“Die Republikaner werden sich bald neu orientieren müssen”

Vorarlberg / 05.11.2020 • 22:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
US-Wahl 2020. Unruhen überziehen das ganze Land. Präsident Donald Trump hat nie versucht, ausgleichend zu wirken.AP
US-Wahl 2020. Unruhen überziehen das ganze Land. Präsident Donald Trump hat nie versucht, ausgleichend zu wirken.AP

 

New Orleans Die Republikanische Partei in den USA ist zu einem Jubelverein von Donald Trump geworden, dessen willkürliche Handlungen demokratische Grundpfeiler aus der Verankerung zu reißen drohen. Was ist aus der „Grand old Party“ geworden, fragen sich viele Amerika-Kenner. Wie konservativ auch immer sie für viele Geschmäcker erscheint, so gab es bisher doch nie einen Zweifel über die Integrität der Partei in ihrer demokratischen Grundausrichtung mit Akzeptanz der elementaren Spielregeln .

Wo bleibt der parteiinterne Aufstand gegen Trump durch Männer von Zuschnitt eines John McCain, dem republikanischen Gegenkandidaten Barack Obamas im Jahre 2008? „Trump hat jeden Widerstand  gebrochen. Viele wissen, wie er mit Kritikern umgeht und wollen es sich mit ihm nicht verscherzen“, erklärt Historiker Günter Bischof (67).

Der Mellauer, der das Geschichte­institut der „University of New Orleans“ leitet und seit über 30 Jahren in den USA lebt, verweist auf  Quellen, die von aktiven Interventionen Trumps gegenüber den republikanischen Gouverneuren von Georgia und Arizona berichten. „Trump soll versucht haben, seine Parteikollegen zu Manipulationen bei der Auszählung zu bewegen“, sagt Bischof.

Trump und das Gesetz

Trumps Kampf mit allen Mitteln erklärt sich Bischof auch mit persönlichen Gründen des Amtsinhabers. „Ist Trump nicht mehr Präsident, kann er für vieles, was ihm an gesetzlosem Handeln vorgeworfen wird, gerichtlich belangt werden. Daher tut er alles, um im Amt zu bleiben.“

Die Republikaner sieht der Experte nach einem politischen Ende Trumps vor großen Herausforderungen. „Sie werden sich neu orientieren müssen und danach trachten, wieder mehr in die Mitte zu rücken.

Cindy McCain und andere

Offen Widerstand zeigen derzeit nur Republikaner, die sich mit Trump bereits heillos zerstritten haben. Dazu zählt das sogenannte Lincoln Projekt, benannt nach Präsident Abraham Lincoln. Dessen Initatoren rufen zum Widerstand gegen Trump auf. Eine der Gallionsfiguren der Gruppe ist Cindy McCain, Witwe des verstorbenen John McCain. Die McCains kommen aus Arizona. John McCain war bis zu seinem Tod dort Senator. „Es ist durchaus möglich, dass das Lincoln Project dem Präsidenten in diesem heiß umkämpften Bundesstaat massiv schadete. Cindy McCain rief jedenfalls dazu auf, für Joe Biden zu stimmen. Das blieb wohl nicht ohne Wirkung“, analysiert Bischof. VN-HK

„Trump hat jeden Widerstand innerhalb der Republikanischen Partei gebrochen.“

"Die Republikaner werden sich bald neu orientieren müssen"

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