Corona zirkuliert auch stark in Pflegeheimen

Vorarlberg / 09.11.2020 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zahl der von Infektionen betroffenen Sozialeinrichtungen nimmt zu.

Bregenz Die zweite Infektionswelle hat nun auch die Pflegeheime erreicht. Inzwischen zirkuliert das Coronavirus in 26 von 51 Pflegeheimen des Landes, wie aus dem Büro von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker bestätigt wird. Das sind deutlich mehr als bei der Pandemie im Frühjahr. In acht Heimen gibt es positive Bewohnerinnen und Bewohner, in 22 Heimen positive Mitarbeitende. Betroffen sind insgesamt 102 Personen, sie verteilen sich je zur Hälfte auf Personal und Bewohner.

Mit Worten bedroht

Zwei betagte Menschen müssen im Krankenhaus behandelt werden, die anderen sind demnach stabil. Die Personalsituation wird ebenfalls als funktionierend angegeben. In allen von Corona in Mitleidenschaft gezogenen Heimen seien FFP2-Masken im Einsatz, wird vonseiten der zuständigen Abteilung im Landhaus noch betont. Als besonders belastend werden Covid-Infektionen bei Bewohnern vom Pflegepersonal wahrgenommen. „Aber nicht, weil wir Angst vor einer Ansteckung haben“, erklärt die Mitarbeiterin eines betroffenen Pflegeheims im Unterland. Vielmehr sind es die Vorwürfe von Angehörigen, die zu schaffen machen. Die junge Frau berichtet von einem Telefonat, in dem sie rüde angepöbelt worden sei. Ein anderer Angehöriger habe sie mit Worten und Körperhaltung bedroht. „Und dies nur, weil ich auf Sicherheitsmaßnahmen und bestimmte Abläufe im Haus bestanden habe“, erzählt die diplomierte Krankenschwester weiter. „Wir Pflegekräfte“, fährt sie fort, „schränken unsere sozialen Kontakte schon seit geraumer Zeit auf einen äußerst überschaubaren Rahmen ein, weil es unser Berufsethos so verlangt.“ Die meisten Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner würden aber Verständnis für die notwendigen Maßnahmen zeigen und sie einhalten.

Appell zur Unterstützung

Doch sie will auch Zuversicht vermitteln. „Ich vertraue darauf, dass unsere Kräfte reichen, die uns anvertrauten Menschen zu schützen.“ Gleichzeitig appelliert sie „uns Pflegekräfte zu unterstützen, wo es möglich ist“ und gemeinsam gegen die Pandemie anzugehen. Anschuldigungen würden keinem helfen.

Die Infektionszahlen lassen, wie berichtet, auch in den Spitälern die Sorgen wachsen. Um schnell reagieren zu können, tagt die dortige Taskforce deshalb mehrmals wöchentlich. Experten beraten und beschließen nächste Schritte. Aktuell werden auf den Intensivstationen 29 Corona-positive sowie neun Nicht-Corona-Patienten behandelt. 51 Intensivbetten stehen regulär zur Verfügung, 53 Intensivplätze können zusätzlich verfügbar gemacht werden. VN-MM

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.