Spitäler stehen vor Nagelprobe

Vorarlberg / 08.11.2020 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auf der Intensivstation im LKH Hohenems ist das Personal stark gefordert. <span class="copyright">KHBG</span>
Auf der Intensivstation im LKH Hohenems ist das Personal stark gefordert. KHBG

Bettenplanung wird neu beraten. Intensivplätze im Aufbau.

Schwarzach „Das vergangene Wochenende brachte auf den Intensivstationen zumindest keine Verschärfung“, stellte Landeshauptmann Markus Wallner hörbar erleichtert im VN-Gespräch fest. Doch die Nagelprobe könnte den Spitälern schon demnächst drohen, wenn die hohen Infektionszahlen der vergangenen Tage dort zeitverzögert aufschlagen.

Längere Verdoppelungszeit

Sowohl Dornbirn wie auch Hohenems sind bekanntermaßen bereits am Limit. „Deshalb trifft sich der Krisenstab der Krankenhausbetriebsgesellschaft gleich Montag früh, um die weitere Bettenplanung zu koordinieren“, sagte Wallner. Auch der Aufbau des Notversorgungszentrums gehe zügig voran. Überdies haben Spitäler bereits damit begonnen, zusätzliche Intensivplätze einzurichten. Mit Klagen von langen Wartezeiten auf Testergebnisse konfrontiert, hieß es vonseiten des Landes, die Testungen würden jetzt wieder funktionieren. Es wurden Fehler eingeräumt, jetzt laufe es aber besser. Gute Nachrichten kommen auch vom Gesundheitsexperten Armin Fidler: „Laut den jüngsten Zahlen beträgt die Verdoppelungszeit mit Stand Sonntag wieder neun Tage.“ Am 30 und 31. Oktober waren es noch drei Tage. Ab dann wurde die Zeit, in der sich die Infektionen verdoppelt haben, immer ein bisschen länger. „Wir haben nun ein bisschen ein Plateau erreicht. Ob es danach aufwärts oder abwärts geht, kann ich nicht sagen. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer. Zuletzt waren wir am 22. Oktober bei neun Tagen. Das ist also schon ganz gut. Mit den derzeitigen Maßnahmen bleiben wir hoffentlich zumindest einmal auf diesem Plateau“, streut Fidler Zuversicht.

Appelle der Lokalpolitiker

Die geradezu explodierenden Coronafallzahlen rufen jetzt auch immer mehr Lokalpolitiker auf den Plan. Sie rufen die Bevölkerung zur Vernunft auf und dazu, vor allem soziale Kontakte drastisch zu reduzieren. Besonders eindringlich hat sich der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer zur Krise, die aus seiner Sicht einer Katastrophe gleichkommt, geäußert. Gerade in einer solchen Situation sei die Kommunikation ein wesentlicher Aspekt. Deshalb habe er sich gefragt, was er in seiner Funktion als Leiter des Krisenstabs tun könne. Die einfache Antwort: „Mit den Leuten reden.“ Weil es keine Veranstaltungen mehr gibt und damit viele Möglichkeiten wegfallen, nütze er die digitale Schiene.

Kurt Fischer berichtet unter anderem von persönlichen Erfahrungen beim Besuch auf einer Intensivstation und wie extrem herausfordernd die Arbeit für das Pflegepersonal dort ist. Er kritisiert, wie locker sich viele Leute bei Rot immer noch über die virologische Ampel hinwegsetzen. Der Bundesregierung wirft er vor, selbst mit dem Schaden vor Augen zu spät gehandelt zu haben. Heute, Montag, wollen sich die Bürgermeister des am stärksten vom Coronavirus gebeutelten Bezirks Dornbirn zu einem Austausch treffen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.