Corona bringt die ­Spitäler in arge Nöte

Vorarlberg / 06.11.2020 • 22:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Operationssälen der Krankenhäuser wird es coronabedingt wieder ruhiger.khbg/nussbaumer
In den Operationssälen der Krankenhäuser wird es coronabedingt wieder ruhiger.khbg/nussbaumer

OP-Programm wird sofort um die Hälfte reduziert.

feldkirch Rund 38.000 operative Eingriffe werden pro Jahr in den fünf Landeskrankenhäusern durchgeführt. Nun zwingt die Coronapandemie neuerlich zu tiefen Einschnitten. Bereits ab der kommenden Woche wird das OP-Programm um die Hälfte zusammengestrichen, wie die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) gegenüber den VN erklärte. Dabei gehe es vor allem um nicht dringliche und planbare Eingriffe. Die Reduktion betrifft Bereiche wie die Endoprothetik, die Gefäßchirurgie sowie Graue Star-Operationen. Notfälle und medizinisch dringliche Operationen würden jedoch jederzeit durchgeführt. „Wir versuchen auch, so schnell wie möglich wieder in den Regelbetrieb zu wechseln“, verlautet aus der KHBG. Den genauen Zeitpunkt könne momentan jedoch niemand exakt definieren. Der sei abhängig von der weiteren Entwicklung der Coronapandemie.

Intensivpatienten im Aufwachraum

Die größte Sorge gilt derzeit aber den Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern. 28 von derzeit 51 zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind aktuell mit Covidpatienten belegt, ein Ende ist vorläufig nicht abzusehen. Anhand der derzeitigen Zahlen befürchtet Oberarzt Wolfgang List, leitender Intensivmediziner im LKH Feldkirch und für die Koordination der Intensivbetten in allen Spitälern zuständig, dass bereits Ende November die Kapazitätsgrenze erreicht werden könnte, „wenn es nicht rasch zu einer Trendwende bei den Neuinfektionen kommt“. Im LKH Bregenz beispielsweise werden andere intensivpflichtige Patienten bereits im Aufwachraum untergebracht. „Da sind wir dann schon im Bereich einer Notversorgung“, sagt List.

Mangelnde Einsicht

Acht Prozent der positiv Getesteten müssen spätestens zehn Tage nach einer Infektion ins Spital, 15 bis 20 Prozent von ihnen benötigen eine Intensivbehandlung. Bereits im Verlauf des Oktobers, als die Zahlen immer weiter stiegen, sei klar geworden, dass sich das mit den Intensivbetten möglicherweise nicht ausgehen könnte. „Trotzdem haben wir auf eine baldige Abflachung der Infektionskurve gehofft“, erzählt Wolfgang List. Doch dann nahm die Sache an Dynamik zu. Die Krankenhäuser bekommen die Zahlen mit sieben bis zehn Tagen Verspätung zu spüren. Der Effekt des neuerlichen Lockdowns, so er denn eintritt, sollte sich laut List in zwei Wochen zeigen. Die Zeit werde herausfordernd bleiben. Die Reduzierung des OP-Programms um die Hälfte hält der Intensivmediziner für gerechtfertigt, weil damit Personal für die Betreuung von Covidpatienten freigespielt werden kann. Noch sieht List keinen Engpass, doch das könne sich schnell ändern.

Dass die Leute nicht bereit sind, ihre sozialen Kontakte einzuschränken, hält er für den Knackpunkt in dieser Geschichte. Wolfgang List vermisst schmerzlich die Einsicht und das Bewusstsein für den Ernst der Lage. Bis sich eine Besserung einstellt, werde man sich so gut es geht von Woche zu Woche hangeln und optimistisch bleiben. „Die Besorgnis wächst aber auch beim Personal“, merkt List an. VN-MM

402

Neuinfektionen und neuerlich vier Todesfälle meldete die Landessanitätsdirektion am Freitag. Weiters müssen 145 infizierte Personen in Krankenhäusern behandelt werden, davon 28 auf Intensivstationen. Bei aller Tragik gibt es auch eine gute Nachricht: Im Vergleich zu den Neuinfektionen gibt es mit 404 erstmals mehr  Gesundmeldungen. Die Zahl der aktiv positiv Getesteten liegt damit bei 3165 Personen. 

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