Die Maske als Keimschleuder

Vorarlberg / 06.11.2020 • 19:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sabrina Spreitzer trägt jetzt wieder Brille. Ihr linkes Auge ist allerdings schwer beeinrächtigt. spreitzer
Sabrina Spreitzer trägt jetzt wieder Brille. Ihr linkes Auge ist allerdings schwer beeinrächtigt. spreitzer

Mund-Nasen-Schutz kann bei Kontaktlinsenträgern schmerzhafte Folgen haben.

Feldkirch Das linke Auge von Sabrina Spreitzer sieht übel aus. Seit mehr als sechs Wochen laboriert die 31-Jährige an einer schweren Entzündung, mitverursacht durch das in ihrem Beruf bedingte konsequente Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. In diesem Fall ist jedoch nicht das Coronavirus der Missetäter, sondern ein Bakterium. Es handelt sich um den Pseudomonaskeim, der sich überall dort wohlfühlt, wo es feucht ist, so auch in Kontaktlinsenschalen. Betroffen von solchen Augeninfektionen sind deshalb vor allem Kontaktlinsenträger.

Zusätzliche Belastung

Masken können die Problematik verschärfen. Das bestätigt Oberärztin Gabriele Hartmann, Leiterin der Abteilung für Krankenhaushygiene und Infektiologie im LKH Feldkirch. Sie erklärt: „Steigt die Atemluft nach oben in Richtung der Augen, führt das zum Austrocknen der Hornhaut. Kontaktlinsen als Fremdkörper stellen eine zusätzliche Belastung für das Auge dar.“ Haben sich auf den Sehhilfen möglicherweise noch Pseudomonaskeime festgesetzt, kann eine Augeninfektion die Folge sein. Um das zu verhindern, sollten Masken oben dicht anliegen, damit der Strom der Atemluft eher nach unten entweicht. Essenziell ist eine konsequente Händehygiene.

An der mangelte es Sabrina Spreitzer nicht. Sie arbeitet als Pflegeassistentin in einem Pflegeheim und weiß schon aus diesem Grund, wie wichtig das regelmäßige Desinfizieren der Hände ist. Nicht bewusst war ihr, was Kontaktlinsen, die sie seit fünf Jahren verwendet, in Kombination mit einem Mund-Nasen-Schutz anrichten können. „Sonst wäre ich gleich auf eine Brille umgestiegen“, sagt die junge Frau, die ihre Geschichte erzählen möchte, um andere auf die möglichen Auswirkungen, die das Tragen einer Maske auch haben kann, aufmerksam zu machen. Sie selbst wird am linken Auge mit einer deutlich reduzierten Sehleistung zurechtkommen müssen. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika und ist sehr langwierig.

Häufiges Vorkommen

Der Pseudomonaskeim, auch als Pfützen- oder Wasserkeim bekannt, kommt überall vor. Er tummelt sich unter anderem an Wasserhähnen, in Waschbecken, Toiletten und eben Kontaktlinsenflüssigkeit. Im Normalfall richtet er laut Hartmann wenig Schaden an. Treffen jedoch trockene Hornhaut, empfindliche Bindehaut und Fremdkörper wie Kontaktlinsen zusammen, kann es buchstäblich ins Auge gehen. Es gibt dazu zwar noch keine Studien, aber zumindest auf die Verbindung zwischen Augenerkrankungen und dem Tagen von Schutzmasken haben australische Experten schon im März in einer Medizinzeitschrift hingewiesen. VN-MM

„Steigt die Atemluft in Richtung der Augen, führt das zum Austrocknen der Hornhaut.“

Die Maske als Keimschleuder

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