Dankbarer Abschied nach 31 Jahren auf der Fraßenhütte

Vorarlberg / 05.11.2020 • 15:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
31 Jahre lang war die Fraßenhütte ihre zweite Heimat: Dagmar und Stefan Probst sagten nun Seruvs.<span class="copyright">BI</span>
31 Jahre lang war die Fraßenhütte ihre zweite Heimat: Dagmar und Stefan Probst sagten nun Seruvs.BI

Wirteehepaar Dagmar und Stefan Probst erzählt von spannenden und harmonischen Jahren auf der Hütte oberhalb von Bludenz.

BLUDENZ Es war ein wohlüberlegter Abschied heuer am 15. Juni, der aber dennoch nicht ganz einfach war. „Es war unser Leben. Wir haben 31 Saisonen lang die Fraßenhütte bewirtet. Mit unseren Gästen haben wir sehr viel Schönes erlebt“, betont Dagmar Probst. Auch Stefan Probst, ihr Ehemann, erinnert sich gerne: „Bei uns stand die Harmonie im Fokus – sowohl zwischen uns als auch im Team und mit unseren Besuchern. Das hat unser Arbeitsklima geprägt. Unser Motto war ‚Do gsi, schö gsi‘. Wir wollten allen Gästen unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Ein Gast sagte beim Abschied sogar: Do gsi, immer schö gsi.“ Dass alles so geklappt hat, sind sich beide einig, lag auch an der Unterstützung durch die ganze Familie. Stefans Bruder Karl-Heinz kam manchmal extra aus dem Burgenland, wenn Not am Mann war, auch Schwester Petra sprang häufig ein. „Aber auch unsere Tochter Natalie mit Schwiegersohn haben uns bereitwillig geholfen. Wir konnten immer auf sie zählen“, ergänzt Stefan Probst.

Ruhig und gewissenhaft

Viel Wertschätzung hegen die sympathischen Wirtsleute zudem für ihre nepalesischen Mitarbeiter: „Oft kamen ganz viele Bestellungen auf einmal. Wenn es stressig zu werden drohte, verfielen sie nie in Hektik – im Gegenteil, sie erledigten ihre Arbeit ruhig und sehr gewissenhaft.“ Es waren vorwiegend Stammgäste, die die Fraßenhütte besuchten. „Manche Familien sind immer wieder gekommen. Mittlerweile kam selbst schon die dritte Generation mit ihren Partnern. Das hat uns sehr gefreut“, betont Stefan Probst.

Glücklicherweise gab es auch nur ganz wenige Bergunfälle während ihrer Zeit dort, rund fünf Mal musste der Notarzt gerufen werden. Im Lauf der Jahre sei auch eine „Flugfreundschaft“ entstanden. Walter Seifert, Hubschrauberpilot bei der Firma Wucher, habe sich immer bei seinem Heimflug der Fraßenhütte genähert und gewunken. „Sobald es hieß, der Walter kommt, stand immer die ganze Crew bereit, um zu winken. Er flog so nah heran, dass es wirkte, als ob er einen Kaffee von unserer Terrasse mitnehmen könnte“, erzählt Dagmar Probst.

Keine Langeweile

Aktuell räumt das Wirtepaar die Fraßenhütte. Es hat sich in all den Jahren viel angesammelt, auch Geschenke von Gästen. „Alle Gegenstände sind mit Geschichten verbunden, was mit einer gewissen Wehmut verbunden ist“, führt die Hüttenwirtin weiter aus. Langweile habe es nie gegeben: „Es gab immer etwas vorzubereiten, zu putzen und instandzusetzen. Wir haben schlechtes Wetter beispielweise dazu genutzt, Strudelfüllungen und Knödel zuzubereiten. Das war sehr idyllisch, denn das Wild kam oft ganz nahe zur Hütte.“ Da schon die Eltern von Stefan die Hütte zuvor betrieben hatten, konnten sie langsam in ihre Aufgabe als Hüttenwirte hineinwachsen. „Meine Mama hat sich bis zuletzt aktiv beteiligt. Mit 89 Jahren hat sie noch Schnittlauch aus dem eigenen Garten vorgeschnitten und für uns in Döschen abgefüllt“, ergänzt Stefan Probst. Das Ehepaar hat sich vor 40 Jahren auf der Hütte kennengelernt, inzwischen sind sie seit 39 Jahren verheiratet.

Auf die Frage, was die Hüttenbetreiber denn nun mit ihrer verfügbaren Zeit anfangen, sind sich beide wiederum einig: „Wir lernen wandern zu gehen. Bislang musste immer alles schnell gehen.“ So sind Wanderungen rund um Vorarlberg zu anderen Hütten geplant. Beide sind auch gerne mit dem Motorrad unterwegs. Das Reiseziel wird von der Wetterlage bestimmt. Vor Kurzem waren sie in Sardinien, ein wettermäßig gutes Zeitfenster wurde genutzt. Außerdem seien sie bereit, den neuen Hüttenwirten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Wir haben sehr viele Erfahrungen gesammelt. Man muss körperlich sehr gut aufgestellt sein, denn die Arbeit als Hüttenwirt bedeutet eine 7-Tage-Woche mit täglich 14 bis 16 Stunden Einsatz“, führt Stefan Probst weiter aus. Er sei optimistisch, dass auch die neuen Betreiber die Hütte gut weiterführen werden und hat noch einen Rat: „Ein Lächeln nimmt in schwierigen Situationen viel Druck weg.“ BI

„Jetzt lernen wir wandern zu gehen. Bisher musste immer alles schnell gehen.“

Stefan Probst,
nun ehemaliger Hüttenwirt
Dagmar und Stefan Probst haben ausschließlich schöne Erinnerungen an ihre Zeit als Hüttenwirte.<span class="copyright">BI</span>
Dagmar und Stefan Probst haben ausschließlich schöne Erinnerungen an ihre Zeit als Hüttenwirte.BI

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