Die Verbindung zwischen Winterthur und Wien

Vorarlberg / 05.11.2020 • 05:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Verbindung zwischen Winterthur und Wien
AFP

Schweizer Islamisten-Hotspot eine Stunde von Vorarlberg entfernt. Mirsad O. war 2013 dort.

Schwarzach Der Terroranschlag in Wien ist Vorarlberg näher, als es vielen lieb ist. Ein Ermittlungsstrang führt in eine Stadt, die nur eine Autostunde entfernt liegt: Winterthur. Die Schweizer Polizei verhaftete dort nach dem Terroranschlag in Wien zwei Männer. Nun bestätigen die Behörden: Sie standen mit dem späteren Wiener Attentäter in Kontakt. Winterthur ist in der radikalen Islamistenszene ein Hotspot. Deutschschweizer, die nach Syrien in den Krieg reisten, wurden oft in Winterthur radikalisiert. Der Ausgangspunkt dieser radikalen Szene liegt wiederum in Wien. Der verurteilte Dschihadist Mirsad O. soll als Vorbild für jenen Mann dienen, der die Szene in Winterthur aufgebaut hat: Sandro V.

Schon früh radikal

Der Vorarlberger Politikwissenschaftler Huseyin Cicek bestätigt: “Ja, das war ein Hotspot. Da sind einige in Syrien gelandet.” Verbindungen nach Vorarlberg sind ihm zwar nicht bekannt, allerdings gebe es einen regen Austausch der Moscheevereine in der Bodenseeregion. Fabian Baumgartner, Journalist der Neuen Züricher Zeitung (NZZ), verfolgt die Szene in Winterthur schon lange. Er sagt: “Es ist schwierig, zu erklären, was dazu geführt hat, dass Winterthur zu einem Hotspot geworden ist.” Ein Grund dürfte die An-Nur-Moschee sein, die mittlerweile geschlossen ist. “Da haben sich viele mit radikaler Auslegung sehr früh getroffen. Mehrere Leute gingen später nach Syrien.” Parallel hat sich ein Kampfsportverein gebildet, in dem junge Männer radikalisiert wurden. Sandro V. holte den zweifachen deutschen Thaiboxweltmeister Valdet Gashi ins Boot, der aus dem süddeutschen Singen nach Winterthur übersiedelte und später nach Syrien reiste. Sie trainierten Kampfsport nach den Regeln der Scharia: ohne Musik und ohne Frauen, schreibt die NZZ.

Szene noch da

Die Verbindung zu Mirsad O. dürfte 2013 bei einer Benefizveranstaltung in Winterthur entstanden sein. Er stand auf der Gästeliste. Die Moschee ist mittlerweile zu, zudem wurde in der Schweiz seit über zwei Jahren keine Ausreise nach Syrien registriert. “Das hat dazu geführt, dass die Leute da sind. Zum Teil verurteilt, zum Teil wieder frei”, schildert Baumgartner. Man treffe sich nun eben in Waldhütten. “Sie sind noch aktiv und haben offensichtlich immer noch eine Verbindung nach Österreich.”

Die beiden Festgenommenen sind Schweizer Staatsbürger (18 und 24), sie befinden sich nun in Zürich in Haft. Gegen beide läuft bereits ein Verfahren im Bereich Terrorismus. Man befinde sich in engem Kontakt mit den österreichischen Behörden, schreibt die Bundesstaatsanwaltschaft Schweiz auf VN-Anfrage. “Der mutmaßliche Täter in Wien und die beiden verhafteten Personen in Zürich waren sich bekannt.” Auch Österreichs Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, bestätigte, dass es direkten Kontakt gegeben hat. Aber vieles ist noch unbekannt.

Im ersten Urteil des späteren Attentäters von Wien aus dem Mai 2019 findet sich kein Hinweis auf die Schweiz.

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