Sparen im Sozialbereich geben darf. Die Caritas selbst erhält finanzielle Zuwendungen aus dem Coronafonds der Diözese sowie von Land und Bund. Zusagen gebe es auch für das kommende Jahr. Da seien sie noch wichtiger.

Hilfe gegen Armut: Caritas-Spendekonto, Raiba Feldkirch, IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, Kennwort: Inlandskampagne, Online-Spenden: www.caritas-vorarlberg.at 

Caritas-Fakten

– 2575 Haushalten mit 5464 Personen wurde 2019 in existenziellen Notlagen geholfen

– 153 Haushalte nahmen im Mai und Juni mit den Beratungsstellen Existenz&Wohnen erstmals Kontakt auf, 2019 waren es im gleichen Zeitraum 129

– 61 Anfragen erfolgten im Juni anonym, gegenüber Juni 2019, als es 14 waren, entspricht das einer Vervierfachung.

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