Warum Schnelltests bei Gesunden wenig bringen

Vorarlberg / 06.11.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum Schnelltests bei Gesunden wenig bringen
Bei Patienten mit Infektionssymptomen zeigen Schnelltests eine hohe Sensitivität. VN/STEURER

Die Ärzte warnen vor der mangelnden Zuverlässigkeit.

Dornbirn Antigentests: Sie sind derzeit wortwörtlich in aller Munde, weil relativ preisgünstig und vor allem schnell. Binnen 15 bis 20 Minuten liegt das Ergebnis vor. Ein PCR-Test dauert 24 bis 48 Stunden, mitunter auch länger. Antigentests sind allerdings nur bei Personen mit Krankheitssymptomen eine zuverlässige Alternative. Bei Patienten ohne Anzeichen einer Infektion liegt die Treffsicherheit bei unter 50 Prozent. Das ist der Hauptgrund, warum sich die Geister an einem breiten Einsatz von Antigentests noch scheiden. Ärztekammerpräsident Michael Jonas hält Tests bei symptomlosen Kontaktpersonen für sinnlos und eine Ressourcenverschwendung und spricht von einer falschen Sicherheit, die damit geschaffen würde. Aks-Vizepräsident und VN-Kommentator Hans Concin will in Pandemiezeiten nicht von Sicherheit reden: „Die Nachverfolgung ist gescheitert, deshalb müssen alle zur Verfügung stehenden Mittel genützt werden, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten.“ Antigentests könnten dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Perfektion in der Pandemie sei nämlich Illusion.

Internationale Studien fehlen

Aktuell gibt es drei Möglichkeiten, eine Coronainfektion nachzuweisen: Den PCR-Test, den Antigentest und den Antikörpernachweis. Bei Letzterem wird lediglich festgestellt, ob die Person bereits mit dem Virus in Kontakt war. Immer mehr gefragt ist der schnelle Antigentest. Er wird seit einigen Wochen auch von niedergelassenen Hausärzten durchgeführt. Ein Verzeichnis gibt es jedoch nicht. Damit soll laut Ärztekammer verhindert werden, dass infektiöse Patienten unangemeldet in die Ordination kommen. Gleichwohl steigt die Nachfrage massiv, auch bei Menschen ohne Symptome. Eine Testung dieser Personengruppe lehnt Michael Jonas jedoch dezidiert ab, hält sie aufgrund der niedrigen Zuverlässigkeit für gefährlich. „Die Leute meinen, sie sind nicht infiziert und streuen das Virus möglicherweise doch“, gibt er zu bedenken. Im Zusammenhang mit den Antigentests ist immer wieder auch von Freitesten die Rede. Vor allem die Wirtschaft bringt diese Möglichkeit gerne ins Spiel. „Ich habe nichts gegen ein Freitesten“, sagt Jonas, „aber dann müssen es PCR-Tests sein.“ Das mangelnde Verständnis für den Unterschied zwischen Antigentest und PCR-Test, was symptomlose Personen betrifft, führt der Ärztekammerpräsident unter anderem auf das Fehlen internationaler und von Medizinproduktherstellern unabhängiger Studien zurück.

Neue Strategie in Sicht

Bei symptomatischen Patienten hingegen scheint der Antigentest dem PCR-Test sogar überlegen. Das leitet Jonas aus Untersuchungen ab, die in den Krankenhäusern des Landes gemacht wurden. Auch Daten aus der Schweiz belegen dies. Als Nachweis gilt ein positiver Antigentest allerdings nicht. Dafür ist zusätzlich ein PCR-Test nötig. Diese Vorgehensweise koste viel Geld und zeige, dass die Pandemie nicht gebremst werden könne. Die Ärztekammer fordert daher, dass ein positiver Antigentest zur sofortigen Ausstellung eines Absonderungsbescheides ausreichen sollte. Dem wird in der Strategie des Bundes nun offenbar Rechnung getragen. Die Maßnahme soll bereits ab der kommenden Woche gelten. „Damit würden wir sicher fünf bis sieben Tage im Vergleich zum bisherigen Prozedere gewinnen, und Infektionsherde könnten viel früher eingedämmt werden“, zeigt sich Michael Jonas überzeugt.

Virusnachweis

Das Virus ist frühestens fünf Tage vor Beginn der Symptome nachweisbar, meistens jedoch zwei bis drei Tage vor Ausbruch der Beschwerden. Ab Symptombeginn kann das Virus bis zu 16 Tage nachgewiesen werden, die mittlere Nachweisdauer beträgt fünf Tage.

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