Kleinkind überlebt tückischen Krebs

Vorarlberg / 04.11.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kleinkind überlebt tückischen Krebs
Volkan mit seiner Mutter Ayla (rechts) und seiner genesenen Schwester Selin. Links: Dominik mit seiner Mutter. Der siebenjährige Bub leidet an Leukämie.

Für die Familie Cicek sind die schlechten Zeiten vorbei. Töchterchen Selin ist von einer Krebserkrankung genesen.

Wolfurt Die lebensbedrohliche Krankheit platzte im Mai 2015 in das Leben der Familie Cicek aus Wolfurt. Selin war gerade zwei Jahre alt geworden, als man entdeckte, dass das Mädchen an Blutkrebs leidet. Diese Diagnose zog ihrer Mutter Ayla den Boden unter den Füßen weg. „Ich bin zusammengebrochen.“  Aber Ayla konnte sich jetzt nicht erlauben, schwach zu sein. Sie musste für ihre schwerkranke Tochter stark sein.

Acht Monate lang musste sich das leukämiekranke Kleinkind einer intensiven Chemotherapie unterziehen. „Die ersten eineinhalb Monate waren wir in der Klinik Innsbruck, dann wechselten wir ins Spital nach Dornbirn.“ Ayla war mit ihrer Tochter mehr im Krankenhaus als zu Hause. „Wir haben mindestens 150 Tage im Spital verbracht.“ Glücklicherweise sprach das Kleinkind auf die Therapie gut an, aber sie war eine Tortur für das kleine Mädchen. „Selin war so geschwächt, dass sie nicht mehr gehen und reden konnte.“ Auch ihr Wesen veränderte sich durch die Behandlung vorübergehend. Selin, die bis dahin lieb und brav war, wurde aggressiv. „Sie hat mich gekratzt und an den Haaren gezogen.“ Ayla und ihr Mann Salih, die ihr täglich Medikamente eingeben mussten, kamen an ihre Grenzen. Denn: „Selin wehrte sich und hat jedes Mal furchtbar geschrien.“  

“Mein Sohn sagte weinend zu mir: ‘Ich brauche keine Nachhilfe, ich möchte nur dich haben.'”

Ayla Cicek, vierfache Mutter

Die Krankheit des Mädchens veränderte vieles. Selins Vater, ein Metallarbeiter, konnte nicht mehr arbeiten gehen. „Er musste daheimbleiben und auf unsere anderen zwei Kinder aufpassen. Unsere Tochter Nelis war damals erst ein Jahr alt, unser Sohn Volkan elf.“ Volkans Leistungen in der Schule verschlechterten sich. Die Eltern sorgten dafür, dass er Nachhilfe bekam. Aber diese blieb wirkungslos. „Ich fragte unseren Sohn, was los sei. Da sagte er weinend zu mir: „Ich brauche keine Nachhilfe. Ich möchte nur dich haben.“ Ayla wurde auf einen Schlag klar: “Dieses Kind braucht dich auch.“  

Aber Familie Cicek wurde in ihrer Not nicht alleingelassen. „Ich habe eine starke Familie hinter mir. Sie hat mir alles leichter gemacht“, ist die 40-Jährige noch heute dankbar für die Hilfe ihrer Familienangehörigen. Auch der Kinderhilfsorganisation „Stunde des Herzens“ ist Ayla unendlich dankbar. „Joe Fritsche ist ein wunderbarer Mensch. Am Nikolaustag 2015 stand er mit einer Geldspende vor unserer Tür. Er sagte, ich solle mit dem Geld nicht nur Selin, sondern auch ihren Geschwistern ein Geschenk kaufen.” Und das tat Ayla dann auch. Volkan, der bis dahin mit der Play-Station der Nachbarskinder gespielt hatte, bekam eine eigene. „Unser Sohn hat vor Freude geweint“, erinnert sich Ayla.  Der elfjährige Bub war so gerührt über das Geschenk, dass er sich innerlich schwor: „Wenn ich einmal groß bin und arbeite, werde ich mein erstes Gehalt einem krebskranken Kind spenden.“

“Volkan hat ein riesengroßes Herz”

Stunde des Herzens begleitete die Familie durch die schwere Zeit. „Joe half uns nicht nur mit Geld. Er machte meine Kinder mit kleinen Geschenken glücklich. Außerdem organisierte er schöne Ausflüge für uns, zum Beispiel Schlittenfahrten mit Husky Toni. Auch Konzertbesuche ermöglichte er unserer Familie.“

Ayla hat viele Gründe dankbar zu sein. Auch weil „die schlechten Zeiten vorbei sind“. Das größte Geschenk, das ihr das Leben machte, war die Gesundung ihrer Tochter Selin. Sie ist heute sieben Jahre alt und geht mit Freude zur Schule. Besonders stolz ist die vierfache Mutter auf ihren Ältesten. „Für mich ist Volkan einmalig. Er hat ein riesengroßes Herz.“  Im September begann der 16-Jährige eine Lehre zum Verpackungstechniker. Als er im Oktober sein erstes Gehalt erhielt, löste er seinen Schwur ein. Er spendete sein Monatsgehalt einem siebenjährigen Buben, der an Leukämie leidet.

"Stunde des Herzens" zeichnete Volkan mit dem Menschlichkeits-Award aus.
"Stunde des Herzens" zeichnete Volkan mit dem Menschlichkeits-Award aus.

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