Radikalisierte in der Bewährungshilfe

Vorarlberg / 05.11.2020 • 16:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Radikalisierte in der Bewährungshilfe
Winfried Ender spricht mit den VN über die Arbeit mit Radikalisierten. VN/STIPLOVSEK

Der Verein Neustart betreut Menschen, nachdem sie die Haft verlassen dürfen.

Bregenz Wenn Menschen aus dem Gefängnis entlassen werden, geschieht das in der Regel mit einer Bewährungszeit im Gepäck. In dieser Zeit hilft der Verein Neustart, den Menschen wieder ins Leben zu finden. Das gilt auch für jene, die nach dem Terrorparagrafen verurteilt wurden, also auch für Rückkehrer aus dem Krieg, die für den IS gekämpft haben. Österreichweit betreut der Verein derzeit 50 dieser Verurteilten. In Vorarlberg zwar keinen, das war aber auch schon anders. Bekanntlich hat es in Feldkirch zwei Verurteilungen gegeben.

Die Arbeit mit der Personengruppe unterscheidet sich für Neustart kaum von anderen. Denn auch hier gilt: Der wichtigste Schritt ist es, zu Beginn Verantwortung für das Delikt zu übernehmen, erläutert Winfried Ender, Leiter von Neustart Vorarlberg. „Das geschieht in vielen Gesprächen. Wir sprechen darüber, weshalb er zum Beispiel nach Syrien gereist ist. Außerdem ist es wichtig, dass man Perspektiven schafft: Wo will ich hin im Leben?“ Das sei bei allen Fällen mit Radikalisierten so. „Wir haben da relativ viel Erfahrung. Radikalisierung gibt es ja in viele Richtungen.“

In Fällen mit Radikalisierung unterstützt der Verein für Extremismusprävention und Demokratie (Derad) die Bewährungshilfe. „Sie sehen sich an, wie sehr sich die Einstellung verfestigt hat und beleuchten den Hintergrund. Der klassischen Deliktverarbeitung kommt ein erhöhter Kontrollaspekt hinzu“, erläutert Ender. Seit Anfang des Jahres gibt es zudem das sicherheitspolitische Instrument der Fallkonferenz. Die Polizei, das Gericht, die Betreuungseinrichtungen und der Vollzug setzen sich zusammen, um über jeden einzelnen Fall zu sprechen. „Der Austausch ist extrem wichtig und muss bei diesen Fällen intensiv angewendet werden“, betont der Neustart-Leiter. Beim Verein selbst sind ebenfalls Mitarbeiter extra für den Umgang mit radikalisierten Menschen geschult worden, fährt er fort. Die Bewährungshilfe sei grundsätzlich ein gutes Instrument.

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