Wie Corona den Drang nach Fitness bremst

Vorarlberg / 05.11.2020 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie Corona den Drang nach Fitness bremst
Lea ist wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen zum Müßiggang verdammt. Im Fitnessstudio Branner stehen die Geräte ungenutzt herum. VN/PAULITSCH

Auch im Fitnessstudio Branner in Rankweil herrscht gähnende Leere statt Hochbetrieb.

Rankweil Sarah Branner (35) lässt sich ihre Fröhlichkeit nicht nehmen. “Es nützt ja nichts. Wir müssen das akzeptieren”, schmunzelt die Unternehmerin. Ihre Schwester Patrizia, mit der sie den Laden im dreistöckigen Fitnesstempel schmeißt, kann den Humor nicht teilen. “Ich verstehe nicht ganz, warum wir nicht gleich behandelt werden wie etwa die Friseure. Wir leisten mit unserem Angebot schließlich auch Gesundheitsdienste. Zu uns kommen mehrere Personen, die sich auf Reha befinden und ihre Therapieübungen hier machen”, argumentiert die dreifache Mutter. Immerhin dürfen die bei Branners beschäftigten Physiotherapeuten weiterhin ihre Klienten behandeln. “Ohne ärztliche Vorschreibung dürfen wir jedoch keine Menschen hereinlassen”, ergänzt Patrizia.

“Wir leisten mit unseren Angeboten auch Gesundheitsdienste.”

Patrizia Branner

Gewöhnlich Hochbetrieb

Im Fitnessstudio Branner herrscht um diese Zeit gewöhnlich Hochbetrieb “Nach dem Sommer, wenn es kälter wird, haben wir sehr viele motivierte Kundschaften”, sagt Lehrling Lea, die wie die meisten anderen Mitarbeiter zum Nichtstun verurteilt ist. Bis zu 150 Bewegungshungrige hätten an einem gewöhnlichen Werktag bis Mittag schon die zahlreichen Geräte frequentiert bzw. sich in einem der angebotenen Kurse körperlich betätigt. Insgesamt 35 Personen finden im Fitnessstudio in verschiedenen Bereichen Beschäftigung, 25 sind von der Firma Branner fix angestellt, zwölf von diesen befinden sich mittlerweile wieder in Kurzarbeit. Bei Branners arbeiten Reinigungskräfte genauso wie Fitnessbetreuer, Verwaltungspersonal, Gymnastikkursleiter und Physiotherapeuten.

Patrizia (l.) und Sarah Branner versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Die Kundschaften fehlen ihnen.  <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Patrizia (l.) und Sarah Branner versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Die Kundschaften fehlen ihnen. VN/Paulitsch

Viel gemacht

Den ersten Lockdown nahm man beim Rankweiler Unternehmen noch relativ gelassen und mit großer Opferbereitschaft hin. “Wir haben in den Wochen des Zusperrens viel in unseren Räumlichkeiten gemacht: Plexigläser angebracht, einen neuen Boden gelegt, die Geräte in entsprechendem Abstand voneinander positioniert, unsere Hygienemaßnahmen optimiert. Wir haben alles getan, um in dieser speziellen Situation größtmögliche Sicherheit zu garantieren”, betont Patrizia Branner. Jetzt, nach Anordnung des zweiten Lockdowns, sei man des Ganzen überdrüssig. “Obwohl wir natürlich auch ein hohes Maß an Verständnis aufbringen”, sagt Patrizia.

Hoffnung stirbt zuletzt

Ihren Kunden sind die Branners, die das Fitnessstudio als Familienbetrieb seit 28 Jahren betreiben, selbstverständlich entgegengekommen. “Die Verträge wurden entsprechend angepasst. Vereinzelt sind Kunden an uns herangetreten, die ihren Kontrakt aus wirtschaftlichen Gründen auflösen wollten. Dem haben wir ausnahmslos zugestimmt”, berichtet Patrizia Branner.

Die Hoffnung lebt, dass es Anfang Dezember wieder weitergehen kann. “Sicher sein kann man sich natürlich nie. Aber wir hoffen das Beste.” Jetzt kann auch Patrizia lachen. Schwester Sarah tut das sowieso.

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