Schweiz ruft die Armee zur Hilfe

Vorarlberg / 04.11.2020 • 19:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Soldaten sollen in den Spitälern eingesetzt werden. St. Gallen sucht zusätzlich Personal.

WIEN In der Schweiz wird’s eng. Gestern wurden erstmals mehr als 10.000 Neuinfektionen an einem Tag bestätigt. Außerdem gab es 247 Hospitalisierungen und 72 Todesfälle. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann die Kapazitätsgrenzen im Gesundheitswesen erreicht werden. Noch können die nötigsten Vorkehrungen getroffen werden. Der Kanton St. Gallen, der gemessen an der Bevölkerung ein sehr ähnliches Infektionsgeschehen aufweist wie Vorarlberg, sucht über Inserate in sozialen Medien noch schnell Personal: Wer bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten helfen könne, möge sich melden. Sobald Engpässe auftreten, werde man kontaktiert, heißt es darin. Parallel dazu hat der Bundesrat beschlossen, die Armee einzusetzen: Bis zu 2500 Soldaten werden bereitgestellt. Zum Einsatz kommen sie bei der Pflege und bei Patiententransporten, so Verteidigungsministerin Viola Amherd. Die Kantone Wallis, Bern und Jura hätten bereits um Unterstützung angesucht.

Die Zeit wird knapp. Gesundheitsminister Alain Berset mahnt eidgenössische Solidarität ein: „In einigen Kantonen ist die Situation sehr dramatisch, die Spitäler sind an der Kapazitätsgrenze oder haben sie bereits überschritten.“ Alle Kantone und Spitäler seien daher aufgerufen, nicht dringend nötige Eingriffe zu reduzieren, um Ressourcen freizumachen, so Berset laut SRF.

Contact Tracing eingeschränkt

Die Kontaktnachverfolgung bei positiv Getesteten ist überhaupt nur noch eingeschränkt möglich. Nach St. Gallen teilte das nun auch der Kanton Appenzell Innerrhoden mit: Vorübergehend werde man ausschließlich Frauen, Männer und Kinder, die mit der infizierten Person zusammenleben, informieren. Allen übrigen Personen müsse der oder die Betroffene selbstständig eine mögliche Ansteckung mitteilen.

Die Schweiz hält bei 658 bestätigten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. In Österreich beträgt diese Inzidenz bei stärker steigender Tendenz 379, ist also noch viel niedriger. Trotzdem gibt es im Nachbarland keinen flächendeckenden Lockdown. Wenn, dann wird das gesellschaftliche Leben nur in einzelnen Kantonen zurückgefahren. Gestern wurde das im Wallis beschlossen; ab morgen sind dort sämtliche Lokale geschlossen.

Im Fürstentum Liechtenstein hatte sich die Inzidenz zuletzt bei rund 500 stabilisiert, ist in den vergangenen Tagen aber auf 539 gestiegen. Noch höher ist sie im Bodenseeraum nur in Vorarlberg mit 580. St. Gallen liegt bei 562. Maximal halb so hoch ist sie in den angrenzenden Landkreisen in Deutschland. JOH

„In einigen Kantonen ist die Situation dramatisch, die Spitäler sind an der Kapazitätsgrenze.“

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