50.000 Euro weg – Vorarlbergerin ging Betrügern auf den Leim

Vorarlberg / 04.11.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
50.000 Euro weg - Vorarlbergerin ging Betrügern auf den Leim
Die Vorarlbergerin überwies 50.000 Euro an die vermeintlichen Finanzexperten. Jetzt ist das Geld weg. SYMBOLBILD

Betroffene Vorarlbergerin möchte andere warnen.

Schwarzach Es klang alles so gut. Das Geld wird von erfahrenen Börsenmaklern am Devisenmarkt investiert. Pro Monat winken acht bis zehn Prozent Rendite. „Sie empfehlen immer, dass man klein startet“, erzählt eine Vorarlbergerin*, die anonym bleiben möchte. Ihre Geschichte beginnt im Dezember 2019. Die Frau wurde über das Internet auf „Libra Markets“ aufmerksam. „Ich habe gegoogelt, wo man derzeit Geld investieren sollte“, sagt sie. Beim ersten Mal überwies sie 300 Euro. “Nach einem Monat hatte ich einen Gewinn von 20 Euro. Den ließ ich mir ausbezahlen. Im Februar habe ich dann 5000 nachgezahlt. Nach einem Monat hatte ich einen Gewinn von 500 Euro, den ich mir ebenfalls ausbezahlen ließ“, schildert sie. Das Geld landete beide Male termingerecht auf dem Konto. Auch die mit ihrem „Finanzberater“ vereinbarten Anrufe (er gab sich als Daniel Haase aus) waren auf die Minute pünktlich. All das habe sie ermutigt weiter zu investieren. Im April überwies sie 15.000 Euro und einen Monat später 30.000 Euro.

“Keine Auszahlung möglich”

Über das Benutzerkonto konnte die Vorarlbergerin mitverfolgen, wie ihr Geld offenbar von Tag zu Tag mehr wurde. Im August wurde ein Kontostand von 106.000 Euro angezeigt. “Im August wollte ich auch die erste größere Auszahlung in Höhe von 6000 Euro. Dabei wurde mit allerdings erklärt, dass die Auszahlung bis zum 23. Oktober nicht möglich ist, weil Trades am Laufen sind und dass man mir sogar empfiehlt, den ganzen Profit rauszunehmen, weil man nie wisse, was auf dem Markt passiert.” Zu diesem Zeitpunkt schrillten bei der gutgläubigen Anlegerin zum ersten Mal die Alarmglocken. Man kann einen Trade doch jederzeit beenden!? Wieso sollte ein „Profi“, der diverse Software zur Verfügung hat, sich vor der Zukunft fürchten? “Ich habe dann die Firma unter die Lupe genommen”, erläutert die Frau im Gespräch mit den VN. Das Ergebnis: Auf der Homepage fand sie weder eine Firmenadresse noch Angaben zum Geschäftsführer. Es stellte sich heraus, dass die Telefonnummer, von der sie immer angerufen wurde, gar nicht existiert. Auf einem Kundenbewertungsportal berichteten Menschen aus aller Welt von ähnlichen Erfahrungen. Es kam wie befürchtet: Ende Oktober war auf dem Konto von heute auf morgen plötzlich ein Minus von 35.000 Euro zu sehen. Später meldete sich der “Finanzberater” noch einmal und meinte, sie könne das Geld nur retten, wenn sie nochmals investiere. 

Die Vorarlbergerin ging zu Polizei und zeigte „Libra Markets“ an. Mit dem Gang an die Öffentlichkeit möchte sie auch andere dazu ermutigen: “Man kommt sich dumm und leichtsinnig vor, niemand will darüber reden, aber je mehr Daten die Polizei zur Verfügung hat, desto größer sind die Chancen, dass das irgendwann endet”, unterstreicht sie. vn-ger

*Name der Redaktion bekannt

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